Branchenmeldungen 01.04.2021

Mit der Zahntechnik im Rücken zum Seniorpartner

Mit der Zahntechnik im Rücken zum Seniorpartner

Foto: © Photografic/Viviane Werk

Was lässt sich in den ersten Jahrzehnten beruflich erreichen? Wahnsinnig viel, beweist Tsong-Ung An: der 1982 in Berlin geborene Zahnarzt ist nicht nur Experte für Zahnästhetik und Zahnersatz, sondern auch von der Pike auf gelernter Zahntechniker sowie geschäftsführender Seniorpartner der Zahnarztpraxis KU64 in Potsdam. Zudem lebt und arbeitet An in drei Sprachen: koreanisch, deutsch und englisch. Ein wunderbarer Mix aus Einflüssen und Kompetenzen, der auch weiterhin Erfolg verspricht.

Herr An, Sie haben vor dem Studium der Zahnmedizin eine Ausbildung zum Zahntechniker absolviert – war das von Anfang an so geplant?

Nein, das war es nicht. Aufgrund meines unzureichenden NCs wurde schnell klar, dass ich nicht sofort studieren konnte. Ich wollte die Wartezeit nutzen und da ich ein technisch affiner Typ bin, entschied ich mich für die Ausbildung zum Zahntechniker. Mir wäre es damals deutlich lieber gewesen, sofort mit dem Studium beginnen zu können, im Nachhinein bin ich aber sehr froh, diese dreieinhalbjährige Ausbildung durchlaufen zu haben, denn sie hat mich wirklich weitergebracht. Insofern kann ich nur jedem empfehlen, eine solche Ausbildung wahrzunehmen, gerade dann, wenn man sowieso auf den Studienbeginn warten muss. Das ist eine Investition in das eigene Können und zahlt sich später immer wieder aus.

Welches Wissen der Zahntechnik hilft Ihnen heute in Ihrer täglichen Arbeit?

Das sind viele Details, zum Beispiel wenn es um die Präparationsgrenze geht. Zu Beginn meiner Ausbildung startete ich in der Gipsküche. Ich musste Modelle und Abformungen ausgießen und Präparationsgrenzen freilegen. Daher weiß ich heute, dass jede Präparationsgrenze wirklich präzise gelegt sein muss, damit der Zahntechniker eine optimal passende Krone dafür herstellen kann. Auch die Kommunikation mit der Zahntechnik ist durch meine Ausbildung präziser und effektiver.

Ich weiß genau, was ich dem Zahntechniker an Informationen und Material übergeben muss, damit das Labor Genauigkeit und Qualität liefern kann. Und ich erkenne zudem, was passiert ist, wenn wir eine fehlerhafte Arbeit zurückbekommen. Ich kann also genau nachvollziehen, welche Fehlerquelle bestand, und im weiteren Dialog mit dem Labor an der Vermeidung solcher Fehler arbeiten.

Übernehmen Sie auch selbst zahntechnische Arbeiten in der Praxis, die normalerweise ans Labor gehen würden?

Ja, in letzter Zeit mache ich in der Tat so viel Zahntechnik wie noch nie! Das hat hauptsächlich mit der Digitalen Zahnmedizin zu tun, die ich gezielt, im Zusammenhang mit dem CEREC-System, in unserer Praxis voranbringe. Ich forme digital mit einer Kamera ab und fertige danach die keramischen Arbeiten selbst an bzw. mithilfe der Schalteinheit. Auch Feinheiten, wie das Ausarbeiten der Fissuren, das Anmalen, die Ästhetik – alle Kleinigkeiten, die man individualisieren kann – übernehme ich als Techniker. Aber auch beim Brennen der keramischen Arbeiten im Ofen kommt mein zahntechnisches Können zum Vorschein. Durch meine Ausbildung fallen mir diese Handgriffe einfach viel leichter und es macht mir Spaß, immer wieder auch Teilzeit-Zahntechniker zu sein.

Welchen Versorgungsschwerpunkt übernehmen Sie in der Praxis und profitiert eigentlich auch Ihre Patientenkommunikation von Ihrem Zahntechnik-Wissen?

Durch meine zahntechnische Ausbildung widme ich mich verstärkt dem Prothetischen, sprich dem Zahnersatz, und habe mich auf Gesamtsanierungen mit Bisshebungen und therapeutische Maßnahmen zur Findung der Zentrik spezialisiert. Das ist ausgesprochen komplex. Bei Patienten, die alle ihre Zähne runtergerieben haben, komme ich ins Spiel, teste, ob die neue Bisshöhe passt und individualisiere die Versorgung, schleife ab und passe alles funktio-nell und ästhetisch so ideal wie möglich an.

Als Zahntechniker fällt es mir zudem leichter, schon bei der Planung zu sehen, ob eine gewünschte Umsetzung möglich ist oder nicht. Ich kann Patienten über notwendige Kompromisse aufklären, bevor wir mit der Arbeit starten. Ich kann sehr genau abwägen, was nicht geht, und schüre so keine Hoffnungen, die sich dann nicht erfüllen lassen. Das schafft Vertrauen und Compliance.

Sie sind seit 2015 Seniorpartner bei KU64 – Wie haben Sie das in doch relativ kurzer Zeit geschafft?

Das hat sich, ehrlich gesagt, ohne großen Ehrgeiz, aber mit Lust auf Herausforderungen, ergeben. Zum Ende meiner Assistenzzeit in einer Praxis in Berlin-Schöneberg wollte ich größere Praxisstrukturen kennenlernen und bewarb mich bei KU64. Als ich dort angenommen wurde, arbeitete ich noch ein Vierteljahr auf zwei Stellen und fing dann nach meiner Assistenzzeit komplett bei KU64 als angestellter Zahnarzt an. Nach zwei Jahren fragte mich der Inhaber Dr. Stephan Ziegler, ob ich nicht Interesse hätte, als Partner einzusteigen. Er konnte sich das gut vorstellen. Für mich war das damals nicht sofort der gewünschte Schritt, aber nach längerem Überlegen entschied ich mich dafür. Es reizte mich, hinter die Kulissen von KU64 zu schauen und zu lernen, wie so eine große Firma funktioniert, welche Spielräume und Herausforderungen bestehen. Ich bin dann auch gleich als Seniorpartner eingestiegen und habe die normale Entwicklung über die Juniorstufe übersprungen. Im Nachhinein war der Schritt richtig. Die Verantwortung liegt mir und ich fühle mich in meiner Doppelrolle wohl – als Zahnarzt, der die digitale Zahnmedizin voranbringen möchte, und als Praxisleiter. Ich bin nach wie vor sehr in das tägliche Behandlungsgeschehen eingebunden und arbeite auch noch zweimal in der Woche in der Berliner Praxis. Das kann sich aber auch zukünftig ändern, gerade wenn es um die Entwicklung weiterer Standorte geht, und das wäre auch in meinem Sinne.

Das Interview ist in der dentalfresh erschienen.

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