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Branchenmeldungen 28.02.2011

"TEETH" - Zahnmedizinische Hilfe für Gambia

"TEETH" - Zahnmedizinische Hilfe für Gambia

„Manchmal entstehen Ideen einfach durch einen kleinen Anstoß von außen“ sagt der Berliner MKG-Chirurg Dr. Dr. Steffen Köhler, im Gespräch mit ZWP online, wenn man ihn nach dem Auslöser zum Hilfsprojekt TEETH fragt. Was eigentlich als persönliche Herausforderung und Abenteuer begann, entwickelte sich schnell zu dem Wunsch langfristig zu helfen.

Im November 2008 nahmen Dr. Köhler und weitere Mitglieder der Initiative ÄRZTE HELFEN an der wohltätigen, 7.800 km langen Rallye Dresden-Dakar-Banjul teil.
Besonders prägend war schließlich der einwöchige Aufenthalt am Ziel selbst - Banjul und Serrekunda an der Küste Gambias. Der Spendenerlös von 3.800 Euro aus der Versteigerung der beiden Rallyefahrzeuge und die mitgeführten Hilfsgüter wurden dort an Hilfsprojekte verteilt. Während man die ersten drei Wochen fast ausschließlich im Auto saß, hatten Dr. Köhler und seine Mitstreiter nun Zeit für den direkten Kontakt mit den Menschen. Sie erhielten Einblicke in die Lebensumstände und die allgegenwärtige Notsituation in der sich die meisten Gambianer befinden.

Der Besuch in der ASB-Klinik Serrekunda war dabei ein entscheidendes Erlebnis. Mit 42 Mitarbeitern werden dort bis zu 36.000 Patienten im Jahr behandelt. Die Klinik, welche sich inmitten der bedürftigen Menschen befindet, ist für viele die einzige Chance überhaupt eine medizinische Betreuung zu erhalten. „Ich war beeindruckt mit welchem Engagement die Klinikleitung den Betrieb aufrecht erhält, um auch den Mittellosen als Anlaufstelle dienen zu können. Als ich mich über die Situation im Bereich der zahnmedizinischen Versorgung erkundigte, stellte sich schnell heraus, dass es diese dort nicht gibt. Der Mangel an entsprechender Ausstattung und Personal lassen dies nicht zu.“ führt Dr. Köhler aus. Generell ist die Versorgung im Dentalbereich in Gambia so gut wie nicht vorhanden. Der Erwerb von Zahnpflegeprodukten ist für den Großteil der Bevölkerung zu teuer, ganz zu schweigen von einer Behandlung bei einem der wenigen Ärzte.

Der Wunsch, hier gezielte Unterstützung zu leisten, wuchs während und nach der Reise zusammen mit Freunden und Bekannten. Die Kontakte zur Klinikleitung in Serrekunda halfen, die Notwendigkeiten der Hilfe zu bestimmen und organisatorische Hürden auszuloten. Im Mai 2009 gründete sich der Verein ÄRZTE HELFEN e.V., dessen Vorsitzender Dr. Köhler ist. Mit dem Projekt TEETH möchte der Verein zur Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung in Gambia beitragen.

Aktuelle Schwerpunkte sind:

1) Einrichtung einer kleinen Zahnarztpraxis in der Klinik: Eine komplette Behandlungseinheit sowie eine Vielzahl von Materialien konnten bereits über Dentalunternehmen und Kollegen gesammelt werden. „Auch wenn die Ausstattung des Behandlungsraumes schon fortgeschritten ist, fehlen noch einige Dinge. Außerdem wird es immer wieder notwendig sein, Verbrauchsmaterialien zu stellen, damit praktiziert werden kann.“, so Dr. Köhler dazu.

2) Fortbildung von einheimischen Dentalfachkräften, um eine dauerhafte Grundversorgung zu ermöglichen.

3) Ärztetransfer: Bereits im März 2010 wird Dr. Köhler als erster einen Transfer durchführen und Behandlungen vornehmen. „Ein solcher Transfer hat verschiedene Vorteile“ sagt Dr. Köhler und erläutert: „Die Zahnmediziner können bedürftigen Menschen helfen, denen eine Behandlung sonst verwehrt geblieben wäre. Für die Behandlerin und den Behandler selbst ist dies eine interessante und herausfordernde Erfahrung. Neben der anderen Kultur, die man auf ganz besondere Weise kennen lernt, behandelt man auch Krankheitsbilder, welche in Europa selten geworden sind. Die medizinische Herausforderung ist nicht zu unterschätzen und eröffnet dem Teilnehmer eine neue Perspektive auf das eigene Berufsfeld.“

4) Prophylaxeaufklärung: „Die Durchführung von kindgerechter Bildung im Bereich der Zahnpflege erscheint uns ein bedeutender Gesichtspunkt, um auch längerfristig eine Wirkung zu erzielen. Vorträge an Schulen, die den Kindern spielend erklären, warum Zähne gepflegt werden müssen, sollen durch das Verteilen von Zahnpflegeartikeln ergänzt werden.“, betont er und hofft, in diesem Bereich entsprechende Unterstützung zu finden.

Erste Hilfsgüter und Ausstattungsgegenstände für den Behandlungsraum wurden Ende November 2009 in einem Container nach Gambia verschifft. Ein Mitglied des Vereins und ein Fachmann für dentale Behandlungstechnik reisen im Januar 2010 nach Gambia. Sie bauen in der Klinik den Behandlungsstuhl auf und übernehmen die Einrichtung des Raumes. Dr. Köhler übernimmt bei seinem Aufenthalt im März 2010 die Einrichtung unter medizinischen Aspekten und behandelt die ersten Patienten. Ihm folgen drei weitere Zahnmediziner, welche die Behandlung von Patienten fortführen können. Nach der Regenzeit zwischen Mai und Oktober und der damit verbundenen erhöhten Gefahr einer Malariainfektion haben nun weitere Ärztinnen und Ärzte die Chance, sich an einem Transfer zu beteiligen. Interessenten können sich auf der Website des Vereins informieren oder Kontakt aufnehmen.

Verein und Projekt finanzieren sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, was jede Unterstützung willkommen macht. So leistete neben vielen anderen Spendern, kürzlich auch die Firma CAMLOG einen Beitrag und zeigt damit ein hohes Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung. „Ich bin dankbar, einen solchen Partner gefunden zu haben“, äußert Dr. Köhler abschließend. Aber auch die Beiträge von Privatpersonen sind wichtig. Besonders hilfreich ist die regelmäßige Förderung, da auf diesem Weg die Planbarkeit und Stabilität des Anliegens gestärkt wird.

Informationen:
Web: www.aerztehelfen.de
Email: info@aerztehelfen.de
Tel: 030 3920 2449

Quelle: ZWP online, 07.01.2010

Foto: © ÄRZTE HELFEN e.V.

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