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Implantologie 23.08.2012

Langzeitstabilität von Kurzimplantaten

Langzeitstabilität von Kurzimplantaten

Kurzimplantate reduzieren Notwendigkeit von Knochen­augmentationsverfahren

Im letzten Jahrzehnt haben die Implantathersteller ein besonderes Augenmerk auf die Forschung und Entwicklung von Implantaten mit reduzierter Länge gelegt. Als Kurzimplantate können alle Implantatlängen unter 10,0 mm bezeichnet werden.

Eine besondere Rolle bei der Langzeitstabilität dieser Implantatgrößen spielt das Design eines Implantates. Die biomechanischen Charakteristiken des zu testenden Implantattyps bestimmen die Fähigkeit, vertikale und horizontale Kaukräfte mehr oder weniger homogen auf das Knochen-Implantat-Interface zu verteilen. Die Mikromorphologie des Implantatkörpers ist ein ausschlaggebender Faktor während des Heilungsprozesses und erhöht die osteokonduktiven Fähigkeiten der Titaniumoberfläche im Kontakt mit dem hospitierenden Knochen (Buser et al. 1991; Trisi et al. 2003). Hinzu kommt, dass sich um Implantate mit Plateau Design ein stabiler Lamellenknochen mit den typischen Havers’schen Systemen bildet, wie man ihn sonst in der Kompakta findet. Diese kortikalähnliche Knochenart gibt dem Implantat mit Plateau-Design eine erhöhte Resistenz während der Kaukraftverteilung (Jack Lemons et al. 2003).

Besonderheiten des Implantatsystems

Wir präsentieren Ihnen in unserem Beitrag Patientenfälle, die mit dem Bicon-Implantatsystem gelöst wurden.

Bakteriendichte Konusverbindung (Locking-Taper)

Basierend auf einem bekannten biotechnischen Herstellungsprinzip bietet die 1,5°-Ko­nusverbindung (Locking-Taper) eine nachweislich bakteriendichte Versiegelung zwischen Implantat und Abutment mit einem Mi­krospalt von weniger als 0,5 Mikron (Di Carlo, F., Marincola M. et al. 2008). Die bakteriendichte Versiegelung verhindert die mikrobielle Besiedelung, welche eine Entzündung des Weichgewebes rings um ein Implantat verursachen kann, die zum Knochenschwund um das Implantat und sogar zum Verlust des Implantates führen kann (Dibart S. et al. 2005).

Sloping Shoulder (abgeschrägte Implantatschulter)

Die „Sloping Shoulder“ bietet eine größere Flexibilität bei der Implantatpositionierung und sorgt für eine beeindruckende Knochenerhaltung. Sie bietet außerdem mehr Platz für den Knochen über dem Implantat, der die knöcherne Unterlage für die Interdentalpapille bildet, wodurch ästhetische Gingivakonturen leicht und durchgängig erreicht werden können (Bozkaya, D., Müftü, S. et al. 2004).

Plateau-Design

Das Plateau- oder Fin-Wurzelformdesign bietet mindestens 30% mehr Oberfläche als ein Schraubenimplantat derselben Größe und ermöglicht die Kallusbildung reifer Lamellenknochen zwischen den Plateaus des Implantates. Dieser kortikalähnliche Knochen bildet sich mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 10–50 Mikron pro Tag (Jack Lemons et al. 2004). In unserem Fall wurden Kurzimplantate mit einer Länge von 8,0mm und einem Durchmesser von 4,5mm benutzt. Diese Implantate bestehen aus einer Titaniumlegierung (TiAl6V4). Die Oberfläche ist sandgestrahlt und mit Salpetersäure passiviert. Die chirurgische Technik erfolgt mit zwei Sofortimplantationen im oberen Frontzahnbereich mit transmukosen Heilungspfosten (temporären Abutments) und festsitzendem Provisorium (Maryland/Toronto-Brücke).

