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Lifestyle 15.05.2018

Motorradkurztrip: Einmal Schweiz und zurück

Motorradkurztrip: Einmal Schweiz und zurück

Pforzheim ist der Startpunkt für unseren Motorradkurztrip. Die Stadt mit mehr als 115.000 Einwohnern liegt am nördlichsten Punkt des Schwarzwaldes. In den nächsten vier Tagen steht die Durchquerung des Schwarzwaldes nach Süden an, danach passieren wir den Rhein und fahren weiter bis in die Schweizer Bergkette „Eiger, Jungfrau und Mönch“. Nach ausgiebiger Besichtigung geht es dann weiter in Richtung Osten über diverse Pässe bis zum Vierwaldstättersee und den 2.128 Meter hohen Pilatus in Luzern. Danach heißt es zurück auf Anfang, zu unserem Ausgangspunkt in Deutschland.

Streckenführung

Die nächsten Tage sind also prall gefüllt mit Kurven und Schräglagen über hohe Pässe und traumhafte Täler. Für eine reibungslose Fahrt verlassen wir uns auf unsere Motorräder Yamaha FZ1 Fazer (Sporttourer) und BMW R 1200 GS (Reiseenduro). Die erste Etappe beträgt 400 Kilometer und ist damit die weiteste Strecke der kommenden Tage.

Auf der Suche nach ... der perfekten Kurve

Wir verlassen Pforzheim über die Bundesstraße 294 in Richtung Titisee-Neustadt. Auf der Suche nach Kuckucksuhren und Schwarzwälder Kirsch kommen hier täglich ganze Busladungen vorbei. Aber wer auf zwei Rädern den Schwarzwald bereist, ist eher auf der Suche nach der perfekten Kurve, und davon gibt es hier reichlich. Nach 170 Kilometern und vielen kernigen Kurvenkombinationen in fantastischer Landschaft machen wir nach 2,5 Stunden das erste Mal am Titisee Rast.

Der höchstgelegene Ort Deutschlands: Feldberg

Das nächste Ziel ist der 15 Minuten entfernte Feldberg. Dieser ist mit 1.493 Metern der höchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Wir schrauben uns über 400 Meter in die Höhe auf 1.277 Meter. Hier liegt „Feldberg – der höchstgelegene Ort Deutschlands“. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und genießen die fantastische Fernsicht. Doch die Zeit drängt, denn wir haben heute noch einen weiten Weg vor uns. Nach weiteren 15 Minuten fahren wir durch Todtnau. Hier findet jeden Samstag ein Motorradtreff auf dem Marktplatz statt. Nicht verwunderlich in einer Region, die einen ganz besonderen Leckerbissen bereithält: die Schauinsland-Strecke nordwestlich von Todtnau.

Serpentinenparadies: Schauinsland-Strecke

Schauinsland-Strecke – das bedeutet zwölf Kilometer voller Serpentinen auf einer ehemaligen Bergrennstrecke. Der ADAC richtete hier von 1923 bis 1984 seine legendären Schauinsland-Rennen aus, welche auf dem Freiburger Münsterplatz endeten.

Wir fahren weiter auf kleinen Sträßchen, vorbei an einem plätschernden Bach, welcher sein felsiges Bett schwer erarbeitet hat. Als wir den Schwarzwald verlassen, zieht sich das Wetter zu. Dicke Regenwolken verheißen nichts Gutes. Doch, wie sagte William Shakespeare schon: „Nicht jede Wolke erzeugt ein Gewitter.“ Also denken wir positiv, überqueren den Rhein östlich von Basel und befinden uns in der Schweiz. Von hier sind es nur noch 140 Kilometer bis zu unserem Hotel im Naturpark Gantrisch.

„Eiger“, „Mönch“ und „Jungfrau“

Das Warm-up liegt hinter uns, der Gleichgewichtssinn ist einjustiert und unser Kurvenschwung bereits nahe an der berühmten Ideallinie, als wir uns Tag zwei widmen. Noch werfen die Gipfel rund um den Gantrisch lange Schatten hinunter ins Tal, aber ein strahlend blauer Himmel verspricht uns heute einen ungetrübten Kurventag. Unser erstes Ziel ist der nur 70 Kilometer entfernte Grindelwald. Im Takt der Kurven schunkeln wir uns gut gelaunt südlich des Thunersees vorbei und stehen nach nur einer Stunde vor den bekannten Berner Oberländer Bergen „Eiger“, „Mönch“ und „Jungfrau“. Hinter dieser markanten Dreiergruppe befindet sich der Aletschgletscher, welcher flächenmäßig zu den größten und längsten Gletschern der Alpen zählt. Das absolute Highlight dieses Kurztrips und auch generell jeder Reise in die Schweiz ist das Jungfraujoch – Top of Europe.

