Praxishygiene 22.09.2009

Der Aufbereitungskreislauf oder: Wo und wie fange ich an?

Der Aufbereitungskreislauf oder: Wo und wie fange ich an?
Die Aufbereitung von Medizinprodukten ist eine große Herausforderung. Um die vielen verschiedenen Vorgaben, Gesetze und Empfehlungen zur Hygiene auch richtig umsetzen zu können, ziehe ich mich als erstes in den Aufbereitungsraum der Zahnarztpraxis zurück. Hier, wo die kontaminierten Instrumente angeliefert werden, beginnt meine Arbeit.

Ist im Aufbereitungsraum wirklich nur das vorhanden, was ich zur Reinigung, Desinfektion, Sichtprüfung, Verpackung, Sterilisierung und zur Freigabe brauche? Der Aufbereitungsraum ist kein Zwischenlager für Besen, liegen gebliebene Patientenkleidung, Blumenvasen und Müsliriegel. Setzen Sie sich durch und schaffen Sie Platz und Ordnung, um mit dem ersten Schritt zu beginnen: die Teilung des Raumes in einen „reinen“ und einen „unreinen“ Bereich.

Im unreinen Bereich werden die kontaminierten Instrumente angeliefert, zerlegt, in eventuell vorhandene Waschsiebe sortiert und anschließend gereinigt. Laut RKI/BfArM-Empfehlung ist der maschinellen Reinigung vor der manuellen Vorzug zu geben! Alle Reinigungsarbeiten und das Ansetzen von Desinfektionsmittellösungen finden auf der unreinen Seite statt. Entladen des Reinigungs- und Desinfektionsgerätes, Sichtkontrolle, Pflege und Funktionsprüfung, Verpacken und/ oder Freigabe zur Wiederverwendung finden auf der reinen Seite statt.

Einteilen der Instrumente
Der nächste Schritt ist das Einteilen der Instrumente in unkritische Medizinprodukte, semikritisch Gruppe A oder B und kritisches Medizinprodukt Gruppe A oder B (C ist in der Zahnarztpraxis nicht vorhanden). An dieser Stelle ist Teamwork angesagt: Der Praxisbetreiber hat eine verantwortliche Mitarbeiterin benannt, die federführend die Umsetzung der oben genannten Richtlinien in die Hand nimmt und verantwortlich ist. Je nach Größe der Praxis sollten Kolleginnen benannt werden, die sich mit diesen Aufgaben vertraut machen und auch auskennen. Diese Mitarbeiter, besonders auch die Freigabeberechtigten, sollten schriftlich benannt werden.

Die Einstufung der Medizinprodukte hängt von ihrer Verwendung ab und muss nicht stückweise erfolgen. Es empfiehlt sich, „Gruppen“ zu bilden und diese schriftlich festzulegen. Der Hersteller ist für die Einstufung der MP nicht zuständig – nur die Mitarbeiter beziehungsweise der Anwender, der die MP anwendet, kann dieses. Eine zahnärztliche Pinzette vom Grundbesteck ist „semikritisch B“ (B wegen der Rillen = erhöhte Anforderungen) – wird jedoch „kritisch“, wenn sie in der Implantation steril zur Anwendung kommt. Teamarbeit und Diskussion hilft oftmals weiter und erhöht die Motivation.

Entsorgung der Instrumente
Die Entsorgung der Instrumente aus dem Behandlungszimmer richtet sich nach der maschinellen oder manuellen Aufbereitung. Zur maschinellen Reinigung und Desinfektion empfiehlt sich die Trockenentsorgung z.B. im Behälter für Desinfektionsbäder, der als Transportbox (mit Deckel) verwendet wird.

Zur manuellen Reinigung, auf deren Nachteile ich hier nicht weiter eingehen möchte, empfiehlt sich das Vorreinigen in einer vom Hersteller als geeignet ausgewiesenen Desinfektionsmittellösung. Bitte beachten Sie, dass sich die Einwirkzeit immer nach dem letzten zugefügten Instrument und der Konzentration der Lösung richtet. Bei grober Verschmutzung sollte die Lösung sofort, sonst alle 24 Stunden, erneuert werden.
 