Falldarstellung

Einer 62-jährigen Patientin mit parodon­taler Vorgeschichte werden die Zähne 11 und 21 gezogen. Die Extraktionstechnik erfolgt atraumatisch durch den Gebrauch von Syndesmotomen, um die Fraktur der vestibulären Knochenwand zu verhindern (Abb. 1 und 2). Nach ausführlicher Kürettierung der alveolaren Wände wird mit dem Pilotbohrer (Ø2,0mm) bei 1.100UPM und mit externer Wasserkühlung eine Pilotenosteotomie in Richtung palatinaler Knochenwand präpariert (Abb. 3). Die folgenden mechanischen Bohrer weiten den Durchmesser der Piloten­osteotomie in 0,5-mm-Schritten aus und besitzen zwei vertikale Schneideflächen, die mit nur 50UPM ohne externe Wasserkühlung atraumatisch den Knochen abbauen (Chess, J.T. et al. 1990) (Abb. 4). Dieser autologe Knochen sammelt sich in den Rillen des Bohrers, wird aufbewahrt und für eventuelle Abdeckungen von Knochendefekten oder bei Augmentationsverfahren, wie z.B. interner Sinuslift, verwendet. Ein weiterer sicherheitstech­nischer Aspekt dieser Bohrer ist, dass sie an der Spitze nicht schneiden und somit Perfo­rationen oder Nerventraumatisierungen vermeiden. Auch die Gefahr von Knochenschädigungen, z.B. durch Überhitzung, wird eliminiert. Der Handbohrer (Ø4,5mm/Länge 10mm/ aufgeschraubt auf einen geraden Multifunktionsgriff) mit nur einer lateralen Schnittfläche wird für die Fertigstellung der Osteotomie  angewendet, da dieser durch eine 180°-Rotierung in palatinaler Richtung  nicht die schon dünne, vestibuläre  Wand präpariert und eben­so als Expansionsinstrument verwendet werden kann (Abb. 5).

Nach Fertigstellung der Osteotomie wird das Implantat (Bicon Integra-Ti 4,5 x 8,0mm) mithilfe eines aus chirurgischem Teflon bestehenden Einheilpfosten (der jedem Implantat beiliegt) in die Osteotomie inseriert (Abb. 6). Dieser Einheilpfosten dient, wie schon erwähnt, zum manuellen Inserieren des Implantates sowie in gekürzter Form als Verschluss des Implantatschachtes bei der gedeckten Einheilung zum Schutz vor Einwachsen von Knochen- und Weichgewebematerial. Da das Implantat durch Einklop-fen in seine Endposition gebracht wird, kommt ein Pin (Implantat-Platzierungsspitze Ø3,0mm) zum Einsatz, welcher auf den geraden Multifunktionsgriff aufgeschraubt und über diesen, mithilfe eines chirur­gischen Hammers (Gewicht 250g), das Implanat endgültig inseriert wird (Abb. 7 und 8). Das einzigartige Design des Implantates ermöglicht eine straffe Retention (Primärstabilität) in der Osteotomie, ohne jedoch die Knochenwände zu komprimieren. Dieses erfolgt durch die unendlichen Mikrokontakte, die sich entlang der Plateaukanten entwickeln.

Die transmukosen Heilungspfosten (temporäre Abutments) werden platziert (Abb. 9) und die Aktivierung der Locking-Taper-Friktion (Konusverbindung zwischen Implantat und Abutment) erfolgt durch leichtes Einklopfen mithilfe des Multifunktionsgriffes, einer aufgesetzten Abutmentplatzierungsspitze und dem chirurgischen Hammer (Abb. 10 und 11). Diese Technik wird angewendet, um die Heilungspfosten für die Zeit der Einheilung im Implantat zu befestigen. Dann erfolgt das Einsetzen und Zementieren der Maryland/Toronto-Brücke (Abb. 12 bis 14). Die Wahl fiel auf diese Art von provisorischer, festsitzender Versorgung, da bei dieser parodontal vorgeschädigten Patientin eine Verblockung der provisorischen Implantatversorgung mit Sofortbelastung zu riskant gewesen wäre. Die Nachbarzähne wiesen eine Mobilität mit Grad 2 auf und  hinzu kam die fehlende okklusale Unterstützung der Mo­-laren. Das Verblocken der Nachbarzähne durch Provisorien, die direkt durch ein Abutment auf dem Implantat positioniert werden, ist bei diesem Implantatsystem nur bei einer Mobilität von maximal Grad 1 empfehlenswert. Anschließend wurde eine Kontrollaufnahme ge­tätigt (Abb. 15).

