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Branchenmeldungen 07.11.2011

Zehn Jahre DGEndo: DGET feiert Einstand

Zehn Jahre DGEndo: DGET feiert Einstand

Vom 3. bis 5. November sorgten im Bonner Kameha Grand Hotel über 450 Teilnehmer für einen Besucherrekord auf der zehnten DGEndo-Jahrestagung, die gleichzeitig deren Ende und den Einstand der DGET – Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. – darstellte.

Impressionen


Die zehnte Jahrestagung der DGEndo in Bonn war angesichts eines hochkarätigen Fachprogramms und Rekordteilnehmerzahlen womöglich das wichtigste deutsche Endodontie-Event des Jahres. Gleichzeitig war dieser Kongress auch Gründungsveranstaltung der DGET, welche die DGEndo ablöst. Wie auch in den Jahren zuvor bei der DGEndo startete die 1. Jahrestagung der DGET mit einem Pre-Kongress am Donnerstag mit sechs Industrie-Workshops. Aufgrund der immer wieder aktuellen Thematik der maschinellen Wurzelkanalaufbereitung wurden verschiedene Systeme mit ihren unterschiedlichen Facetten vorgestellt.

Prof. Michael Baumann (Köln) stellte ein System vor, in dem das Crown-Down-Konzept durch die vorgegebene Instrumentensequenz umgesetzt wird. Die gerade in letzter Zeit immer wieder diskutierte Aufbereitung mit reziproker Bewegung wurde den interessierten Teilnehmern von Dr. Christoph Zirkel (Köln) und Dr. Josef Diemer (Meckenbeuren) näher gebracht. Vor allem die verminderte Bruchgefahr dieser Instrumente sowie die schnelle Anwendung nach Etablierung des Gleitpfads ist für viele Kollegen sehr interessant. Selbstverständlich wurden neben den Stärken auch die Schwächen und Limitationen aufgezeigt, die wie auch bei anderen Systemen bei diesen Instrumenten bestehen. Die im Zusammenhang mit diesen Systemen immer wieder postulierte „one-file-endo“ kann nicht immer umgesetzt werden.

Unter diesem Motto stand auch der Vortrag von PD Dr. Christian Gernhardt (Halle): „Es muss nicht immer nur eine Feile sein“. Vor- und Nachteile von Feilensystemen wurden aufgezeigt und Anleitungen gegeben, wie man auf anatomische Gegebenheiten reagieren kann, um zu einem guten Behandlungserfolg zu kommen. In diese Reihe fügte sich auch PD Dr. Dieter Pahncke ein, der die Aufbereitung mit sehr flexiblen Feilen vorstellte und sich mit Fülltechniken beschäftigte: „von heiß bis kalt“. Auf großes Interesse stieß der Workshop von ZA Oscar von Stetten (Stuttgart): „Dokumentation mit dem Operationsmikroskop“. Ein Thema mit dem sich immer mehr Mitglieder der DGET beschäftigen und das so manche Tücken aufweist. Viele der möglichen Lösungen durch die Industrie konnten live betrachtet und ausprobiert werden.

An der Anzahl der präsentierten zwölf möglichen Dokumentationslösungen zeigt sich die Vielschichtigkeit und Komplexität des Themas. Wirklich interessant waren die manchmal nicht ganz einfachen aber wichtigen physikalischen Grundlagen, die klar aufzeigten, welche Grenzen durch die Optik gegeben sind. Demgegenüber konnten viele praktische Tipps und Tricks vermittelt werden, die zu einer vorhersagbareren Dokumentation der Behandlung führen.

In der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend wurde die aktuelle Vorstandsarbeit den Mitgliedern anschaulich erklärt und die erreichten Ergebnisse z.B. der GOZ-Novelle präsentiert. Die Neuwahlen waren von großem Vertrauen in die Arbeit des derzeitigen Vorstandes geprägt, so dass dieser in seiner aktuellen Zusammensetzung von den Mitgliedern wieder zur Wahrung der gesellschaftlichen Interessen gewählt wurde. Der Tag klang mit einem guten Abendessen in der faszinierenden Location des Kameha Grand in traditionell geselliger Atmosphäre aus.

Das wissenschaftliche Hauptprogramm eröffnete PD Dr. Christian Gernhardt (Halle) am Freitag in gewohnt souveräner Weise. Anschließend präsentierte Prof. Marco Versiani faszinierende µCT-Bilder von Wurzelkanalanatomien und verstand es, diese Bilder unserer täglichen klinischen Arbeit zuzuordnen. Dr. Arnaldo Castellucci brachte daraufhin in knapper, aber humorvoller Weise die Verbesserungen in der nicht-chirurgischen Endodontie auf den Punkt. Sein Schwerpunkt lag in der Anwendung von Ultraschallinstrumenten im Rahmen der endodontischen Behandlung und der Erstellung eines Gleitpfades zur weiteren rotierenden Aufbereitung.

