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Endodontologie 07.05.2014

2-Jahres-Studie: glasionomer-basiertes Restaurationssystem

2-Jahres-Studie: glasionomer-basiertes Restaurationssystem

Die heutige Füllungstherapie muss wesentlichen Ansprüchen hinsichtlich Materialeigenschaften, Ästhetik und Wirtschaftlichkeit genügen – sowie den Ansätzen der minimalinvasiven Zahnmedizin entgegenkommen. Für Letztgenannte kommt eine Palette an geeigneten Materialien infrage, zu denen Komposite und Glasionomerzemente (GIZ) zählen. Moderne Füllungssysteme vereinen diese beiden Werkstoffe mit dem Ziel, von den positiven Eigenschaften beider zu profitieren.

Zu diesen modernen Füllungssystemen zählt das zweistufige Restaurationssystem EQUIA, bestehend aus einer Glasionoimerkomponente und einem Kompositlack. Mehrere Studien haben die Leistungsfähigkeit des Zwei-Stufen-Konzepts bestätigt, und die nachfolgend vorgestellte Untersuchung zeigt unter anderem, dass EQUIA vielversprechende Ergebnisse in posterioren Klasse I-Kavitäten über einen Zeitraum von zwei Jahren vorweisen kann. Ein minimalinvasives Vorgehen in der Füllungstherapie wird nicht zuletzt durch die adhäsiven Eigenschaften moderner Restaurationsmaterialien wie beispielsweise Komposite oder GIZ ermöglicht. Komposit kommt mittlerweile in einem breiten Indikationsspektrum zum Einsatz und hat sich neben dem primären Gebiet ästhetischer Frontzahnrestaurationen auch im Seitenzahnbereich als äußerst leistungsfähig erwiesen. GIZ wiederum weisen bestimmte negative Werkstoffeigenschaften auf (z.B. eine niedrige Bruchfestigkeit1 und Verschleißtoleranz2), die ihren Einsatz – vor allem als permanentes Füllungsmaterial im okklusionstragenden Seitenzahnbereich – einschränken. Dem stehen wesentliche Vorteile der Werkstoffgruppe gegenüber, wie die chemische Haftung an den Zahnhartsubstanzen,3 die Fluoridabgabe4 zur Kariesprävention5 sowie die Verminderung von Sekundärkaries6 – wichtige Aspekte für die Eignung für minimalinvasive Therapieansätze, bei denen im Übrigen der Fokus neben zahnsubstanzschonenden Verfahren auf Prävention, Remineralisation und/oder Infiltration der initialen Karies7
liegt.

 

 

Kombination beider Materialien verspricht Vorteile

Ein Ansatz, um den genannten Nachteilen von GIZ entgegenzuwirken, stellt die Kombination des Werkstoffes mit Komposit dar; moderne Zwei-Stufen-Konzepte setzen hierbei auf die Applikation eines Kompositlacks auf die GIZ-basierte Füllung. Das Coating soll dafür sorgen, dass die Empfindlichkeit des GIZ während der Reifungsphase eliminiert wird, sodass die positiven physikalischen Materialeigenschaften bestehen bleiben. Studien besagen, dass der Kompositüberzug die Bruchfestigkeit der fertigen Restauration8 erhöht und für eine optimierte Randdichtigkeit9 sorgt. Darüber hinaus verfolgt das Auftragen des Coats das Ziel, der Füllung ein verbessertes ästhetisches Erscheinungsbild zu verleihen. Ein Füllungssystem, das sich eine solche Kombination zunutze macht, ist das zweistufige Restaurationskonzept EQUIA (GC), bestehend aus einer hochviskösen Glasionomerkomponente (EQUIA Fil) und einem nanogefüllten Kompositlack (EQUIA Coat). Das Konzept hat sich in mehreren Studien bewährt, und wie die vorliegende Untersuchung10 feststellen konnte, erbringen EQUIA-Füllungen eine vielversprechende Leistung in posterioren Klasse I-Kavitäten über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Vergleichende Studie mit EQUIA und Komposit

