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Oralchirurgie 09.08.2016

Sonografische Darstellung einer nicht heilenden Extraktionswunde

Sonografische Darstellung einer nicht heilenden Extraktionswunde

Der vorliegende Fachbeitrag beschreibt die Anwendung einer sonografischen Bildgebung. Vorgestellt wird eine 78-jährige ­Patientin, die seit über vier Jahren regelmäßig Bisphosphonate, wegen eines bekannten multiplen Myeloms, erhält. Bei der ­Patientin wurde im August 2015 in Lokalanästhesie der Zahn 36 unter antibiotischer Abschirmung entfernt. Seit dieser Zeit klagt die Patientin fortwährend über Beschwerden im Bereich der Extraktionsstelle.

Die Vorstellung der Patienten, in der ambulanten Sprechstunde, erfolg­te elf Monate nach der Entfernung des Zahnes 36. Klinisch ist der Befund weitgehend unauffällig. Die Gingiva ist über der Extraktionswunde komplett verschlossen. Es zeigen sich im Bereich des Zahnfleisches kleinere Fisteln, welche leicht bläulich verfärbt sind und bei der Palpation Sekret absondern (Abb. 1).

extraktionswunde

Abb. 1: Klinischer Situs der Extraktionswunde 36 nach elf Monaten mit Darstellung der Fisteln.

Mithilfe einer Mikrokonvexsonde und dem Ultraschallgerät (Aplio 300, Fa. Toshiba) wurde die Extraktionswunde von Intraoral untersucht (Abb. 2). Da die Patientin im linken Unterkieferseitenzahngebiet zahnlos ist, ließ sich die Sonde gut intraoral applizieren. Ziel war es, die Alveolen möglichst komplett darzustellen. Das Icon am rechten Bildrand (Abb. 3) zeigt den geöffneten Mund mit der ­ungefähren Position der Sonde.

ApplikatorSonografie

Abb. 2: Applikation der Mikrokonvexsonde im Bereich des Unterkiefermodelles links in Höhe des Zahnfaches 36. Abb. 3: Sonografisches Bild des Zahnfaches 36 mittels der Mikrokonvexsonde.

Die Mikrokonvexsonde ist durch ihre kleine, handliche und runde Form sehr gut für die intraorale Sonografie geeignet. Es handelt sich um eine Sonde im mittleren Frequenzbereich mit circa 7 MHz. Die Eindringtiefe der Mikrokonvexsonde ist deutlich besser als bei reinen Nahfeldsonden ab 14 MHz, allerdings nimmt die Detailschärfe etwas ab.

Im vorliegenden Fall lassen sich die Zahnfächer der mesialen und distalen Wurzel des Zahnes 36 gut darstellen. Im Bereich des Apex, und zum Teil auch an den Wänden der Alveolen, sind größere reflexreichere Zonen zu sehen, welche die Zahnfächer unvollständig verschließen. Nach kranial ist eine deutlich verminderte Reflexion messbar, was für eine unvollständige Knochenbildung spricht. Die Knochenstruktur ist pathologisch verändert und entspricht nicht der natürlichen Spongiosa. Die Umbauvorgänge des Knochens sind durch die Bisphosphonattherapie nachweislich erheblich gestört.

Die Behandlung der Patientin mit Bisphosphonaten ist dringend angezeigt, obwohl die negativen Effekte auf die Kieferknochen hinreichend bekannt sind (Grötz, Kreusch, DZZ 60[10]2006). Eine chirurgische Revision der Wunde 36 ist nur nach einer längeren Unterbrechung der Bisphosphanattherapie möglich. Daher ist vor dem Eingriff eine Konsultation und Absprache mit den behandelnden ärztlichen Kollegen zwingend notwendig.

Foto: © Autor
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