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Implantologie 14.08.2014

Implantation und Kieferkammaugmentation: Ein Fallbericht

Implantation und Kieferkammaugmentation: Ein Fallbericht

Immer häufiger werden konische Implantate mit kurzer Bohrerfolge verwendet, da sie eine einfache, schnelle und minimalinvasive Implantation ermöglichen. Hierbei erleichtert ein übersichtliches chirurgisches Tray die Arbeit des Chirurgen und des OP-Personals deutlich (Abb. 1).

Der Einsatz von Gewindeformern/Dehnschrauben stellt eine unkomplizierte, atraumatische und vorhersehbare Technik dar, anhand derer der Chirurg schmale Kieferkämme mit horizontalen Defekten ohne aufwendige Augmentationen zur Implantatinsertion vorbereiten kann.1,4 Des Weiteren verbessert die Technik auch die Knochenqualität am Einsatzort und reduziert – im Falle von Implantaten, die unmittelbar nach der Zahnextraktion eingesetzt werden – die Bohrerfolge.2,3

Beim hier beschriebenen klinischen Fallbeispiel war kein Knochenlager vorhanden, um zwei Implantate an den Positionen 25 und 26 zu platzieren. Anstelle einer umfangreichen Augmentation mit autologem Knochenblock oder dem Einsatz von xenogenem Knochenersatzmaterial mit Kollagenmembranen wurde die Dehnung des krestalen Alveolarkamms mit Gewindeformern vorgeschlagen.

Aufgrund des konischen Implantatdesigns und der hohen Selbstschneidefähigkeit entschied man sich darüber hinaus für den Einsatz von BEGO Semados® RSX-Implantaten (BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG, Deutschland).

Klinisches Fallbeispiel

Eine 60-jährige Patientin, Nichtraucherin und ohne nennenswerte klinische Auffälligkeiten und aktuelle medikamentöse Behandlung, stellte sich in unserer Klinik vor und klagte über Schmerzen und eine Schwellung in Regio 27. Der Zahn stellte sich als stützendes Element einer Brücke 24–27 dar (Abb. 2). Die digitale Volumentomografie (Abb. 3) zeigte eine Wurzelfraktur mit großer apikaler Zyste. Ausgehend von dieser Diagnose wurde der Patientin folgender Behandlungsplan vorgeschlagen:

1. Extraktion von Zahn 27 mit Zystektomie und Knochenregeneration des Bereichs durch ein partikuläres xenogenes-Knochenersatzmaterial (BEGO OSS, BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG), welches mit einer resorbierbaren Kollagenmembran (BEGO Collagen Membrane, BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG) abgedeckt wird;

2. Ersatz von Zahn 25 und 26 durch Implantate (BEGO Semados® RSX, BEGO Implant
Systems GmbH & Co. KG) mit Knochenspreading und -condensing;

3. Vollkeramische Krone aus Lithiumdisilikat (IPS e.max, Ivoclar Vivadent, Liechtenstein) auf Zahn 24, mithilfe des CEREC Systems (Sirona, Deutschland). Direkte Anfertigung am Tag des Eingriffs;

4. Eingliederung vollkeramischer Kronen aus Lithiumdisilikat (IPS e.max, Ivoclar Vivadent, Liechtenstein) auf den Implantaten in Regio 25 und 26, drei Monate nach dem Eingriff.

Vor Beginn der Implantation wurde der alte festsitzende Zahnersatz entfernt, der Zahn 24 zur Aufnahme einer Krone präpariert (Abb.4) und ein intraoraler digitaler Scan angefertigt (Abb.5). So konnte die Lithiumdisilikat-Keramikkrone mithilfe des CEREC-Systems während des Implantateingriffs angefertigt und am Ende des chirurgischen Eingriffs zementiert werden. Zum Erhalt der Papille wurde der Mucoperiostlappen distal unter Erhalt der Strukturen (Abb. 6 bis 8) angehoben.

