Abrechnung 03.04.2014

Bleaching als Verlangensleistung

Claudia Jahn
Claudia Jahn
E-Mail:
Bleaching als Verlangensleistung

Foto: © Deklofenak – Shutterstock.com

Mit der Kosmetiknovelle 2012 wurden die Anwendungsregeln im Bereich Bleaching noch einmal klarer definiert: Bleaching wird als qualifizierte Zahnarztleistung sowohl im medizinischen als auch im kosmetischen Einsatz vom Zahnarzt betreut. Anlass genug, sich mit dem Thema Bleaching erneut auseinanderzusetzen. Wie Bleaching sinnvoll und gewinnbringend sowie in Praxis- als auch Abrechnungsabläufe integriert werden kann, soll dieser Beitrag umreißen.

Bleaching kann als Bestandteil einer individuell konzipierten Behandlungsplanung sowohl für den Patienten als auch für den Behandler eine sinnvolle Ergänzung der regulären zahnmedizinischen Leistungen darstellen. Hellere Zähne können maßgeblich die Lebensqualität verbessern, denn sie unterstreichen nach außen hin, dass der Patient etwas für sich tut und sich um gesunde, schöne Zähne bemüht. Sind die Zähne einmal aufgehellt, steigt gleichzeitig auch die innere Motivation, dauerhaft in die eigene Zahngesundheit zu investieren. So kann sich die Mitarbeit des Patienten verbessern, und die Bindung zwischen Behandler und Patient wird gestärkt. Für die eigene Praxis bedeutet dies: zufriedene Patienten, ein gutes Miteinander und damit ein Gewinn, der die monetäre Ebene weit übersteigt. Um das Erfolgsmodell Bleaching seriös in die eigenen Praxisabläufe zu integrieren, sollten einige Voraussetzungen beachtet werden.

Am Anfang ist das Wort

Grundsätzlich gilt: Transparenz schafft Vertrauen. Fühlen wir uns gut informiert, fällt es uns auch leichter, Entscheidungen zu treffen. Doch nicht alle Patienten sprechen von sich aus das Thema Bleaching an. Hier sollte der Behandler die Hürde für den Patienten nehmen und das Gesprächsthema in Richtung einer möglichen Zahnaufhellung lenken. Gerade vor einer geplanten Frontzahnrestauration ist es sinnvoll, noch einmal über die Zahnfarbe zu sprechen und alle Möglichkeiten für ein zufriedenstellendes ästhetisches Gesamtbild zu eruieren. Auch eine PZR bietet einen guten Anlass, sich noch einmal mit dem Patienten über dessen ästhetisches Selbstbild zu unterhalten. Dabei sollten alle Möglichkeiten aufgezeigt werden, die sich in Sachen Zahngesundheit und Ästhetik anbieten. Eine offene Gesprächskultur zwischen Behandler und Patient bietet eine optimale Entscheidungsgrundlage für den Patienten.

Anamnese als Fundament

Wendet sich ein Patient mit dem Wunsch einer Zahnaufhellung an einen Behandler, sollte zunächst im Rahmen der Anamnese die Ursache der Zahnverfärbung ermittelt und dokumentiert werden. In diesem Zusammenhang werden die Zähne zudem auf Karies, Schmelzrisse, freiliegendes Dentin und Wurzelfüllungen untersucht. Auch mögliche Beeinträchtigungen des Weichgewebes sollten ermittelt werden. Diese umfassende Diagnose bildet die Grundlage für die Therapieplanung. Das nun folgende Aufklärungsgespräch dient nicht nur dazu, den Patienten über Diagnose und Therapiewahl, zu erwartende Behandlungsergebnisse und mögliche Risiken zu informieren, sondern sollte dem Patienten auch die Gelegenheit geben, seinen Zahnarzt über genaue Erwartungen, Beweggründe und Einstellungen in Kenntnis zu setzen.

Wichtige Punkte, die einem Patienten vor Therapiebeginn vermittelt werden sollten, sind:

  • die mögliche Notwendigkeit neuer Versorgungen, da Restaurationen von der Zahnaufhellung ausgeschlossen sind
  • Rezidivgefahr
  • mögliches Risiko für Schleimhautirritationen und temporäre Sensibilität.

