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Prophylaxe 17.11.2011

Einfache Diagnostik in der Zahnarztpraxis

Einfache Diagnostik in der Zahnarztpraxis

Je einfacher eine Diagnostik in der Zahnarztpraxis ist, umso wahrscheinlicher wird sie auch durchgeführt. Und eine einfache und systematische Untersuchungsmethode hilft auch, Untersuchungen zu formalisieren und systematisieren.

Es geht nicht darum, dass wir nicht diagnostizieren wollten oder könnten. Tatsächlich sind jedoch viele Indizes gar nicht so einfach zu erheben. Allein hinsichtlich der Blutungsneigung gibt es schon zahllose „Kennzahlen“ (Indizes), hinzu kommen noch diejenigen, die Entzündungsneigungen erfassen.

Neben der Einwilligung des Patienten gehört für mich aber gerade eine genaue Diagnostik zu einer fehlerfreien Behandlung. So verlange ich von meinem Prophylaxepersonal, dass in regelmäßigen Abständen, z.B. im Rahmen professioneller Zahnreinigungen, auch außerhalb des 24-Monate-Zeitraums die Taschentiefen gemessen werden. Hier hilft der PSI-(Periodontal Screening) Index – weil er eben so einfach ist. Die PSI-Screening Methode reicht (zunächst) völlig aus. Erklären, was Sie bzw. Ihre Fachkraft da tun, sollten Sie Ihren Patienten das allerdings schon. Wenn der nämlich die Messsonde sieht, dann vermutet er Ungemach. Sie sieht ja auch recht gefährlich aus. Dass sie eine (ungefährliche) runde Spitze hat, sieht man auf den ersten Blick nicht. Aber wie kann ich, ohne auszuufern, den Patienten erklären, was es mit dieser Messung auf sich hat? Eine sehr schöne Erklärung der Deutschen ­Gesellschaft für Parodontologie fand ich im Internet un-ter www.zahngesundheit-aktuell.de/psi: „Um das Zahnfleisch zu beurteilen, wird das Gebiss in sechs ver­schiedene Abschnitte eingeteilt. Jeder einzelne Bereich wird Zahn für Zahn mithilfe einer speziellen Sonde untersucht […]: Vorsichtig führen wir die Sonde zwischen Zahn und Zahnfleisch ein und tasten behutsam um den ge­samten Zahn. Dabei wird an bis zu sechs verschiedenen Stellen des Zahnes die (Sondierungs-)Tiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeiten an der Zahnoberfläche gemessen. […] Sie werden die Untersuchung kaum spüren, denn sie verläuft weitgehend schmerzfrei.“

Haruspices


So nannte man diejenigen Priester, die ihre „Diagnostik“ anhand der Eingeweideschau geschlachteter Opfertiere stellten. Ich weiß ja nicht, wie erfolgreich sie damit waren, aber hier und heute zählt in der Zahnmedizin Evidenzbasiertes in Diagnostik und Therapie. So zum Beispiel auch der SBI-(BOP) Index. Bleeding On Probing bedeutet, dass wir mit einer stumpfen Sonde und einem konstanten Druck von 0,2–0,25 Newton eine Tasche sondieren. Wenn es blutet, können wir dann von einer Entzündung der Tasche ausgehen? Sie wissen ja, dass z.B. Rauchen die Blutungsneigung wegen der vasokonstriktorischen Wirkung des Nikotins wesentlich verringert und uns somit Zahnfleisch-Gesundheit vorgaukelt. Auch dieser Index ist noch nicht sehr alt. Er wurde als Sulkusblutungsindex 1971 von Mühlemann und Son etabliert. Ist er überholt? Immerhin zeigt er ja erst etwas an, wenn ein „Defekt“ bereits vorliegt.

