Wissenschaft und Forschung 29.04.2026

Kurz abgespült reicht nicht: Mundschutz kann zur Keimfalle werden



Im Sport schützt ein Mundschutz Zähne, Zahnfleisch und Kiefer vor Verletzungen. Doch nach Training oder Spiel landet er oft nur kurz unter dem Wasserhahn oder direkt zurück in der Box. Eine Untersuchung zeigt nun, dass gebrauchte Mundschutze von Kindern deutlich stärker von Bakterien besiedelt sein können, vor allem wenn die Oberflächenrauigkeit durch Abnutzung zunimmt und die Reinigung zu knapp ausfällt.

 
Kurz abgespült reicht nicht: Mundschutz kann zur Keimfalle werden

Foto: ManuStockStudio Generiert mit KI – stock.adobe.com

Die kürzlich vorgestellte Studie der Swinburne University of Technology in Melbourne hat untersucht, wie stark Sportmundschutze und Aufbewahrungsboxen von Kindern bakteriell belastet sind. Dafür wurden Mundschutze, Boxen und Abstriche aus der Mundhöhle von zehn männlichen Australian-Football-Spielern im Alter von elf bis zwölf Jahren analysiert. Die Proben wurden vor einer Trainingseinheit genommen. Die Forschenden identifizierten kultivierbare Bakterien mittels 16S-rRNA-Sequenzierung und untersuchten außerdem Biofilmbildung, Oberflächenrauigkeit und Reinigungsmethoden. 

Insgesamt fanden die Forschenden 38 bakterielle Isolate aus 13 Gattungen. Am häufigsten wurde Pseudomonas putida nachgewiesen. Viele der Keime stammten eher aus der Umwelt als aus der Mundhöhle, was auf Kontamination durch Lagerung und Umgang mit dem Mundschutz hinweist. Die Mundhöhlenproben selbst zeigten dagegen eine deutlich geringere Vielfalt, vor allem mit Staphylococcus und Streptococcus.

Noch deutlicher wurde der Zusammenhang beim Material. Gebrauchte Mundschutze wiesen eine erheblich rauere Oberfläche auf als neue EVA-Materialien. Während neue Proben einen Rauigkeitswert von 0,713 Mikrometern zeigten, lagen gebrauchte Mundschutze nach einer Spielsaison bei 173,88 Mikrometern. In diesen kleinen Rillen und Unebenheiten konnten sich Bakterien leichter anlagern. Unter dem Rasterelektronenmikroskop zeigte sich auf beschädigten Oberflächen eine etwa achtfach höhere bakterielle Besiedlung.

Ein kurzes Abspülen unter Wasser entfernte in den Versuchen nur etwa 60 bis 70 Prozent der Bakterien. Mundspüllösungen mit Alkohol oder Wasserstoffperoxid sowie Reinigungstabletten schnitten besser ab, entfernten die Keime aber ebenfalls nicht vollständig. Am wirksamsten war die mechanische Reinigung mit Zahnbürste und Zahnpasta. Sie reduzierte die bakterielle Belastung um nahezu 98 Prozent. Heißt aber nicht, dass der Mundschutz selbst zum Problem wird. Er bleibt gerade in Kontaktsportarten ein wichtiger Schutz vor Zahn- und Kieferverletzungen. Die Studie zeigt vielmehr, dass Pflege und Aufbewahrung mitgedacht werden müssen. Nach dem Sport sollte der Mundschutz nicht nur kurz abgespült, sondern gründlich gereinigt, vollständig getrocknet und in einer sauberen, belüfteten Box aufbewahrt werden. Auch sichtbare Risse, raue Stellen oder ein schlechter Sitz sind Hinweise, den Mundschutz zu ersetzen.

1 Badari et al., Surface deterioration and poor handling of sports mouthguards for young football players promote bacterial attachment and colonisation requiring mechanical cleaning BMC Oral Health; DOI: 10.1186/s12903-025-07016-9

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