Jungfraujoch – Top of Europe

Der höchste Bahnhof Europas liegt auf 3.454 Meter Höhe. Wir ziehen uns um und schlüpfen in bequeme Sachen. Hier am Bahnhof Grund (943 Meter) können wir bei den netten Mitarbeitern der Wengernalpbahn sogar unsere Helme abgeben. Es ist 9 Uhr, als wir am Bahnsteig stehen; die ersten Touristen trudeln ein und das Wetter und die Fernsicht könnten nicht besser sein. Der Zug kommt und bringt uns bis auf 2.061 Meter. Hier am Bahnhof „Kleine Scheidegg“ müssen wir in die Jungfraubahn umsteigen. Sie wurde im Jahr 1912 eröffnet und ist ein Pionierwerk unter den Bergbahnen. Von hier geht es nun weiter auf das Jungfraujoch, das sich auf 3.454 Metern in einer Welt aus Fels, Eis und Schnee befindet. Die Reise führt zum höchstgelegenen Bahnhof Europas. Von der neun Kilometer langen Strecke liegen sieben Kilometer im Tunnel, wobei die Bahn die Berge Eiger und Mönch durchquert. Bei den Zwischenstationen „Eigerwand“ und „Eismeer“ halten die Züge für fünf Minuten, und wir können durch Aussichtsfenster schauen und die faszinierende Bergwelt bewundern. Nach 50 Minuten sind wir ganz oben angekommen. Wir steuern die Aussichtsplattform auf 3.571 Metern an. Die Sonne und der Schnee des Gletschers blenden uns so stark, dass wir froh sind, unsere Sonnenbrillen eingesteckt zu haben. Denn ohne wäre man schlichtweg verloren gewesen. Über uns thront die „Jungfrau“ mit stolzen 4.158 Metern und in nördlicher Richtung können wir sogar bis zum Schwarzwald schauen. Nachdem wir uns am Bergpanorama sattgesehen haben, fahren wir mit dem Fahrstuhl 30 Meter unter die Gletscheroberfläche. Höhlenartig öffnet sich der Eispalast mit langen Gängen und hohen Hallen. Bei frostigen -2 °C erkunden wir diese faszinierende Welt. Wände, Decken, Fußböden und die zahlreichen Skulpturen – alles aus purem Eis. Nach einem ausgeprägten Imbiss fahren wir mit der weltberühmten Zahnradbahn wieder nach unten. Wir ziehen uns die Kombis über, grüßen kurz die meckernden Gipfelziegen und geben Gas hinunter zum Brienzersee. Eigentlich wollten wir schon heute über den Grimselpass fahren, doch durch die Wintersperre öffnet dieser erst am morgigen Tag. Also suchen wir uns in Meiringen einen Platz zum Schlafen. Bei einem kalten Bier und einer herrlichen Aussicht lassen wir für heute unsere Tour ausklingen.

