Parodontologie 04.12.2014

Schall versus Ultraschall

Schall versus Ultraschall

In der Praxis Dr. Dominik Dortmann & Partner, Mülheim-Kärlich, liegen die Behandlungsschwerpunkte auf Implantologie und Prothetik, Prophylaxe sowie Kinder- und Jugendzahnheilkunde. Die Prophylaxe ist also eine tragende Säule im Konzept. Die großen und kleinen Patienten erwarten drei farbenfrohe modern ausgestattete freundliche Prophylaxeräume, die mit unterschiedlichen Handstücken (EMS bzw. Sirona) ausgestattet sind – die ideale Abteilung, um das breite Komet-Sortiment an SonicLine- und PiezoLine-Spitzen von DH Irene Fischer testen zu lassen.

Frau Fischer, warum kann das Arbeiten mit Handinstrumenten zur Schwerstarbeit werden?

Eine gesamte Zahnreihe von Hand zu instrumentieren, ist nicht nur ermüdend für sämtliche Muskeln und Gelenke an Hand und Fingern, sondern strapaziert auch unsere Körperhaltung. Natürlich haben wir in der Ausbildung gelernt, dass wir aus dem Ellbogen heraus arbeiten sollen und den Patienten besonders bei anatomisch kritischen Stellen am Zahn in einer für uns ergonomischen Position lagern. Doch allzu leicht verfällt man in alte Muster: Die Kraft allein aus der Hand herauszuholen lässt die Muskeln verkrampfen und die Gelenke schmerzen. Außerdem will keiner dem Patienten eine lange waagerechte Position auf Dauer auf dem Behandlungsstuhl zumuten. Durch maschinelle Lösungen kann den typischen Berufskrankheiten eines zahnärztlichen Teams schon toll geholfen werden!

Beschreiben Sie bitte Ihren Königsweg aus manueller und maschineller Instrumentierung!

Bei supragingivalen, weichen Belägen mit geringem Zahnstein gehe ich manuell mit Scaler vor oder greife zu Schall- bzw. Ultraschallinstrumenten. Im Gegensatz zum manuellen Instrumentieren erlauben mir maschinelle Spitzen eine leichte Zahnstein- und Konkremententfernung und ein ermüdungsfreies Arbeiten ohne Kraftaufwand. Mit leicht überlappenden Bewegungen kann ich mich zügig und präzise vorarbeiten und schone dabei noch das umliegende Weichgewebe bzw. die Zahnhartsubstanz. Dann folgen die Reinigung mit dem Pulver-Wasserstrahl, die Glattflächenpolitur mit Paste und Kelch und eine abschließende Fluoridierungsmaßnahme. Falls Zahnstein und subgingivale Ablagerungen vorliegen, benutze ich nach der maschinellen Grobdepuration Scaler und Kürette für die taktile Nachbearbeitung. Gegebenenfalls muss eine Desinfektion der parodontalen Taschen stattfinden. Das ist unser typisches Prozedere.

Abb. 2: Die effektive Abtragsleistung wird durch die zweiseitig lineare Arbeitsweise erreicht. Abb. 3: PE 1.SI1 mit der markanten Sichelform ist in tiefen Taschen bis 9 mm zum Spülen und zur Wurzelsäuberung indiziert.

 

Komet bietet die SonicLine Schallinstrumente, aber auch eine Vielzahl an Ultraschallspitzen für das Scaling, die Parodontalbehandlung und die Implantatprophylaxe an. Was ist das Hauptkriterium, ob in einer Praxis die Schall- oder Ultraschalltechnik zum Einsatz kommt?

Für welche Technik man sich entscheidet, hängt vor allem von der Praxisausstattung ab: Die SonicLine Schallspitzen benötigen ein luft- betriebenes Schallhandstück (z. B. SF1LM), die PiezoLine Ultraschallspitzen hingegen funktionieren mithilfe piezoelektrischer Antriebe, wie man sie in Handstücken von EMS (Piezon®Master 700, MiniMaster®, MiniMaster® LED und MiniPiezon®), von Tekne Dental (Titanus®E) oder in den Handstücken der Behandlungseinheiten TENEO und SINIUS von Sirona vorfindet (PerioSonic für PerioScan und SirosonicL/TL).

Und wie unterscheiden sich Schall und Ultraschall in Technik und Arbeitsweise?

