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Labormanagement 08.04.2021

Emanzipierte Digitalisierung: „Ich will mir keine Sorgen mehr machen“

Emanzipierte Digitalisierung: „Ich will mir keine Sorgen mehr machen“

Foto: DENTALLABOR ILONA SCHELLER

Mit einem kleinen Scanner für gerade einmal ein einziges Zirkon begann ZTM Ilona Scheller bereits 2007 im Kleinen mit der Umstellung von analogen auf digitale Arbeitsprozesse. Als sie 2013 dann die erste Fräsmaschine in ihr Dentallabor nach Magdeburg holte, ließ die Komplettdigitalisierung nur noch wenige Jahre auf sich warten. Ausgerechnet im Pandemiejahr 2020 vervollständigte sie nun den digitalen Workflow vor Ort. Das Labor ist jetzt ausgestattet, allein die effiziente Nutzung dessen befindet sich noch im Lernprozess. Wie sich die neuen Prozesse im Arbeitsalltag etablieren und welche Hindernisse hierbei (noch) überwunden werden müssen, erzählt ZTM Ilona Scheller im Interview.

Frau Scheller, welchen Digitalisierungsweg ist Ihr Labor gegangen?

Wir haben mit der aktiven Digitalisierung eigentlich schon 2013 angefangen. Damals hatten wir hier die erste Fräsmaschine und digitale Arbeitsplätze stehen, womit es uns bereits möglich war, den Zahnersatz digital herzustellen. Seit 2018/19 habe ich immer mehr den Wunsch verspürt, den Workflow zu komplettieren, gerade auch vor dem Hintergrund, dass ich ganz langsam meinen Ruhestand vorbereiten möchte. Meine Vision hierfür war: Bevor ich gehe, möchte ich den Technikern hier, die alle wirklich gut sind, einen hochmodernen Arbeitsplatz schaffen und mir somit keine Sorgen mehr um die Zukunft machen müssen. Dieser Gedanke hat sich immer weiter vervollständigt, somit war die nächste Stufe der Digitalisierung natürlich nur noch eine Sache der Ausführung. Die Pandemie ist uns da im Prinzip eigentlich nur reingeschlittert – davon haben wir uns aber nicht abbringen lassen und die Umstellung dennoch durchgezogen.

Welche konkreten Anschaffungen haben Sie getätigt?

Im letzten Jahr haben wir eine vollautomatische Fräsmaschine dazubekommen (Ceramill Matik). Dann einen 3D-Drucker (NextDent) und einen digitalen Gesichtsbogen (Zebris). Zu Letzterem müssen wir die Zahnärzte jedoch noch ein bisschen anstiften. Wir haben unsere Hard- und Software mit Upgrades versehen und unser Labor zur Verarbeitung digitaler Daten optimiert. Jetzt verfügen wir über ein komplettes System.

Die modernen, digitalen Arbeitsplätze, die Sie hier geschaffen haben, müssen ja bedient werden – hatten/haben Sie Probleme, hierfür Fachkräfte zu finden?

Das war bis vor Kurzem tatsächlich ein Problem. Nachdem unsere neue Website letztes Jahr online ging und wir uns viel Mühe mit einer Stellenbeschreibung gegeben haben, war es für mich erst mal nicht nachvollziehbar, warum zunächst keiner auf diesen modernen Arbeitsplatz angesprungen ist. Kaum jemand hat sich gemeldet, und wenn doch, dann nur mit der Aussage „Naja, aber digital, das kann ich nicht“. Das hat bestimmt auch mit der relativ späten Aufnahme in den Schulen zu tun, zudem ist das wohl noch nicht der gängige Arbeitsprozess.

Wie wurden Ihre Mitarbeiter also dann schließlich doch noch digital fit?