Bleaching als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts

Bleaching erfolgreich in das praxiseigene Behandlungskonzept zu integrieren, heißt, es als einen von vielen Schritten innerhalb einer komplexen, individuellen Behandlungskette zu planen. In Abstimmung mit dem Patienten wird nach dem umfassenden Beratungsgespräch eine Zahnreinigung durchgeführt, sodass die echte Farbe der Zähne sichtbar wird und die Bleachingpräparate ihre volle Wirkungskraft entfalten können. Im Anschluss daran kann die Ausgangszahnfarbe bestimmt werden. Steht die Ausgangszahnfarbe dann fest, kann mit dem Patienten die Bleachingmethode besprochen werden. Diese sollte sowohl mit den in der Anamnese dokumentierten medizinischen Voraussetzungen als auch mit den Erwartungen und Wünschen des Patienten übereinstimmen. Bei der Anwendung individuell gefertigter Schienen sollte sichergestellt werden, dass diese korrekt gestaltet sind, um Gingivareizungen zu vermeiden. Darüber hinaus ist es hilfreich, im Gespräch mit dem Patienten sicherzustellen, dass die Schienen korrekt angewendet werden, und gegebenenfalls das Einsetzen der Schienen mit diesem zu üben. Richtig durchgeführt hat die Zahnaufhellung hohe Erfolgschancen: Bei etwa 90 bis 95 Prozent der Patienten führt die Zahnaufhellung zu den gewünschten Ergebnissen.

Nach der Zahnaufhellung sollte der Patient für 24 bis 48 Stunden auf färbende Getränke und Speisen wie Tee, Kaffee, Säfte, Wein oder Cola sowie Obst verzichten, um das Behandlungsergebnis nicht zu kompromittieren. Ausgangssituation und die Zahnfarbe nach Aufhellung sollten gut dokumentiert werden, denn die finale Farbveränderung stellt sich erst einige Tage nach Behandlungsende ein. Daher ist es wichtig, rechtzeitig Kontrolltermine zu vereinbaren, zu denen der Aufhellungsverlauf beobachtet und festgehalten werden kann. In vereinzelten Fällen kann nach der Zahnaufhellung vorübergehend eine erhöhte Zahnempfindlichkeit auftreten. Dieser kann durch schnelle und intensiv wirkende Mittel wie Kaliumnitratgel entgegengewirkt werden. Als effektiver Beitrag zur Zahngesundheit empfiehlt sich im Anschluss an das Bleaching eine Fluoridierung der Zähne. Um zu gewährleisten, dass sich die Zähne rehydrieren können, sollte auf eine Behandlung mit Lack jedoch verzichtet werden.

Abrechnung in wenigen Schritten

Da die kosmetische Zahnaufhellung nicht als medizinisch notwendige Heilbehandlung gilt, ist sie keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch die private Krankenversicherung übernimmt in der Regel nicht die Kosten. Somit kann der Behandler die Kosten für diese Verlangensleistung frei kalkulieren und gesondert in Rechnung stellen. Die formale Loslösung eines Patienten aus seinem Vertrag mit der Krankenkasse über eine Vereinbarung der Privatbehandlung gemäß § 4 Abs. 5 BMV-Z bzw. § 7 Abs. 7 EKVZ ermöglicht es, eine frei vereinbarte Leistung bei einem gesetzlich versicherten Patienten durchzuführen. In diesem Rahmen erteilt der Patient zudem sein Einverständnis zu einer Behandlung außerhalb der durch die GOZ vorgegebenen gesetzlichen Bestimmungen. Die Vergütung dieser Verlangensleistung muss im Vorfeld in einem Heilund Kostenplan schriftlich vereinbart werden, der sich am voraussichtlichen Aufwand und der individuellen Kostenstruktur ausrichten sollte. Alle erforderlichen Leistungen und Vergütungen müssen enthalten sein. Auch der Hinweis darauf, dass es sich um eine Verlangensleistung handelt, deren Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenkasse nicht garantiert ist, ist unerlässlich. Die Berechnung dieser Verlangensleistung darf als Pauschalsumme umgesetzt werden. Zu beachten ist, dass hierbei auch die Umsatzsteuer mit 19 Prozent ausgewiesen werden muss, wenn es sich um eine Leistung ohne medizinische Indikation handelt. Gilt der behandelnde Zahnarzt jedoch als Kleinunternehmer, entfällt diese Steuer.

Mehr News aus Abrechnung

ePaper