Gestärkt durch ein gutes Mittagessen ging es dann in das Spannungsfeld der adhäsiven Haftung an Dentin nach einer endodontischen Behandlung. Prof. Tagami (Tokyo) schaffte es, diesen komplizierten Sachverhalt durchaus interessant und anschaulich zu demonstrieren.  Als Quintessenz des Vortrags bleibt, dass das chemisch veränderte Dentin nicht zur vollen Adhäsion fähig ist und somit frisches Dentin durch mechanische Entfernung der veränderten Schicht freigelegt werden muss, um die gewohnte Haftkraft zu erreichen.

Prof. Haapasalo (Vancouver), sicher einer der versiertesten Forscher und Kliniker weltweit, referierte über die sehr komplexe Materie der Behandlungsplanung sowie der Desinfektion der infizierten Kanalstrukturen. Er beleuchtete dabei sehr gut mögliche Strategien, um die Infektion des Endodonts zu bekämpfen. Der Tag fand den Abschluss in der großen Geburtstagsfeier in der PureGold Bar des Kameha Grand. Dr. Hans-Willi Herrmann (Bad Kreuznach) präsentierte in seiner Laudatio zum Zehn-Jährigen Geburtstag der DGEndo einen interessanten Querschnitt der Entwicklungsgeschichte der Fachgesellschaft und sorgte in seiner unnachahmlichen Art für manchen Lacher des Publikums. Abschließend wurde in der Bar in einer exzellenten Stimmung ausgelassen bis in die Morgenstunden weitergefeiert.

Der nächste Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Thomas Kvist (Göteborg, Schweden), der trotz der ausgelassenen Feier am Vorabend sehr gut besucht war. Es spricht für das Programm und die Teilnehmer, trotz sicher kurzer Nacht so zahlreich zu diesem interessanten Vortrag gekommen zu sein. Dr. Kvist sprach vermittelnd über die Erfolgsraten in der Endodontie und deren Bedeutung in der strategischen Behandlungsplanung. Dr. Roy Nesari (San Francisco) trug im Anschluss in sehr unterhaltsamer Weise das Marketingkonzept seiner endodontischen Fachpraxis vor. Dabei legte er besonderen Wert auf die Überweiserkommunikation, die Mitarbeitermotivation und das Controlling der Praxisentwicklung. Sicher hat Dr. Nesari einige interessante Facetten des Marketings aufgezeigt und die Teilnehmer sowohl fasziniert als auch mit guten Gedanken für die eigene Praxis versorgt. Prof. Weiger (Basel) gab den Teilnehmern ein sehr gutes Update zum Thema „ dentale Traumatologie“. Die Entwicklungen in der „Traumabehandlung“ sind fortgeschritten und es ist wichtig, dieses doch entscheidende Thema wieder in den Fokus rücken zu lassen. Am Ende seines sehr fundierten Vortrags wurde die Entwicklung eines Smartphone-Apps bekannt gegeben, welches in Zusammenarbeit der DGET 2012 entwickelt wird und das Verhalten nach Trauma und die Therapieempfehlungen auf moderne Mobiltelefone bringt. Somit hat man ein schnelles und fundiertes Nachschlagewerk zur Hand, welches den Behandler in der schnellen und korrekten Therapieplanung unterstützt.

Dieses Jahr konnte der von der DGET ausgelobte Dissertationspreis an zwei Doktoranden aus Halle und Witten überreicht werden.  Namentlich waren es Dr. Anna Louisa Holzner (Erlangen) mit dem Thema: „Entwicklung eines „Basic Root Canal Treatments“ als zahnerhaltende Maßnahme im Rahmen der primären zahnmedizinischen Gesundheitsversorgung.“(Universität Witten/Herdecke) und Dr. Rita Pollak/(Halle a.d.S) mit dem Thema: „Entwicklung eines Prüfsystems zur Bakteriendurchlässigkeit von Wurzelkanalfüllmaterialien.“(Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) Zudem konnte 14 Teilnehmern der DGET-Curricula, als auch Dr Ralf Günther als neuer DGET-Spezialist, aufgrund der im Rahmen der Jahrestagung erfolgreich bestandenen Prüfung, ihr Zertifikat überreicht werden.

Das Highlight fand zum Ende der diesjährigen Tagung statt. Prof Kim (Philadelphia) konnte gewonnen werden, um vor Ort zwei mikrochirurgische Wurzelspitzenresektionen an Unterkiefermolaren durchzuführen. Besonders faszinierend für die Teilnehmer war, dass dies erstmalig auf der Welt in 3D-Technik, ermöglicht durch die Firma Zeiss, live projiziert wurde. Es war, wie immer, sehr spannend und inspirierend, einem so erfahrenen Behandler bei einer WSR folgen zu dürfen. Es rundet das Bild ab, dass Prof. Kim bereits an der 1. Jahrestagung der DGEndo eine Live-OP präsentierte. Mit seiner Teilnahme an der 10 Jahrestagung schließt sich nun der Kreis. Abschließend kann festgehalten werden, dass diese Geburtstagsfeier ein Meilenstein war und wir uns ein Jahr nach Gründung der DGET und zehn Jahre nach Gründung der DGEndo auf einem sehr guten Weg für die Endodontie in Deutschland befinden.

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