 

Diskussion

Unsere Fallstudie weist eindeutig auf die Wichtigkeit des Implantatdesigns und des Konnektionstyps (Implantat-Abutment-Verbindung) auf, wenn man sich mit Kurzimplantaten befassen möchte. Die optimale Position dieses Implantates wird 2–3mm unterhalb des Knochenkammes erzielt, kann aber, abhängig von der vorzufindenden Knochenqualität und Knochenhöhe, zwischen 1 und 6mm unterhalb des Knochenkammes eingesetzt werden. Dieses ermöglicht dem Implantologen den Implantatkörper in eine schützende Position einzubetten, wobei Augmentationstechniken bei Knochendefekten im vestibulären Bereich nicht mehr von Notwendigkeit sind. Das Plateaudesign und die abgeschrägte Implantatschulter (Sloping Shoulder) erlauben den Knochenausheilungsprozessen, sich wie nach einer Extraktion eines natürlichen Zahnes zu verhalten. Es bildet sich ein Blutgerinsel um die Wände der Osteotomie, welches sich in die Plateaukavitäten und auf der Implantatschulter festsetzt. Durch die Bildung von Blutgefäßen beginnt ein physiologischer Aufbau des Knochens mit Vermeidung der Abbauprozesse durch makrophagische und osteo­klastische Aktivität, die sonst typisch für Implantate mit Schrauben- oder Zylinderdesign sind. Das Endresultat der Osteointegration ist eine komplette Einbettung des Implantatkörpers, wobei die Kommunikation zur oralen Kavität ausschließlich über die konische Implantat-Abutment-Verbindung besteht.

Diese abgeschrägte Implantatschulter, die unterhalb des Knochenkammes gesetzt wird, stellt eine effektive Art von Platform Switching dar (Li Shi et al. 2007). Der sich oberhalb des Implantathalses bildende Knochen ga­rantiert die Stabilität und Ernährung des Weichgewebes und somit wird eine ästhe­tische Papilla-Anatomie und Weichgewebekontur beibehalten. In unserer Fallstudie wurden Implantate mit einem Durchmesser von 4,5mm verwendet und 3mm unter dem Knochenkamm eingesetzt. Die Schulter konvergiert zum Abutmentschaft und reduziert sich im Durchmesser auf 3,0mm. Diese Plattformänderung erlaubt dem Knochen über der Schulter des Implantates zu wachsen. Eine zweite Plattformveränderung erfolgt mit diesem System auf Abutment­niveau, wobei sich ein variierendes Ausgangsprofil 2mm vom Implantathals hervorhebt. So kann z.B. auf ein 4,5-mm-Durchmesser-Implantat ein Abutment mit 3,0; 4,0; 5,0; 6,5mm oder 7,5mm Ausgangsprofil (Emergence Profile) platziert werden. Implantatdurchmesser und Abutmentdurchmesser sind komplett voneinander unabhängig, da sich nur der Schaft des Abutments mit dem Implantatschacht verbindet. Verschiedene Studien weisen auf die Notwendigkeit einer Optimierung des Implantatdesigns hin, um die Funktion eines Implantates zu verbessern (Hedia HS et al. 2004; Proos K et al. 2000; Petrie CS et al. 2002). Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schulteranatomie und der Erhöhung des Implantatdurchmessers (Shi et al. 2007). Das im Bericht dargestellte Bicon Dental Implantat weist beide Komponenten auf (Gentile MA, Chuang SK et al. 2005).

Autoren: Prof. vis. Univ. Cartagena Dr. Univ. Rom Mauro Marincola; Vincent Morgan DMD;
Prof. UniRoma Andrea Cicconetti; Dr. Stefano Carelli

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