Implantologie 14.08.2014

Individuelles Implantat-Training für die Sofortbelastung

Torsten Kunze
Torsten Kunze
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Individuelles Implantat-Training für die Sofortbelastung

In Ergänzung zu schon früher durchgeführten Kursbesuchen haben wir die Möglichkeit genutzt, ein individuelles Implantat-Training mit Prof. Dr. Stefan Ihde in unserer Praxis durchzuführen. Im Hinblick auf die wirklich sofortige Versorgung von implantierten Patienten stellt die Zusammenarbeit mit dem Labor eine besondere Herausforderung dar. Ziel des Trainings war nicht nur der Implantationsvorgang selber, sondern gerade auch die Kooperation des Praxisteams und die Zusammenarbeit mit dem Labor.

Zwei schwierige Behandlungsfälle – ein kompletter Oberkiefer und ein kompletter Unterkiefer – standen auf dem Programm. Beide Patienten sollten spätestens am Tag nach der Operation festsitzend versorgt sein. Der Oberkieferfall ist hier dokumentiert; nachfolgend wird anhand dessen von den beiden Trainingstagen berichtet. Nach vorangegangener Infiltrationsanästhesie und anschließender Extraktion der drei vorhandenen Frontzähne (in Regio 22 lag bereits ein langjährig integriertes KOS-Implantat vor) wechselten wir in den OP-Bereich. Eines der Lernziele war die sichere multicorti-kal abgestützte Implantation in der Tubero-Pterygoid-Region. Die für mich schwierige Implantatregion meisterte Prof. Ihde mühelos und der gesamte Ablauf dieses Vorgangs konnte detailliert beobachtet werden: Nach Abtasten des distalen knöchernen Gaumendachs und dem Ertasten des medialen Hamulus des Sphenoidknochens wurden rechts wie links je ein BCS 3,5 26 inseriert. Gleich davor, ca. in Regio 6–7, wurde je ein BCS 5,5 12 Implantat ergänzt. Auf dem OPG ist sehr gut zu erkennen, dass diese beiden Implantate jeweils in einem Septumbereich der Kieferhöhle stehen, was den Implantaten eine enorme Primärstabilität gab und alle verfügbaren Kortikalregionen ausnutzte.

Die Insertion der Frontzahn-Implantate gestaltete sich ebenfalls mühelos, wobei hier die bikortikale Verankerung dadurch erreicht wurde, dass alle Implantate sicher im Bereich des Nasenbodens verankert wurden. Einzig das Implantat Regio 13 erforderte eine Aufklappung, da der Alveolarkamm dort so schmal war, dass der krestale Implantatanteil an dieser Stelle nicht untergebracht werden konnte. Nachdem also eine einfache transgingivale Insertion des Implantats dort nicht möglich war, erfolgt eine kleine Inzision mit Aufklappung nach palatinal. Die basale Verankerung des Implantats wurde im apikalen Bereich des Alveolarfortsatzes und im Nasenboden erreicht. Das Implantat wurde hierbei zunächst von mesial/palatinal inseriert und anschließend konnte der Implantatkopf in den Bereich des Zahnbogens hineingebogen werden. Es war für alle erstaunlich, welche enorme Festigkeit die verbliebenen Restknochenanteile des Oberkiefers aufwiesen. Die palatinale Insertion ist im Prinzip eine sehr einfache und eine elegante Standardmethode in der basalen Implantologie, und sie wird sowohl für laterale basale Implantate als auch bei den basalen Schraubentypen durchgeführt.

Nach nicht mal einer Stunde waren alle Implantate sicher inseriert. Die Patientin war überrascht und sehr guter Dinge. Angesichts der kurzen Behandlungsdauer und der minimalinvasiven Technologie ist eine Sedierung im Prinzip nicht nötig, obgleich sie für viele Patienten hilfreich ist. Nun folgten Abdruck und Bissnahme; der Abdruck erfolgte (nach Verblockung der Abdruckkäppchen mit Composite zur Lagesicherung) mit Optosil und die Bissnahme mit einer Wachsplatte. Während der Bissnahme ist ein unterstützendes, den Biss stabilisierendes manuelles Festhalten des Unterkiefers nötig, da die alte Bisssituation von der Gelenkzentrik weit abwich. Die definitive Bissnahme erfolgt später auf dem Gerüst. Dennoch ist eine weitgehend richtige erste Bissnahme für die Behandlung wichtig.

