Digitale Zahnmedizin 02.10.2026
Der BISSchen andere Zahnersatz
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Einleitung
Im Laboralltag steht meist die perfekte Krone im Mittelpunkt – ästhetisch und funktional, möglichst nah am natürlichen Zahn. Nur selten bietet sich die Gelegenheit, etwas bewusst Außergewöhnliches zu gestalten – etwa eine blaue Krone. Während die blaue Krone nur ästhetisch verändert wurde und funktional gleich blieb, bot das Projekt Gruselzahnersatz aufregende kreative Möglichkeiten. Beide Umsetzungen verdeutlichen auf ihre Weise die Vielfalt der Zahntechnik.
In diesem Jahr habe ich mich intensiver mit SFX-Make-up, also Special-Effects-Make- up, beschäftigt und dabei festgestellt, dass es auch sogenannte SFX-Teeth gibt. Gemeint sind spezielle Zahnprothesen, die beispielsweise für Filmproduktionen, Kostüme oder Cosplays angefertigt werden. Dabei lassen sich unterschiedlichste Zahnformen gestalten – der Kreativität sind nahezu keine Grenzen gesetzt.
Spezialauftrag für mich selbst: Gruselzähne für ein Halloween-Fotoshooting
Wie bei klassischem Zahnersatz bildet auch hier ein Arbeitsmodell die Grundlage. Dafür habe ich mich für den digitalen Weg mit der Software Zirkonzahn.Modifier entschieden und meinen Kiefer mit einem Intraoralscanner (TRIOS 3, 3Shape) erfasst.
Als Grundlage fertigte ich eine Mock-up-Schiene (Multistratum® Flexible, Zirkonzahn) an. Dabei werden die künstlichen Zähne über den natürlichen Zähnen positioniert. Bereits in diesem Schritt lässt sich die grobe Form festlegen: Sollen die Zähne größer oder kleiner wirken? Verschachtelt oder gerade? In meinem speziellen Fall orientierte ich mich möglichst nah an meinem eigenen Biss, da ich nur meine Eck- und Seitenzähne spitzer gestalten wollte.
Weiter ging es mit der Einschubrichtung, denn hier wurden zeitgleich auch Unterschnitte (gekippte und verschachtelte Zähne), Unebenheiten (Lücken zwischen den Zähnen) und andere Ungenauigkeiten (Scanfehler) ausgeblockt, die das spätere Eingliedern im Mund erleichtern.
Im nächsten Schritt wurde die Länge der Schiene gestaltet. Kleiner Tipp für Nachahmungswillige: Gestaltet die Schiene am Zahnhals lieber ein bisschen länger als ich sie gemacht habe, da sie mir später an manchen Stellen zu kurz geworden ist und man nicht mehr so viel Gestaltungsfreiheit hat, da man an die eigene Länge vom Zahnhals gebunden ist. Man könnte den Zahnhals also auch optisch verlängern, indem man die Schiene leicht verlängert, sodass man keine farblichen Unterschiede zum echten Zahn erhält.
Anschließend folgte der wohl kreativste Schritt im gesamten Fertigungsprozess: Die Zahnform konnte in der Software (Zirkonzahn.Modifier) nach meinen ganz eigenen Vorstellungen verändert und individualisiert werden. Als Inspiration diente mir der Kiefer eines Wolfes. Dabei ging es mir nicht darum, diesen eins zu eins zu kopieren, sondern vielmehr meiner eigenen Fantasie zum geplanten Anlass entsprechend Raum zu geben.
Nach Abschluss des Designs in der CAD war die Konstruktion bereit für die Fräsung. Verwendet wurde Multistratum® Flexible von Zirkonzahn – ein zahnfarbener Hochleistungskunststoff, der sehr dünn ausgeschliffen werden kann und dennoch stabil sowie flexibel bleibt.
Als die Mock-up-Schienen in hoher Qualität nach 3,5 Stunden fertig geschliffen waren (Milling Unit M6 Teleskoper, Zirkonzahn), wurden sie vom Blank getrennt und für die Individualisierung vorbereitet.
Mit Ceraresin Bond (CRB) von SHOFU Dental wurde zunächst der Haftverbund hergestellt. Anschließend wurde die Mock-up-Schiene mit dem Color Set Lite Art (SHOFU Dental) individualisiert. Die Farben Schwarz und Rot eigneten sich besonders gut, um Bluteffekte nachzuahmen; gemischt und zervikal aufgetragen wirkten sie am überzeugendsten, wenn sie bewusst nicht zu gleichmäßig verarbeitet wurden.
Mit der Farbe braun ließen sich Zahnhälse, kleine Risse und Unebenheiten betonen. Zum Abschluss habe ich die Spitzen mit einer Schneide aus Ceramage Up, ebenfalls von SHOFU Dental, aufgebaut. Dadurch entstanden zusätzliche Strukturen, die das Ergebnis lebendiger wirken lassen. Abschließend wurde die Arbeit poliert (Polierpaste Opal L, Renfert).
Die kreative Formgestaltung erlaubte es mir, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und außergewöhnliche Effekte zu erzielen.
Fazit
Über die Autorin ZTM Kristin Hake
Meine Begeisterung für handwerkliches Arbeiten begann bereits in meiner Kindheit. Basteln, malen und das Arbeiten mit Knete hatten für mich schon immer etwas Magisches. Schon früh fragte ich mich, welchen beruflichen Weg ich einmal einschlagen würde. Dass ich ausgerechnet in der Zahntechnik all das wiederfinden würde, was mich als Kind begeistert hat, hätte ich damals nicht erwartet: Kreativität, Präzision und handwerkliches Geschick vereinen sich hier in einem Beruf.
Im August 2017 habe ich meine Ausbildung zur Zahntechnikerin bei natura dentium in Höxter begonnen. Nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung im Januar 2021 in Bielefeld habe ich im September 2023 dort meine Meisterausbildung in Teilzeit gestartet. Jedes Wochenende bin ich nach Garbsen zum Institut des Zahntechnikerhandwerks in Niedersachsen und Bremen e.V. (IZN-Nord) gefahren, wo ich großartige Menschen getroffen und viel Neues gelernt habe. Im Februar 2026 hielt ich schließlich den Meisterbrief in der Hand. Seither arbeite ich als Meisterin in führender Position in meinem Ausbildungsbetrieb.