Wissenschaft und Forschung 27.04.2026

Trotz Rückgang: USA bleiben Spitzenreiter bei dentalen Opioidverordnungen



Eine internationale Analyse zeigt, dass US-Zahnärzte Opioide deutlich häufiger verordnen als Kollegen in Europa und anderen Industrienationen.

Trotz Rückgang: USA bleiben Spitzenreiter bei dentalen Opioidverordnungen

Foto: Jelena – stock.adobe.com

Wer sich in den USA einen Zahn ziehen oder behandeln lässt, erhält deutlich häufiger ein Opioid als Patienten in vergleichbaren Ländern, zeigt eine aktuelle Studie. Analysiert wurden eingelöste Verschreibungen nach zahnärztlichen Eingriffen in mehreren Industrienationen zwischen 2021 und 2024.

Die Zahlen zeigen zunächst eine positive Entwicklung. In den USA sank die Rate eingelöster Opioidrezepte um 27 Prozent, in Puerto Rico um 10 Prozent. Auch Kanada, Frankreich, Australien und Deutschland verzeichneten Rückgänge im zweistelligen Bereich. International ist seit einigen Jahren ein klarer Trend zu beobachten, weg von opioidhaltigen Schmerzmitteln hin zu nicht-opioiden Alternativen.

Trotzdem bleiben die Unterschiede erheblich. Im Jahr 2024 wurden in den USA 2.022 Opioidverschreibungen pro 100.000 Einwohner nach zahnärztlichen Behandlungen eingelöst. In den Niederlanden lag dieser Wert bei nur 83. Damit ist die Rate in den USA rund 24-mal so hoch. Kanada folgt mit deutlichem Abstand, während europäische Länder insgesamt deutlich niedrigere Werte aufweisen.

Die Studie International Trends in Dental Opioid Prescriptions führt diese Entwicklung unter anderem auf veränderte Leitlinien zurück. Zahnärzte werden zunehmend angehalten, Schmerzen nach Routineeingriffen primär mit nicht-opioiden Analgetika zu behandeln. Hintergrund sind bekannte Risiken wie Abhängigkeit, Überdosierungen oder ein Übergang in eine langfristige Einnahme.

Studienautor Kao-Ping Chua sieht dennoch weiteren Handlungsbedarf. Zwar gehe die Verordnungsrate in den USA zurück, im internationalen Vergleich bleibe sie jedoch hoch. Das deute darauf hin, dass Opioide in Teilen der zahnärztlichen Versorgung weiterhin zu häufig eingesetzt werden. Die Daten zeigen damit ein eher zweigeteiltes Bild. Der globale Trend geht klar in Richtung Zurückhaltung. Gleichzeitig bleibt die Verschreibungspraxis je nach Land sehr unterschiedlich.

1 Chua KP et al., International Trends in Dental Opioid Prescriptions, JAMA Network Open (2026), doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.7824

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