Anzeige
Oralchirurgie 12.02.2016

Die elektronisch geregelte Anästhesie mit CALAJECT™

Die elektronisch geregelte Anästhesie mit CALAJECT™

Seit es Zahnbehandlungen gibt, steht für den Patienten die Angst vor dem zu erwartenden Schmerz im Vordergrund. Wie wir uns alle vorstellen können, war das in der Zeit vor der Entdeckung der Lokalanästhesie auch sehr begründet. Ab 1885 benutzte William Stewart Halsted (1852-1922) als erster Arzt eine Kokainlösung zur Infiltrationsanästhesie bei Zahneingriffen, was sowohl für den Behandler als auch für den Patienten eine enorme Verbesserung der Behandlungsituation darstellte.  

Die Anästhetika, sowie die Durchführung der Anästhesien, haben sich im Laufe der Jahre natürlich weiterentwickelt. Was geblieben ist, ist die Angst der Patienten vor der Spritze, die zu einer mehr oder weniger angespannten Situation im Behandlungsstuhl führt. Wir, als Zahnärzte, bemühen uns natürlich immer, die oft nötigen Injektionen so schonend wie möglich durchzuführen. Dabei kommen Oberflächenanästhetika zum Einsatz um das penetrieren der Schleimhaut so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Wie wir wissen, spielt es auch eine Rolle, wie schnell das Infiltrat in das Gewebe abgegeben wird. In einer Vielzahl der Fälle, wobei das Empfinden der Patienten höchst unterschiedlich ist, gelingt es uns die vestibuläre Infiltration relativ schmerzfrei durchzuführen. Die Empfindlichkeit nimmt dabei von distal nach mesial deutlich zu. Dass unsere Patienten die palatinale Injektion als sehr unangenehm beschreiben, wissen alle, manchmal auch aus eigener Erfahrung.

Die elektronisch geregelte Anästhesie setzt hier an mehreren Punkten an. Zum einen können feine Kanülen mit 0,3 mm Durchmesser verwendet werden, wie wir sie nur aus der Intraligamentären Anästhesie (ILA oder STA oder PDL) kennen. Nach Einsatz eines Oberflächenanästhetikums gelingt das Penetrieren der Schleimhaut in den meisten Fällen unbemerkt. Sofort nach der Penetration beginnen wir mit der Infiltration und verzichten zunächst bewusst auf Knochenkontakt, um das sehr empfindliche Periost nicht zu reizen. Durch die computer-assistierte Infiltration wird das Anästhetikum sanft und langsam eingebracht. Das führt dazu, dass die taktilen Bereiche schon betäubt sind, bevor sich ein Spannungsgefühl aufbauen kann. Dieser Vorgang ist immer mit der gleichen Qualität reproduzierbar, weil die Computersteuerung den aktuellen Gewebegegendruck erfasst und die Fließgeschwindigkeit automatisch anpasst. Zum anderen kann man sich mit dem Instrument am Patienten abstützen, muss nicht selbst Druck aufbauen und kann so die Kanüle im Gewebe extrem ruhig halten. Das Ergebnis sind deutlich zufriedenere Patienten, die ohne Angst zum nächsten Besuch kommen und Behandlungen durchführen lassen, die vorher aus Angst vor der Spritze nicht durchgeführt werden konnten.

In unserer Praxis führen wir in der Regel Infiltrationsanästhesien (zirka 90 % Infiltrationen, 9 % ILA und maximal 1 % Leitungsanästhesien) mit dem computer-assistierten System durch. Sowohl vestibulär als auch palatinal hat sich das Verfahren bewährt, weil die Injektionsdauer sich durch das langsamere Infiltrieren nur wenig verlängert, die positive Akzeptanz der Patienten aber beindruckend ist. Die Analgesie hat weiter die bekannte Dauer.

Ein weiterer Anwendungsbereich ist die intraligamentäre Anästhesie, die als Alternative zur Leitungsanästhesie am Foramen mandibulae bei uns Einzug gehalten hat. Die bekannten manuellen Geräte sind in unserer Praxis auch vorhanden, konnten sich aber im Praxisalltag nicht etablieren. Die Form der Einzelzahnbetäubung wird im Englischen als Single Tooth Anästhesia (STA) oder früher PDL (periodontal Ligament) bezeichnet. Man nahm an, dass die Anästhesielösung in das Desmodont injiziert wurde und sich entlang der Wurzeloberfläche bis zum Foramen apicale ausbreitete. Heute wissen wir, dass das nicht richtig ist. Beim radiographischen Tracing von radioopaken Lösungen hat sich gezeigt, dass die Lösung sehr schnell in den peridentalen Knochen diffundiert. Seltene Anästhesieversager können also mit größter Wahrscheinlichkeit auf eine zu große Knochendichte zurückgeführt werden. Histologische Studien haben gezeigt, dass im Desmodont auftretende Veränderungen reversibel sind, soweit das richtige Behandlungsprotokoll angewendet wird. Hier unterstützt uns die Technik, indem das Einbringen der Lösung mit zu hohem Druck und zu hoher Geschwindigkeit verhindert wird. Postoperative Perkussionsempfindlichkeiten aufgrund der intraligamentären Anästhesie können ausgeschlossen werden. Palatinale Weichgewebsnekrosen wurden in keinem Fall beobachtet, wobei wir natürlich nicht mehr als 0,2–0,3 ml injiziert haben.