Unter den Top 10 der schönsten Alpenpässe: Grimselpass

Die Sonne weckt uns auch am dritten Tag. Bei strahlend blauem Himmel fahren wir auf einer kleinen Bergstraße am malerischen Rychenbach entlang. Da dieser Weg auch für Wanderer vorbehalten ist, müssen wir Geschwindigkeit herausnehmen und tuckern ganz gemütlich wieder in Richtung Eiger aus östlicher Richtung. Weite Blicke über das grüne Land, über kleine Weiler und alte Bauernhöfe, blütenübersäte Almen und grasende, glückliche Kühe – so sieht sie aus, die Schweizer Idylle. Wir genießen jeden Moment, doch an der Schwarzwaldalp ist leider Schluss. Ein großes Verbotsschild hindert uns an der Weiterfahrt. Wir kehren um und fahren nun nach Süden. Als wir uns auf der Passstraße befinden, drehen wir am Gasgriff und steuern auf den Grimselpass zu. Dieser ist unter den Top 10 der schönsten Alpenpässe zu finden. Mächtige Serpentinen führen hinauf auf 2.164 Meter. Der Asphalt ist eben und griffig. Da die Passöffnung für 11 Uhr angesetzt ist, haben wir auch keinerlei Gegenverkehr. Wir schießen am Verkehr vorbei und genießen hemmungslos die unzähligen Kurven und Kehren. Am Grimselsee machen wir einen kurzen Fotostopp, und nach weiteren sechs Kehren sind wir oben. Hier weht ein eisiger Wind, doch den spüren wir bei dem beeindruckenden Bergpanorama gar nicht. Links steigen mächtige Felswände steil in den Himmel, rechts fällt der Blick teilweise tief hinunter. Kantige, aufrecht stehende Felsblöcke und Steine ersetzen die Leitplanke. Nicht für jeden ein Grund, es hier ruhiger angehen zu lassen, denn die Pässe sind eine Herausforderung für die Knieschleiferfraktion. Die Passstraße schlängelt sich mal bergauf, mal bergab und kurze Zeit später stehen wir auf dem in 2.429 Meter Höhe liegenden Furkapass. Der Schnee ist noch allgegenwärtig und meterhoch neben der Straße aufgetürmt. Da es schon 11.30 Uhr ist, verbummeln wir jedoch keine Zeit und geben die nächsten 90 Kilometer ordentlich Gas. Wir fahren nach Norden, umfahren dann südlich den Vierwaldstättersee und machen Halt in Fräkmüntegg. Unser nächstes Ziel ist der Hausberg von Luzern – der Pilatus.

Hausberg von Luzern – der Pilatus

Die 2015 neu eröffnete Seilbahn bewältigt eine Höhendifferenz von 646 Metern und befördert uns in nur vier Minuten auf 2.118 Meter. Zu unserem Erstaunen ist hier kein Wind, allerdings brennt uns die Sonne auf die Motorradkombi. Normalerweise sind wir gewöhnt, die Berge zu erlaufen oder zu klettern, aber bei vier kurzen Tagen ist dies leider nicht möglich. Deshalb reihen wir uns in die lästigen Touristenströme ein und genießen die herrliche Aussicht auf den Vierwaldstättersee und Luzern. Nachdem wir wieder aufgesattelt haben, liegen noch 78 Kilometer bis zum letzten Nachtlager vor uns. Kurz vor der deutschen Grenze werden wir im Speckgürtel von Baden fündig. 225 Kilometer stehen als heutiger Tagestrip auf unserer Uhr.

Schwarzwald pur

Die letzte Etappe des heutigen vierten Tages lassen wir ruhig angehen, denn mehr als 250 Kilometer liegen nicht mehr vor uns. Wir genießen das reichhaltige Frühstücksbüfett und überlegen die möglichen Routenoptionen für die Rückfahrt. Denn durch die Passsperre konnten wir die ursprünglich geplante Tour nicht vollenden.

Wir starten, und der Himmel strahlt azurblau. 20 Minuten später stehen wir auf deutschem Staatsgebiet. Wir lenken auf die B 314 ein und biegen später auf die B 27 ab. Bei Donaueschingen geht es dann endlich auf die kleinen Sträßchen. Hier ist der Schwarzwald noch unberührt und ursprünglich. Nadelbäume stehen auf pittoresken Felsformationen. Rechts und links der Straße locken herrliche Picknickplätze. Wer den Schildern nach Vöhrenbach folgt, wird so manches romantische alte Schwarzwaldhaus entdecken. Es geht vorbei an Höfen und Eckchen, wo es so scheint, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Nur ein, zwei Autos begegnen uns, hier auch mal ein Trecker oder ein Motorradfahrer. Es geht gemütlich und nicht minder kurvenreich weiter, bis wir in Oberwolfach die einzige Rast des Tages machen. Der romantische Luftkurort wurde durch das Mathematische Forschungsinstitut weltbekannt. Wir machen es uns auf einer Wiese am Waldrand bequem und lassen die letzten Tage Revue passieren. Nun haben wir nur noch 100 Kilometer bis Pforzheim. Es lockt der Nachmittagskaffee. Dieser lässt uns schnell wieder aufspringen und im Sattel Platz nehmen. 90 Minuten später sind wir zurück am Ausgangspunkt. Fest steht: Wir durften eine facettenreiche Rundtour mit einer Vielfalt an kulturellen und landschaftlichen Eindrücken erleben!

Der Artikel ist in der Cosmetic Dentistry 2/2018 erschienen.

Foto: W. Schreiter
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