Der Aufbereitungskreislauf
 
Desinfektionsmittel
An dieser Stelle sei kurz auf die immer wiederkehrende Frage hingewiesen: Darf ich Desinfektionsmittel umfüllen? Das Robert Koch-Institut empfiehlt in einer Mitteilung aus dem Jahre 2000 „Desinfektionsmittelflaschen – Entleerte Flaschen von Händedesinfektionsmitteln dürfen aufgrund des Arzneimittelgesetzes nur unter aseptischen Bedingungen in einer Krankenhausapotheke nachgefüllt werden. Kategorie IV. Daher empfiehlt sich auch hier die Verwendung von Einmalflaschen.“

Eine Landeszahnärztekammer schreibt in ihrer Hygieneveröffentlichung, dass das Umfüllen unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Ausgebildetes, unterwiesenes Personal, Einhaltung der persönlichen Schutzmaßnahmen, gereinigte Flaschen und Übertragung der Daten auf kleinere Gebrauchsbehältnisse (Was ist drin? Wie lange haltbar? Gefahrstoffsymbole). Grundsätzlich empfiehlt die Landeszahnärztekammer die Verwendung von Einmal-Originalgebinden als Spenderflasche. Ich finde es zudem wichtig zu unterscheiden: Handelt es sich um einen großen Kanister Flächendesinfektionsmittel oder um die chirurgische Händedesinfektion für invasive Eingriffe?

Sterilisationsprozess
Wir haben nun die maschinelle Reinigung zum Beispiel bei 90°C, 5 Min. Haltezeit abgeschlossen und verzichten nach der Sichtkontrolle und Funktionskontrolle auf die thermische Desinfektion im Sterilisator, weil wir die schon im RDG (früher TDI genannt) hatten. Dieses betrifft nur die unkritischen und semikritischen Instrumente, die wir nur bei Bedarf sterilisieren. Ohne Reinigung und Desinfektion ist keine erfolgreiche Sterilisation möglich – es kann jedoch bei nachgewiesener Reinigung und Desinfektion (der Nachweis ist mit dem RDG möglich) auf die Sterilisation verzichtet werden.

Diese Vorgehensweisen – was wer wann macht – sind im Hygieneplan und den dazugehörigen Arbeitsanweisungen schriftlich festzuhalten und regelmäßig zu aktualisieren. Ebenso die Charge der Sterilisation mit Namen der freigebenden Person.

Freigabekriterien sind: Sind die Sterilisationsprozesse erfolgreich abgeschlossen? (Sind die Parameter Temperatur, Druck und Zeit erfüllt?) Ist die Verpackung trocken und intakt? Sind die Chargenprüfkörper, z.B. die Helix und die Farbindikatoren, umgeschlagen? Ist ersichtlich, was in der Verpackung ist? Ist das Sterilisationsdatum und Verfallsdatum auf der Verpackung notiert? Auch über das Verfallsdatum von Sterilgut gibt es immer wieder Fragen. Die Lagerzeit richtet sich nach den Lagerbedingungen. Ein einfach verpacktes Instrument in einem Flurschrank, der häufig geöffnet wird, sollte eine Lagerzeit von sechs Wochen haben. Sterilgut, das sich in einem Behandlungsraum im Schrank befindet, der selten geöffnet wird, also unter ruhigen Bedingungen in der Schublade liegt, hat eine Lagerzeit von sechs Monaten.

Fazit
All dies ist Teil des Hygieneplans, den Sie individuell anpassen und schriftlich festlegen sollten. Dies ist im Infektionsschutzgesetz §36 geregelt. Viel Spaß an Ihrer Arbeit! Verlieren Sie den Sinn und die Verantwortung, die Sie am Aufbereiten der Medizinprodukte tragen, nicht aus den Augen. Letztendlich schützen Sie die Patienten, den Behandler und sich selbst vor unliebsamen Überraschungen.

Autorin: Ute Wurmstich

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