Indikationen:

  1. Einzelzahnanästhesie für alle konservierenden und chirurgischen Behandlungen einschließlich endodontische Behandlungen und Extraktionen  
  2. Differenzialdiagnose bei unklaren pulpitischen Beschwerden
  3. Ergänzung zur herkömmlichen Lokalanästhesie bei Anästhesieversagen
  4. Herstellung einer Hämostase bei Papillenblutungen

Kontraindikationen:

  1. Bei Vorliegen von akuten Infektionen im Anästhesiebereich und tiefen parodontalen Taschen sollte keine ILA durchgeführt werden
  2. Endokarditispatienten sollten zum Schutz vor einer Bakteriämie antibiotisch abgeschirmt werden

Je Zahnwurzel sollten 0,2–0,3 ml Anästhetikum mesial und distal der Wurzel appliziert werden. Nach zirka 30 Sekunden erreicht das Anästhetikum das Foramen apicale und die Wirkung setzt ein. Aufgrund der schlechten Erreichbarkeit der Zahnwurzeln von Molaren im distalen Bereich hat es sich in unserer Praxis bewährt sowohl im OK als auch im UK die ILA interradikulär, also im Bereich der Furkationen durchzuführen. Standardmäßig sollten die Injektionen approximal erfolgen. Entlang der Facialfläche dürfen keine Injektionen durchgeführt werden, um die dünne Knochenlammelle nicht zu beschädigen. Grundsätzlich können ILA´s auf oralen Flächen angewendet werden, weil hier die Knochenlamelle ausreichend stark ist. Eine Ausnahme bildet hier der Molarenbereich im UK. Hier ist die Knochenlamelle auch von buccal ausreichend stark und vor allem für den Behandler gut erreichbar. Wichtig ist, dass die Schlifföffnung der Kanüle zur Wurzeloberfläche zeigt. Handelsübliche Kanülen mit einem derart kleinen Durchmesser sind deshalb am Kunststoffansatz gekennzeichnet. Sollte der Druck im Gewebe stark ansteigen, kann man den Fluss durch vorsichtiges Drehen der Nadel erleichtern. Wird der Druckaufbau zu groß, schaltet das Gerät automatisch ab.     

Die Vorteile neben der Schmerzfreiheit der ILA liegen in der engen Begrenzung des Anästhesiebereichs, der sofortigen Wirkung der Betäubung, der sehr geringen Versagerrate, der kurzen Anästhesiedauer (ca. 30 min) sowie dem Ausschluss von Beeinträchtigungen der Zunge und dem Lippe-Kinn-Bereich durch Nervschädigungen, soweit sie anästhesiebedingt sind. Natürlich treten auch die vorläufigen Sensibilitätsstörungen, die bis zu 4 Stunden anhalten können nicht auf. Der zeitliche Aufwand ist sicher größer als beim Setzen einer Leitungsanästhesie, dafür können wir mit der Behandlung aber ohne Wartezeiten beginnen. Wir arbeiten seit einem Jahr mit dem elektronisch gesteuerten System und haben seitdem nur noch 3 Leitungsanästhesien durchführen müssen. Auch die chirurgische Entfernung von retinierten und teilretinierten UK Weiheitszähnen war mit einer Kombination aus Infiltration und ILA problemlos möglich.    

Das von uns genutzte Gerät bietet 3 Injektionsprogramme. Programm 1 übernimmt den Druckaufbau für intraligamentäre Anästhesien und palatinale Injektionen. Der Fortgeschrittene kann damit auch schmerzfreie Blockausschaltungen im OK am Foramen palatinum und Foramen incisivum durchführen. Programm 2 dient der Infiltrationsanästhesie im vestibulären Bereich. Programm 3 ist der Leitungsanästhesie vorbehalten, wird also kaum genutzt. Wir verwenden handelsübliche Anästhetika mit Vasokonstringens und Kanülen mit 0,3 ml Durchmesser und mindestens 13 mm Länge um das Handling zu erleichtern. Weitere Einmalartikel sind nicht notwendig, was die Kosten im Rahmen des Üblichen hält. Das Gerät ist akkubetrieben, handlich und kann leicht von einem in das andere Behandlungszimmer gebracht  werden.  

Fazit

Die elektronisch gesteuerte Anästhesie ist aus unserem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Sicherlich haben wir auch früher unsere Patienten rücksichtsvoll behandelt und so manches Lob für die Durchführung unserer Anästhesien erhalten, was uns zu Recht stolz auf unsere Fähigkeiten gemacht hat. Der Fortschritt ist aber nicht aufzuhalten und das Bessere der Feind des Guten. Wenn Sie Patienten fragen, und wir fragen nach jeder Anästhesie, ist die einhellige Meinung, dass hier ein Meilenstein gesetzt wurde. Wir sitzen entspannt am Patienten, können uns bequem abstützen, der Patient zuckt nicht und fragt nach der Injektion, was wir gemacht haben. Dieses positive Erlebnis begeistert Zahnarzt und Patient, und glauben Sie mir, der Patient erzählt es weiter.  

Foto: © Rønvig Dental
Mehr Fachartikel aus Oralchirurgie

ePaper

Anzeige