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Kieferorthopädie 16.10.2012

Hilfselemente in der Kieferorthopädie und deren Abrechnung

Hilfselemente in der Kieferorthopädie und deren Abrechnung

Durch den Paradigmenwechsel des Verordnungsgebers beim § 6 der GOZ 2012 bietet sich dem praktizierenden Kieferorthopäden ein breites Feld an Abrechnungsmöglichkeiten von Hilfselementen. Ein sehr gebräuchliches und zuverlässiges Hilfsmittel in der Retention stellt hierbei der Retainer dar. In folgendem Beitrag sollen exemplarisch die Therapieschritte bei der Erstellung eines lingualen Kleberetainers sowie dessen Abrechnung aufgezeigt werden.

Retainer-Erstellung

1. Planung des Retainers am Modell – Festlegen der Lage
2. Festlegen der Drahtlänge und Vorformen des Retainerdrahtes
3. Mechanische Konditionierung der Klebeflächen des Drahtes mittels Sandbluster
4. Chemische Konditionierung der Klebeflächen des Drahtes mittels Metallprimer auf Triphosphor-Metacrylat-Basis (z. B. Reliance Metallprimer) (Leistungsinhalt analog der GOZ 6140)
5. Rüsttätigkeit – Vorbereitung der Einheit und des Behandlungszimmers
6. Inspektion der Mundhöhle sowie der Lagebeziehung des Unterkiefers zum Oberkiefer
7. Informationsgespräch über die Notwendigkeit eines Retainers und dessen mögliche Alternativen mit dem Patienten und eventuell dessen Eltern
8. Keimreduktion der Mundhöhle mittels CHX-Medikamenten, eventuelle Lippenpflege
9. Einbringen von Kofferdam oder Lipspreader mit Watterollen als Maßnahmen der absoluten oder relativen Trockenlegung (Leistungsinhalt analog der GOZ 2040)
10. Reinigen und Konditionieren der Zahnoberfläche mittels physikalischer (Sandbluster) und chemischer Maßnahmen (Schmelzätzung) zur Verankerung des Retainers (Leistungsinhalt analog der GOZ 2197)
11. Insertion und Befestigung des Retainers mithilfe fließbaren plastischen Komposits, in der Lage orientiert nach Vorgabe durch die Planungsmodelle je Klebestelle (Leistungsinhalt analog der GOZ 6100)
12. Kontrolle der statischen und dynamischen Okklusion – eventuell Abtragen oder Aufbauen von Komposit
13. Politur und Beseitigung von Störstellen und scharfen Strukturen
14. Entfernung des Kofferdams oder Spreaders mit Watterollen
15. Dokumentation und Bemessen der Gebühr entsprechend „der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistung sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen“ (§ 5 Absatz 2 Satz 1)
16. Aufklärungsgespräch mit dem Patienten und eventuell dessen Eltern inklusive „trouble-shooting“
17. Rüsttätigkeit
18. Leistungserfassung und Abrechnung

Vorschlag zur Leistungsabrechnung entsprechend der oben genannten Therapieschritte (siehe Beispiel 1):



Bei der Erstattung des Retainers bei Beihilfestellen werden des Öfteren die Klebestellen zur Befestigung des Drahtbogens nicht als Analogposition 6100 akzeptiert. In diesem Fall fällt die Abrechnung der Analogposition 6100 weg. Es macht aber umso mehr Sinn, bei der Position A2197 (adhäsive Befestigung) und 6140 (Teilbogen) zu steigern.

Vorschlag zur Leistungsabrechnung entsprechend der oben genannten Therapieschritte (siehe Beispiel 2):



Der Vollständigkeit halber sei noch eine Abrechnung des Retainers entsprechend Leistungskomplex H „Eingliederung von Aufbissbehelfen und Schienen“ der GOZ genannt. Hier kommt die Leistungsposition 7070 (semipermanente Schiene unter Anwendung der Ätztechnik, je Interdentalraum) zur Anwendung.

