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Wissenschaft und Forschung 21.02.2011

Weniger Komplikationen bei Implantaten, wenn das Zahnfleisch vorbehandelt wird

Weniger Komplikationen bei Implantaten, wenn das Zahnfleisch vorbehandelt wird

Zahnmediziner der Universität Witten/Herdecke veröffentlicht erste Studie zur Anwendung von so genannten Expandern bei Menschen

In einer ersten Studie zu so genannten Expandern in der Zahnmedizin konnte der Parodontologe der Universität Witten/Herdecke, Prof. Dr. Anton Friedmann, jetzt nachweisen, dass eine Vordehnung des Zahnfleischs für weniger Komplikationen bei einer späteren Zahnimplantation sorgt. "Das war bisher nur in Tierversuchen ausprobiert worden und mein Kollege Kaner und ich konnten jetzt die erste Studie an Menschen durchführen. Es ist eine kleine Studie, in der es im Wesentlichen darum ging, die Machbarkeit zu prüfen", erklärt er die Bedeutung. Bei zwölf Patienten wurde das Zahnfleisch vorgedehnt und nach einem darauf folgenden Knochenaufbau Implantate eingesetzt. Alle Implantate heilten problemlos ein, auch wenn bei zwei Patienten in der Phase der Zahnfleischdehnung leichte Komplikationen auftraten.

Zum Hintergrund: Nach einem Zahnverlust entwickeln sich der Kieferknochen und auch das Zahnfleisch zurück. Je mehr Zähne fehlen und je länger der Verlust zurückliegt, um so mehr. Wenn erst nach Jahren der Zahnlosigkeit Implantate eingesetzt werden, muss oft erst der Kieferknochen wieder aufgebaut werden. "Man kann sich leicht vorstellen, dass das Zahnfleisch dabei ziemlich beansprucht wird. Es muss am Ende des Eingriffs quasi um einen größer gewordenen Knochen passen, ohne selber größer geworden zu sein. Darum haben wir uns das Vorbild der plastischen Chirurgie genommen. Dort wird ja auch die Haut mit einem so genannten Expander vorgedehnt, wenn zum Beispiel bei Frauen nach einer Brustkrebsoperation die Brust wieder aufgebaut wird" schildert Friedmann seine Idee. Ein Anbieter hat unter der Leitung der Dres. Kaner und Friedmann seine kleinen Kapseln weiterentwickelt. Jetzt werden sie unter das Zahnfleisch eingeschoben und dehnen sich durch Feuchtigkeit dort auf ein vorgegebenes Maß aus. "Es entsteht ein Hohlraum, den der später durchzuführende Knochenaufbau ausfüllen kann, ohne das Zahnfleisch zu beanspruchen. Diese Vorbehandlung
dauert sechs bis acht Wochen, aber das Ergebnis zeigt ganz eindeutig: Die Patienten profitieren davon", bewertet Friedmann seine Studie. Denn das Zahnfleisch ist wichtig für den Kieferknochen, es schützt ihn vor Entzündungen und versorgt ihn mit Blut. "Gerade wenn ein Implantat gesetzt wird - und das heißt ja, dass da eine Halterung für den späteren Zahn in den Knochen einwachsen muss - dann sind das Eingriffe, die ein Maximum an Zuverlässigkeit erfordern. Die Heilung der entstehenden Wunden unterstützt das Zahnfleisch ganz wesentlich."

Das neue Verfahren dürfen Zahnärzte nur nach einer Schulung zur Handhabung der Expander bei ihren Patienten anwenden. Neben der Universität Witten/Herdecke bieten zahlreiche Zahnärztekammern diese Schulungen an. In der Zahnklinik der Universität Witten/Herdecke wird dieses Verfahren den Patienten angeboten.

Die Arbeit wurde im Original veröffentlicht im Journal of Cinical Periodontology 2010 doi: 10.1111/j.1600-05IX.2010.01630.x: Kaner D, Friedmann A Soft tissue expansion with self-filling osmotic tissue expanders before vertical ridge augmentation: a proof of principle study.

Quelle: Uni Witten/Herdecke



Foto: © Shutterstock.com
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