Unter Berücksichtigung des existierenden horizontalen Knochenverlusts sowie des späteren Emergenzprofils des Implantats und des zukünftigen Zahnersatzes wurden nach der Vorbohrung schraubenförmige Osteotome eingesetzt (Abb. 9 bis 11). Diese Operationstechnik verfolgte zwei Ziele:

Einerseits eine optimale dreidimensionale Positionierung des Implantates und andererseits eine Verdichtung des Knochens im Einsatzgebiet (Abb. 12). Für diesen klinischen Fall war es unerlässlich, ein Implantat zu verwenden, welches einfach und atraumatisch inseriert  werden kann, um eine Grünholzfraktur der bukkalen Lamelle zu vermeiden. Aufgrund ihrer konischen Form und der hohen Selbstschneideeigenschaften wurden zwei BEGO Semados® RSX-Implantate (BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG, Deutschland) ausgewählt (Abb. 13 bis 15). Daneben entschied man sich für dieses Implantat wegen seines Schulterdesigns und der Verbindungstechnologie, die – im Hinblick auf die Erhaltung von Knochen und Weichgewebe – den langfristigen Behandlungserfolg beeinflussen können. Das Implantat verfügt über eine Schulter mit bionischen Mikrorillen, die die Implantatoberfläche vergrößern und die Spannungsspitzen im krestalen Knochen reduzieren. Bei der prothetischen Schnittstelle handelt es sich um eine konische  (45°) Innenverbindung mit einem Verdrehschutz in Form eines Hexagons mit integriertem Platform Switch Konzept (Abb. 16). Nach der Implantation wurden die Implantate zur dreimonatigen subgingivalen Einheilung mit farbcodierten Verschlussschrauben abgedeckt (Abb. 17).

Die Primärstabilität der Implantate wurde mittels Resonanzfrequenzanalyse (Osstell, Osstell AB, Schweden) ermittelt. Die ge-messenen Werte von 71 und 68 ISQ (Implantatstabilitätsquotient) waren mehr als akzeptabel (Abb. 18 und 19). Anschließend wurde der frakturierte Zahn 27 extrahiert und das umliegende Granulationsgewebe nach bewährtem Protokoll entfernt (Abb. 20). Das Protokoll sieht eine chirurgische Reinigung der Alveole mit Kochsalzlösung und einem Antibiotikum (Ciprofloxacin) vor (Abb. 21), ehe diese mit einem bovinen Knochenersatzmaterial (BEGO OSS, BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG, Deutschland) aufgefüllt (Abb. 22) und mit Kochsalzlösung und Blut aus dem Operationsbereich hydriert wird. Der augmentierte Bereich wurde mit einer resorbierbaren Kollagenmembran bedeckt (BEGO Collagen Membrane, BEGO Implant Systems GmbH & Co. KG, Deutschland) (Abb. 23).

Abschließend wurde der Operationsbereich vernäht und der Zahn 24 mit der vollkeramischen Krone aus Lithiumdisilikat (IPS e.max, Ivoclar Vivadent, Liechtenstein) versorgt (CEREC-Systems, Sirona, Deutschland).

Zusammenfassung

Wie im Fallbeispiel beschrieben ermöglicht ein Implantatsystem mit kurzer Bohrerfolge und einem übersichtlichen und ergonomischen Tray ein unkompliziertes Arbeiten für Chirurgen und das OP-Personal. Die Verwendung von Dehnschrauben ermöglicht es dem Operateur auch bei schmalen Kieferkämmen zu implantieren, ohne dass umfangreiche Augmentationen notwendig werden. 1,4 Zusätzlich wird durch diese Technik auch die Knochenqualität am Einsatzort verbessert und die Anzahl der zu verwendenden Bohrer reduziert.2,3 3

Quellen
1 Khoury, Fouad. El aumento de hueso en implantología. Ed. Quintessence. 2010. 250–255
2 Capelli, Matteo. Factores quirúrgicos y bio-lógicos relacionados con los implantes que afectan a la remodelación ósea periimplantaria. The European Journal of Esthetic Dentistry. 2013, Ausgabe 6, Nr. 3, 248–265.
3 Anitua, Eduardo. Un nuevo enfoque en la cirugía y prótesis sobre implantes. 1996. Kapitel 2, 47–73.
4 Baladrón, J et al. Cirugía avanzada en implantes. Ed. Ergon, 2000. Kapitel 4, 174–190.

Autoren: Carlos Barrado, Juan M. Ambros

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