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Prophylaxe 28.02.2011

Parodontitisdiagnostik: Keime in der Mundhöhle

Parodontitisdiagnostik: Keime in der Mundhöhle

Neben mangelnder Mundhygiene und Zahnsteinbildung sind opportunistische Infektionen mit Mikroorganismen Ursache einer Parodontitis. Zahnschmelz und Zahnhalte­apparat bieten Bakterien im Mund eine natürliche Besiedlungsoberfläche. Angelagerte Zuckerbestandteile begünstigen die Ansiedlung der Bakterien zusätzlich. Nisten sich Brückenkeime und aggressive Parodontitiserreger ein, ist der Weg für die Entstehung einer Parodontitis geebnet.

Bei einer Parodontitis ist das Keimspektrum in der Mundhöhle verändert: während bei gesunden Menschen grampositive, fakultativ anaerobe Bakterien vorherrschen, überwiegen bei einer Parodontitis die gramnegativen Anaerobier. Es handelt sich also durchaus um eine Infektionskrankheit. Die Parodontitiserreger wirken als bakterielle Antigene; sie produzieren Lipopolysaccharide, die die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen auslösen. So kommt es zur typischen Entzündungsreaktion.

Das geschieht jedoch nicht von heute auf morgen. Zuerst siedeln sich fakultativ anaerobe, moderat pathogene Brückenkeime an, die den aggressiven Parodontitiserregern den Weg bereiten. Durch ihren Stoffwechsel schaffen die Brückenkeime den klassischen Parodontitiserregern eine ökologische Nische. Die eigentlichen Parodontitiserreger verfügen über einen strikt anaeroben Stoffwechsel und sind sehr anspruchsvoll. Sie bilden ­Virulenzfaktoren, Toxine und abbauende Enzyme. Sind die aggressiven Parodontitiserreger nachweisbar, kommt es meist zu Sondierungsblutungen und tiefen Zahntaschen.


Bakterien als Marker für Parodontitis


Über die Bakterienzusammensetzung in der Zahntasche lässt sich eine beginnende Parodontitis aufdecken und behandeln, noch bevor die ersten Symptome auftreten. Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis erlaubt der Erregernachweis eine gezielte Therapie. Der ParoCheck weist zum Beispiel die wichtigsten Markerorganismen einer Parodontitis wie Aggregatibacter, Porphyromonas und Prevotella nach, unabhängig von deren Lebensfähigkeit in der Kultur. Zusätzlich gibt der ParoCheck Therapieempfehlungen, die auf dem individuellen Befund basieren. Die verschiedenen Formen der Behandlung wie Antibiotikatherapie, Behandlung mit ätherischen Ölen und Paro-vaccine-Therapie werden dabei berücksichtigt. So lässt sich die Therapie individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten abstimmen. Der behandelnde Therapeut kann damit die Streuung der Parodontitiserreger und ihrer Toxine in den Körper eindämmen – und den Ausbruch verschiedener Allgemeinerkrankungen verhindern. Denn bei Parodontitispatienten sind Schlaganfälle dreimal so häufig wie bei Gesunden und das Herzinfarkt-Risiko steigt um 25 Prozent. Diabetes, Rheuma, Atemwegsleiden kommen ebenfalls häufiger vor.

Autor: Dr. Andreas Schwiertz

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