Schall liefert kreisrunde Bewegungen mit einem 360°-Aktionsradius, ist also rundum aktiv. Daraus ergibt sich folgende Vorgehensweise: Die Adaption sollte seitlich und mit Rückenfläche erfolgen, der Anstellwinkel 0° bis 15° zur Zahnoberfläche betragen. Ultraschall hingegen liefert lineare Bewegungen, arbeitet also wie ein Presslufthammer, der immer in Bewegung bleiben sollte.

Es gibt auch Gemeinsamkeiten der beiden Instrumentenlinien beim praktischen Einsatz: Bei beiden ist auf ausreichend Kühlung (besonders im subgingivalen Bereich) zu achten, was ich mit einer Durchflussmenge von 50 ml/min sicherstelle. Sobald mit mehr Druck gearbeitet wird, geht die Leistung bei beiden Spitzen-Linien verloren. Wer die Instrumente zum ersten Mal einsetzt, wird das Abbremsen sofort spüren und am geringeren Abtrag erkennen. Apropos Taktilität: Manche meinen, dass Handinstrumente mehr Gefühl zulassen. Diese Aussage lässt sich durch das grazile Instrumentendesign der SonicLine und Piezo-Line so nicht mehr halten.

Sie haben die Scaler aus der PiezoLine für EMS-Einheiten als auch das neue Spitzen-Sortiment (SI1-4L.) für die Sirona Einheiten in der Praxis getestet. Welche SI-Spitze wurde beim supragingivalen Scaling Ihr Favorit?

Mit dem 3L.SI1 zum Entfernen von supra- und subgingivalem Zahnstein hat man ein Standardinstrument zur Hand. Die Spitzen sind universell beidseitig einsetzbar und es hat mir gut gefallen, dass ich sie auch zur Bearbeitung der Interdentalräume einsetzen konnte. Das Instrument fällt bei mir unter die Kategorie „Klassiker“ auf Qualitätsniveau. Wirklich begeistert bin ich aber von der Spitze 4L.SI1, eine mir bisher völlig unbekannte Form. Ich nenne sie gerne „die Sichelspitze“, mit der man noch besser zwischen die Zähne gelangt. Mit ihr konnte ich einen eindrucksvollen supragingivalen Abtrag von Konkrementen und Debris erzielen.

Im subgingivalen Paro-Bereich sind sechs PiezoLine-Spitzen kompatibel zu Sirona-Einheiten. Welche fiel Ihnen hier besonders ins Auge?

Mein Favorit hat die Instrumentennummer PE 1.SI1. Diese Spitze ist auch in tiefen Taschen bis 9mm indiziert und weil sich das Instrument auch zum Spülen eignet, empfand ich im Rahmen einer Parodontitisbehandlung ein besonders effektives Bakterienmanagement umsetzbar. Mit dieser Instrumentengruppe wird das Weichgewebe insgesamt deutlich weniger traumatisiert. Zusätzlicher Attachmentverlust wird verhindert und das subgingivale Debridement auch in tiefen Taschen wunderbar umgesetzt.

Sie haben nun das Glück, in einer Praxis zu arbeiten, die alle Handstücke vorhält. Wie instrumentieren Sie in der Regel maschinell, da ja alle Optionen geboten sind?

Bei uns ist es inzwischen üblich, dass wir bei einer normalen PZR für die supra- und subgingivale Reinigung bzw. Zahnsteinentfernung mit der SonicLine Schallspitze SF 1 (Scaler Universal) arbeiten. Der Effekt ist bei einer Taschentiefe bis zu 4 mm ausgezeichnet. Bei einer Parodontitis-Behandlung hingegen, wenn wir also eine Taschentiefe von ca. 4 mm und mehr feststellen, setzen wir Ultraschall ein, dann also die soeben erwähnte Spitze PE 1.SI1.

Vielen Dank für das Gespräch

Irene Fischer ist seit 1999 in der Praxis Dr. Dortmann & Partner tätig. Kontinuierliche Weiterbildung u. a. an der Universität Witten-Herdecke erlaubten ihr den Werdegang 2013 von der ZMP zur Dentalhygienikerin.

Dr. Dortmann & Partner
Irene Fischer
Kurfürstenstraße 86
56218 Mülheim-Kärlich
Tel.: 02630 94500
Fax: 02630 945020
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www.dr-dortmann.de

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