Im Rahmen der Studie wurden Oberflächenbeschaffenheit, Abrasionsverhalten und Randschlussverhalten von EQUIA-Füllungen in okklusionstragenden Klasse I-Kavitäten über 24 Monate im Vergleich mit einem lichthärtenden Seitenzahn-Komposit (Gradia Direct Posterior, GC) evaluiert. In die Untersuchung wurden 30 Patienten einbezogen, die jeweils zwei Molaren mit okklusalen Defekten aufwiesen (Abb. 1). Im Anschluss an die Präparation (Abb. 2) erfolgte die Restauration der Kavitäten (Einbringen der Füllungsmaterialien nach Gebrauchsanleitung des Herstellers). Letztgenannter Schritt erfolgte entweder mit EQUIA (Kombination von hochvisköser Glasionomerkomponente EQUIA Fil plus Applikation des nanogefüllten Kompositlacks EQUIA Coat) oder dem mikrogefüllten Komposit Gracia Direkt (in Kombination mit dem Bonding-System G-Bond, GC); siehe Abbildungen 3 und 4. Nach einer ersten Evaluierung der gelegten Füllungen („Baseline“) wurden die Patienten zu Recalls nach jeweils sechs, zwölf, 18 und 24 Monaten einberufen. Bei jedem Intervall wurden Abdrücke aus Polyvinylsiloxan (PVS) angefertigt und als Negativ-Repliken verwendet (Abb. 5). Die qualitative Auswertung der Restaurationen erfolgte unter dem Rasterelektronenmikroskop (REM); siehe Abbildung 6. Die Aufnahmen zeigen, dass beide Materialien eine hervorragende Oberflächenbeschaffenheit und eine optimale Randdichtigkeit aufweisen. Zu keinem Prüfungsintervall konnten Oberflächenrisse/Porositäten, Randspaltenbildung oder einsignifikanter Verschleiß festgestellt werden (beide Materialien). Aus den REM-Auswertungen nach 24 Monaten kann geschlossen werden, dass sich das Füllungssystem EQUIA auch zur Versorgung von okklusionstragenden Klasse I-Kavitäten im Seitenzahnbereich eignet.

Studienresultate mit guten Aussichten

Erst Ende März dieses Jahres konnte anlässlich eines IADR-Meetings (International Association for Dental Research) in Seattle eine ähnliche Untersuchung präsentiert werden, in welcher keine signifikanten Unterschiede zwischen der klinischen Leistung von EQUIA und einem mikrogefüllten Komposit (Gradia Direct, GC) bei Klasse II-Läsionen mittlerer Größe nach Ablauf von 36 Monaten festgestellt werden konnten.11 Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Diem et al.12 über den gleichen Zeitraum (36 Monate) untersuchte den Effekt des Coatings (G-Coat Plus, entsprechend EQUIA Coat) auf die Performance der Glasionomerkomponente (Fuji IX GP Extra, entsprechend EQUIA Fil) mit dem wesentlichen Ergebnis, dass die Applikation des Coatings unter anderem die Verschleißresistenz der Füllungen erhöht. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die bisherigen Studien zum Zwei-Stufen-Konzept von EQUIA – konkret die Kombination der Glasionomerkomponente EQUIA Fil mit dem Kompositlack EQUIA Coat – dem Material eine vielversprechende Leistungsfähigkeit zusprechen. Ob sich dies auch für längere Zeiträume bestätigt – wie es der sich bereits abzeichnende positive Trend vermuten lässt – werden weitere laufende Langzeitstudien zeigen.

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Autoren: Prof. Dr. Sevil Gurgan, Dr. Esra Firat, Zeynep Bilge Kutuk

Dept. of Restorative Dentistry
Hacettepe University
06100 Ankara, Türkei
sgurgan@hacettepe.edu.tr

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