Im praxiseigenen Labor wurde der Abdruck ausgegossen, die beiden Modelle kiefergelenkbezogen einartikuliert und danach so-fort mit der Modellation des Gerüstes begonnen. Bereits um 17 Uhr kam die Patientin zur Gerüstanprobe erneut in die Praxis. Bei der Gerüstanprobe ist in aller Regel ein Beschleifen der Implantatköpfe notwendig und völlig beschwerdefrei machbar. Prof. Ihde brachte zum Kurs eine Zahntechnikerin mit, die sowohl selber Teile der Arbeit anfertigte als auch die Arbeitsschritte für unsere Technikerin demonstrierte und sie anleitete.

Nach der Gerüstanprobe und erneuter Bissnahme setzten die Zahntechniker ihre Arbeit fort. Wir entschieden uns für eine metallarmierte Kunststoffbrücke, da das Erstellen einer keramischen Brücke zeitlich nicht zu rea-lisieren war und zuerst abgewartet werden sollte, ob und wie sich die Oberkiefermorphologie nach der Extraktion noch verändern würde. Aus diesen Gründen sollte in die erste Brücke nicht so viel Geld und Arbeitszeit investiert werden.

Beide Arbeiten konnten dann am Folgetag fest eingesetzt werden. Wir benutzen bei uns in der Praxis fest angemischten Fuji Plus-Zement, wobei wir nach dem Einsetzen der Arbeit die überschüssigen Zementreste sofort gründlich mit Wasser abspülen.

Fazit

„Simpler is better …“ Nach diesem Motto konnten wir zwei Patienten schnell, sicher und schmerzfrei zu festsitzenden Zähnen verhelfen; ohne Augmentation, ohne große Traumata und in nur eineinhalb Tagen. Unsere teaminterne Fortbildung unter Supervision von Prof. Ihde gestaltet sich von Beginn an als sehr kollegial, fast freundschaftlich und unkompliziert. Die Art und Weise des Prof. Ihde ist einzigartig, und für alle Hilfe möchten wir uns an der Stelle ganz herzlich bedanken. Wir implantieren seit 2008 ausschließlich Implantate von Dr. Ihde Dental und werden das zum Wohle unserer Patienten ganz sicher auch beibehalten. Ein besonderer Dank gilt auch der mobilen Zahntechnikerin, die im Labor so arbeitete wie wir in der Praxis  – sehr gut!

Obgleich wir seit mehreren Jahren festsitzende Versorgungen in Sofortbelastung durchführen, haben wir uns an die beiden im Kurs versorgten Fälle nicht herangetraut. Ein individuelles Praxiscoaching stellte eine elegante Variante dar, bei der diese beiden schwierigen Fälle versorgt werden konnten. Der Lerneffekt war besonders gut, weil das ganze Team beteiligt war und auch viele Hinweise durch den Coach an Helferinnen und gerade auch an die Fachkraft an der Anmeldung gegeben wurden. Auf diese Weise können telefonische Patientenfragen in Zukunft noch besser beantwortet werden.

Und wir alle kennen das Problem nach Kursbesuchen: Wenn nur  der Zahnarzt alleine auswärts Kurse besucht, dann besteht oft die Schwierigkeit, das Gelernte richtig umzusetzen und Änderungen in der Praxis auch wirklich zu implementieren. Prof. Ihde ist ein erfahrener Praxiscoach und er hat mit Humor und nach genauer Beobachtung der Praxissituation viele kleine Hinweise an alle in unserem Team gegeben. Der Kurs hat sich für unsere Praxis wirklich gelohnt.

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