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Oralchirurgie 27.03.2012

Atraumatische Extraktionen

Atraumatische Extraktionen

Die Extraktion eines Zahnes ist wahrscheinlich das traumatischste Ereignis, das ein Patient in der Zahnchirurgie erleben kann, und falls die Extraktion nicht glatt verläuft, kann es auch für den Zahnarzt sehr anstrengend werden. Es überrascht mich, dass nicht alle Zahnärzte zu einem Luxator von Directa Dental als Instrument erster Wahl greifen, wenn die Verwendung eines einfachen chirurgischen Instruments die Extraktion sowohl für den Patienten als auch für den Zahnarzt deutlich einfacher gestalten kann.

Um zu verstehen, wie ein Zahn am besten entfernt wird, hilft es, die Strukturen und Kräfte zu untersuchen, die den Zahn an seinem Platz halten. Der Zahn kann nur entfernt werden, wenn diese Kräfte überwunden werden. Zunächst muss man die Knochenstruk­-tur um die Wurzeln betrachten. Da der Knochen direkt an der Oberfläche der Wurzel anliegt, sorgen Unregelmäßigkeiten, Kerben oder Krümmungen der Wurzel für eine mechanische Retention. Zur Überwindung dieser Retention muss das Zahnfach gedehnt werden, bis die Wurzel bei der Extraktion nicht mehr durch Knochen behindert wird. Der zweite Faktor, der die Extraktion des Zahns erschwert, ist die Wurzelhaut, die aus Kollagenfasern besteht. Wie Millionen kleiner Zeltschnüre widersteht die geballte Kraft dieser Fasern der stärksten Kaukraft. Stellen Sie sich vor, wie viel Kraft erforderlich wäre, um ihre geballte Kraft zu überwinden und einen Zahn zu ziehen.

Die dritte zu überwindende Kraft ist die des Luftdrucks. Wenn ein Zahn aus seinem Zahnfach gezogen wird, entsteht ein Vakuum an der Spitze des Zahnfachs. Bis dieses Vakuum mit Blut oder eindringender Luft gefüllt ist, drückt der Luftdruck auf den Zahn und hält ihn an seinem Platz. Jeder, der sich an das Experiment mit der Magdebur­­-ger Halbkugel aus dem Physikunterricht erinnern kann, weiß, dass ein­facher Luftdruck der Kraft von zwei Pferde­gespannen widerstanden hat, die in unterschiedliche Richtungen an den Halbkugeln gezogen haben. Es ist also kein Wunder, dass eine ein­fache Kombination aus Zangen und ro­her Gewalt zu einem unnötigen Verlust von Alveolarknochen, einer Knochenfraktur und daher auch zu einem belastenderen Erlebnis für Patient und Arzt führen kann. Eine Fraktur des Tu­­-ber maxillaris kann Ihnen auf jeden Fall den Tag verderben! Die vorsichtige und wohlüberlegte Verwendung eines Luxators hilft dem Zahnarzt dabei, die den Zahn fixieren­-den Kräfte zu teilen und zu beherrschen und macht die Extraktion zu einem deutlich vorhersehbareren und entspannteren Prozess. Die geeignete Größe des Luxators wird entsprechend dem Durchmesser der Wurzel gewählt, und der Winkel der Klinge wird so gewählt, dass ein idea­ler Zugriff gewährleistet wird. Die Spitze des Luxators wird vorsichtig in den Gingivalsaum eingeführt, wobei die Klinge leicht in Richtung der Wurzel­oberfläche geneigt wird. Dies stellt sicher, dass der Luxator zwischen dem krestalen Knochen und der Wurzel in die Wurzelhaut eindringt. Sobald der Luxator in die Wurzelhaut eingeführt wurde, wird er mit einer schaukelnden Bewegung von einer Seite zur anderen und einem gleichmäßigen Axialdruck an der Wurzel entlang tiefer geführt (Abb. 2). Diese Bewegung durchtrennt zunächst die Fasern der Wurzelhaut, anschließend dehnt das weitere Vordringen der Klinge das Zahnfach, um eine einfachere Extraktion zu ermöglichen. Während die Wurzelhaut durchtrennt und das Zahnfach gedehnt wird, füllen Blut und die eindringende Luft schließlich das Vakuum, das die Zahn­extraktion verhindert. Der Luxator sollte so weit wie möglich um die ganze Wurzel herum eingeführt werden, um das Zahnfach gleichmäßig zu dehnen. Sobald dies erreicht wurde, kann der Zahn endgültig mit Zangen gezogen werden, obwohl dies bei Zähnen mit nur einer Wurzel meist nicht erforderlich ist.

Wenn Sie einen Luxator verwenden, sollte der einzigartig geformte Handgriff bequem in Ihrer Handfläche lie­gen und durch Ihre Finger und Ihren Daumen gehalten werden, wobei der Zeigefinger in Richtung der Spitze des Instruments ausgestreckt ist (Abb. 3). Dies ermöglicht eine genaue Kontrolle der Spitze und verhindert, dass sie abrutscht. Eine übermäßige Kraftaufwendung sollte vermieden werden. Der Luxator ist ein chirurgisches Instru­ment und sollte auch als solches und nicht als Wurzelheber verwendet werden. Zur Erweiterung des Sortiments an Luxatoren stellt Directa AB nun auch ei­nen Wurzelheber her, den sogenannten Luxator Forte. Der widerstandsfähigere Luxator Forte sollte verwendet werden, nachdem das Zahnfach mit einem Luxator gedehnt wurde und falls eine stärkere Dehnung und Elevationskraft erforderlich scheinen. Der Forte kann leicht an seinem schwarzen Handgriff erkannt werden (Abb. 4). Diese Abfolge von Luxation und anschließender Elevation führt üblicherweise dazu, dass Zangen nur verwendet werden, um den Zahn abschließend einfach zu entnehmen. Das schwedische Dentalunternehmen Directa AB hat nicht nur den Namen „Luxator“ erfunden, sondern dieses Sortiment an Instrumenten auch bis zur Perfektion weiterentwickelt. Die Verwendung hochwertiger Klingen aus Chirurgenstahl und eine Zwei-Phasen-Gusstechnik für die einzigartigen, ergonomischen Griffe aus Polymer bieten zusammen ein qualitativ hochwertiges Instrument, das Ihnen jahrelang zu­verlässige Dienste bieten wird und unzählige Reinigungs-, Desinfektions- und Dampfsterilisationszyklen aushält. Ich verwende seit mehr als zwanzig Jahren Luxatoren und kann mir nicht vorstellen, einen Zahn zu ziehen, ohne zunächst die Fasern der Wurzelhaut mit meinem treuen Freund zu durchtrennen. Es wäre, als ob man versuchen würde, seine Schuhe auszuziehen, ohne vorher die Schnürsenkel zu lösen.

Autor: Dr. Simon P. Jones

Foto: DIRECTA
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