Vorschlag zur Leistungsabrechnung entsprechend Abschnitt H (siehe Beispiel 3):



Am Beispiel der festsitzenden Aufbisse soll hier exemplarisch ein Vorschlag des Vorgehens bei der Erstellung des Hilfsmittels und dessen Abrechnung erfolgen.

Aufbisse frontal oder seitlich

1. Planung der Aufbisse am Modell
2. Rüsttätigkeit – Vorbereitung der Einheit und des Behandlungszimmers
3. Inspektion der Mundhöhle und der Lagebeziehung des Unterkiefers zum Oberkiefer
4. Informationsgespräch über die Notwendigkeit von Aufbissen und deren mögliche Alternativen mit dem Patienten und eventuell dessen Eltern
5. Keimreduktion der Mundhöhle mittels CHX-Medikamenten, eventuelle Lippenpflege
6. Einbringen von Kofferdam oder Lipspreader mit Watterollen als Maßnahmen der absoluten oder relativen Trockenlegung (Leistungsinhalt analog der GOZ 2040)
7. Reinigen und Konditionieren der Zahnoberfläche mithilfe physikalischer (Sandbluster) und chemischer Maßnahmen (Schmelzätzung) zur Verankerung der Aufbisse (Leistungsinhalt analog der GOZ 2197)
8. Modellation und Polimerisation der Aufbisse mittels fließbaren plastischen Komposits oder Kompomers, orientiert nach Vorgabe durch die Planungsmodelle (Leistungsinhalt analog der GOZ 2180)
9. Insertion eines bite turbo (Fa. Ormco) oder bite bumpers (Fa. Dentaurum) (Leistungsinhalt analog der GOZ 6100)
10. Kontrolle der statischen und dynamischen Okklusion – eventuell Abtragen oder Aufbauen von Komposit
11. Politur und Beseitigung von Störstellen und scharfen Strukturen
12. Entfernung des Kofferdams oder Spreaders mit Watterollen
13. Dokumentation und Bemessen der Gebühr entsprechend „der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistung sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen“ (§ 5 Absatz 2 Satz 1)
14. Aufklärungsgespräch mit dem Patienten und eventuell dessen Eltern inklusive „trouble-shooting“
15. Rüsttätigkeit
16. Leistungserfassung und Abrechnung

Vorschlag zur Leistungsabrechnung entsprechend der oben genannten Therapieschritte (siehe Beispiel 4):



Alternativ kommt noch die Abrechnung von Aufbissen analog der GOZ 2060 „Provisorium im direkten Verfahren ohne Abformung, je Zahn“ mit der Bewertung Faktor 2,3 mit 12,94 €infrage. Ein anderer Ansatz ist die Abrechnung entsprechend des Abschnitts J „Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen“. Hier kommen die Positionen 8090 (diagnostischer Aufbau von Funktionsflächen am natürlichen Gebiss, am festsitzenden und/oder herausnehmbaren Zahnersatz, je Sitzung) und 8100 (systematische subtraktive Maßnahmen am natürlichen Gebiss, am festsitzenden und/oder herausnehmbaren Zahnersatz, je Zahnpaar) zum Tragen. Die Abrechnung über diesen Leistungskomplex der GOZ ist dann sinnvoll, wenn mit häufigen adjunktiven und abrasiven Maßnahmen an den Aufbissen zu rechnen ist (z. B. CMD-Problematik).

Vorschlag zur Leistungsabrechnung entsprechend Abschnitt J der GOZ 2012 (siehe Beispiel 5):



In dieser Aufstellung können nur exemplarisch einige Wege der Abrechnung von Hilfsmitteln während oder nach Multibracket-Behandlung aufgezeigt werden. Auch die angegebenen Therapieschritte tragen nur beispielgebenden Charakter. Sie sollen als Orientierung bei der Bemessung des Leistungsumfanges (§ 5 Absatz 2 Satz 1) und bei der Umsetzung eines Qualitätsmanagements der Praxis dienen.

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