Zu viel an Indizes? Ich bin beinahe Ihrer Meinung. Zu ­Risiken und Nebenwirkungen könnten Sie sich die ­„Wissenschaftliche Mitteilung zu Zielen und Methoden der epidemiologischen Erfassung oraler Erkrankungen“ zu Gemüte führen (www.dgzmk.de/uploads/tx_szdg-zmk-documents/Statement_Epidemiologische_Studien_2010_final.pdf). Ein Satz daraus hat mich nachdenklich gemacht: „Die Parodontalepidemiologie wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.“

Erosionen einfach erkennen


Doch nicht genug der Irrungen und Wirrungen verschiedener „Allgemein geordneter Verzeichnisse zu Orientierungszwecken“, kurz Indizes. Ein weiterer Index, der mir – weil so einfach – sehr gut gefällt, ist der Basic Erosive Wear Examination Index. Mit ihm bezeichnet die Wissenschaft ein System, um Erosionen einfach und schnell zu klassifizieren. Das von Bartlett und weiteren internationalen Experten entwickelte BEWE Bewertungssystem (Basic Erosive Wear Examination) hilft bei der systematischen Diagnose von Erosionen. Hierbei wird das Gebiss in Sextanten eingeteilt, wobei für jeden Sextanten ein Wert von 0 (kein Zahnschmelzverlust) bis 3 (deutlicher Zahnschmelzverlust von mehr als 50 Prozent der Zahnoberfläche) vergeben wird. Anschließend werden alle Kennziffern für die Ermittlung des BEWE-Gesamtwertes (von 0 bis 18) aufsummiert. Nun werden die Patienten sehr einfach in Risikogruppen erfasst mit sehr klaren Vorgaben für mögliche Maßnahmen – in der Zahnarztpraxis, aber auch im Rahmen der häuslichen Mundhygiene. Wesent­licher Baustein in diesem Zusammenhang ist immer eine Fluoridierung. Insbesondere bei der täglichen Fluoridierung sollte man in diesem Zusammenhang auf eine hohe Fluoridverfügbarkeit achten. Bei der Sensodyne Proschmelz Täglichen Zahncreme wurde vor diesem Hintergrund besonders auf eine hohe Fluoridverfügbarkeit geachtet, damit das freie Fluorid gut in den Zahnschmelz eindringen und ihn dann härten kann.

Hohe Fluoridverfügbarkeit


Was in diesem Zusammenhang eine hohe Fluoridverfügbarkeit bedeutet? In einem ersten Schritt muss Fluorid natürlich zunächst aus der Zahncreme selbst verfügbar sein. Verschiedene Inhaltsstoffe wie z.B. die verwendeten Abrasivstoffe sind bekannt dafür, dass sie mit Fluorid Wechselwirkungen eingehen können. Ferner muss z.B. Natriummonofluorphosphat im Mund zunächst enzymatisch gespalten werden, um freies Fluorid zu liefern. Im Aminfluorid ist das Fluorid z.B. an ein langkettiges organisches Kation gebunden. Zahnerosionen kann mit recht einfachen Maßnahmen (wieder: Keep it simple!) sehr wirksam vorgebeugt werden:

  • Menge und Einwirkzeit der Säure reduzieren
  • Säurehaltige Getränke, wie z.B. Orangensaft und Softdrinks, nicht zwischen den Zahnreihen hin und her spülen
  • Trinkhalme verwenden, sie verringern die Kontaktfläche der Säure mit den Zähnen
  • Mahlzeiten mit etwas „Neutralisierendem“ beenden, beispielsweise Milch oder Käse
  • zahnfreundliche Bonbons oder Kaugummis konsumieren
  • Anpassung der Mundhygiene (z.B. nicht nach dem Frühstück, sondern davor, wenn hier Fruchtsäfte getrunken werden)
  • Richtige Bürsttechnik und Zahnbürste: geringer Anpressdruck und weiche Borsten
  • Regelmäßige Härtung des Zahnschmelzes und Steigerung der Mikrohärte des Zahnes (täglich z.B. durch eine Zahncreme mit hoher Fluoridverfügbarkeit wie Sensodyne Proschmelz und wöchentlich durch ein hochdosiertes Fluorid-Gelee wie z.B. Sensodyne Proschmelz Fluorid Gelee)
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche

Fazit


Das Problem der Erosionen wird für mich ein spannendes Thema werden. Für Sie nicht? Nun, Karies und Parodontitis haben wir Zahnärzte weitgehend „im Griff“. Diese Erkrankungen sind auf dem Rückzug, das zeigen auch die Zahlen aus der Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie. Aber das Problem der explodierenden Zahlen von Erosionen und daraus bedingter Zahnschäden wird uns sicherlich noch überraschen. Seien Sie gewappnet! Und wenn Sie eine regelmäßige Diagnostik in Ihrer Praxis etablieren wollen: Halten Sie sich an die einfachen aber sehr effizienten Indizes, wie z.B. den BEWE-Index. Keep it simple!

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