Ich habe eine Mitarbeiterin, Frau Christin Deicke-Ratai, die auf diesem Gebiet sehr befähigt ist und die Umstellung mit mir maßgeblich vorangetrieben hat. Sie setzt praktisch meine Vorstellungen um und hat sich auch ein bisschen als digitale Ausbilderin hier etabliert. Das harmoniert optimal, und mittlerweile sind wir mitarbeitertechnisch sehr gut aufgestellt. Dieses Jahr zum Beispiel konnten unsere Techniker hier Corona-konform eine zweitägige Schulung absolvieren und Frau Deicke-Ratai hat alle in den digitalen Arbeitsprozess eingearbeitet. Mein Ziel, dass jeder hier im digitalen Workflow arbeiten kann, ist somit sehr nah. Grund ist, dass dadurch alle „ersetzbar“ sind. Bei Ausfall jeglicher Art kann also jemand anders einspringen, und es bleibt nichts liegen. Wir haben es jetzt auch so weit auf die Spitze getrieben, dass ein Arbeitsplatz hier auch von zu Hause aus betrieben werden kann. Man kann also aus dem Homeoffice heraus konstruieren und auf die Maschine zugreifen.

Welcher Teil des Workflows ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung?

Das ist wohl der Umgang mit der Software. Sicherlich gibt es einen direkten Pfad, den man hier gehen kann. Es gibt aber auch viele kompliziertere Dinge, die über Umwege erreicht werden. Wer richtig computeraffin ist, beherrscht das in der Regel natürlich besser als jemand, der das chronologisch nach Vorschrift abarbeitet. An dieser Stelle versucht Frau Deike die Kniffe, die sie sich angeeignet hat, an die anderen weiterzugeben, sodass am Ende alle zum Ziel kommen und man sich nicht gegenseitig ausbremst. Es ist ein längerer Lernprozess, der vollzogen werden muss.

Wie sieht momentan der Arbeitsalltag aus?

Insgesamt ist es deshalb gerade etwas unbequem, da wir uns in einer Findungsphase befinden – welcher Mitarbeiter kann was gut und was macht ihm zudem noch Spaß? Denn darum geht es ja genauso, das Arbeiten soll hier Freude machen. Wir kitzeln im Prinzip gerade die speziellen Fähigkeiten und Vorlieben aus den Mitarbeitern heraus. Die größte Hürde bei der Umstellung damals war, den Überblick zu behalten. Jetzt ist es immer noch spannend und die Effizienz ist noch etwas im Hintertreffen, aber wie gesagt, wir sind in dieser Findungsphase und ich bin optimistisch. Rückblickend muss ich aber feststellen: Sich einfach ein paar Computer hinzustellen und dann direkt digital arbeiten zu wollen, das geht nicht. Die Digitalisierung im Labor ist für alle ein Lernprozess über viele Jahre.

Gibt es schon erste Erfolge, die die Umstellung verbucht?

Ja, ein Beispiel: Wir arbeiten seit Kurzem mit einem jungen Zahnarzt zusammen, der direkt mit der intraoralen Abscannung eingestiegen ist, worauf wir eben vorbereitet sind. Wir fahren nun oft in die Praxis und besprechen Fälle mit dem Zahnarzt vor Ort – das ist eine Zusammenarbeit, die enorm erstrebenswert ist und zudem noch Spaß macht.

Was erhoffen Sie sich also für die nächste Zeit?

Ich wünsche mir natürlich eine volle Auslastung unserer Kapazitäten hinsichtlich der Verarbeitung und Produktion digitaler Daten für den optimalen und nachhaltigen Zahnersatz. Außerdem hoffe ich auf die Erweiterung der digitalen Produktionsketten.

Frau Scheller, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Kontakt

ZTM Ilona Scheller
DENTALLABOR ILONA SCHELLER
Hegelstraße 26
39104 Magdeburg
Tel.: +49 391 565960
info@dentallabor-scheller.de 
www.dentallabor-scheller.de 

Dieser Beitrag ist in ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

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