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Branchenmeldungen 24.02.2012

37 Mio. Versicherte können ihre Zahnärzte beurteilen

37 Mio. Versicherte können ihre Zahnärzte beurteilen

Patienten klären Patienten auf

Geht der behandelnde Zahnarzt auf Ängste und Schmerzen des Patienten ein? Und informiert er ihn verlässlich über entstehende Kosten? 37 Millionen gesetzlich Krankenversicherte können seit Freitag ihre Zahnärzte im Internet bewerten. Die Wertungen sollen anderen Patienten bei der Arztsuche helfen, teilten die Krankenkassen AOK, Barmer GEK und Techniker Krankenkasse in Berlin mit. Die Patienten können die 55 000 niedergelassenen Dentisten in Deutschland unter anderem daraufhin bewerten, ob sie auf Ängste und Schmerzen eingehen und ob sie über die anstehenden Kosten verlässlich informieren. Die Ergebnisse fließen in ein Internetportal ein.

Die Versicherten können sich mit den Angaben auf ihrer Versichertenkarte für die Online-Befragung registrieren, so die beteiligten Kassen. Der Fragebogen umfasse rund 40 Fragen. Es handele sich um die erste Befragung dieser Art – gemeinsam mit Patienten wissenschaftlich entwickelt, speziell auf die verbrauchernahen Fragen zugeschnitten. Die Befragung sei anonym und vor Manipulationen geschützt. Die Angaben sollen anderen Patienten bei der Zahnarztsuche helfen, zugleich aber fair gegenüber den Zahnärzten sein. Diffamierungen und unsachliche Kommentare solle es nicht geben.

Zugleich wurden am Freitag Ergebnisse einer aktuellen Befragung zu Haus- und Fachärzten bekanntgegeben. Demnach sind mehr Patienten mit den Allgemeinmedizinern zufrieden als mit den Fachärzten. 88 Prozent der Patienten würden ihren Hausarzt bestimmt oder wahrscheinlich weiterempfehlen, aber nur 75 Prozent den beurteilten Facharzt. 95 Prozent würden ihren Hausarzt wieder aufsuchen, aber nur 79 Prozent den beurteilten Facharzt.

KZBV: Zahnarztbewertungsportale kritisch begleiten

Kritisch, aber konstruktiv will die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) die Zahnarztbefragung im Arztbewertungsportal der Weissen Liste begleiten, deren Start heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ausdrücklich weist sie darauf hin, dass es auch für Arztbewertungsportale klare Qualitätsstandards gibt.

Der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Dr. Jürgen Fedderwitz, sagte: „Das Projekt der Weissen Liste unterscheidet sich von vielen anderen Arztbewertungsportalen, die wir skeptisch sehen. Es ist vergleichsweise gut gegen Missbrauch geschützt, und Beurteilungen kommen nach einem auf wissenschaftlichen Ansätzen beruhenden Verfahren zustande. Das erkennen wir an.

Gleichwohl bleibt es dabei, dass über Bewertungsportale nur weiche Faktoren abgefragt werden können, und keine Behandlungsqualität im klinischen Sinne. Sie sind auch kein Ersatz für den Aufbau einer persönlichen Vertrauensbeziehung zwischen Patient und Zahnarzt.“ Fedderwitz verwies darauf, dass es für Portale zur Bewertung von Zahnärzten einen von Ärzte- und Zahnärzteorganisationen entwickelten Leitfaden mit Qualitätsstandards gebe, an dem sich das Projekt der Weissen Liste offensichtlich auch stark orientiere. Gleichwohl bleibe Skepsis: „An dem  Projekt sind mehrere große Krankenkassen beteiligt. Wir werden deshalb in Zukunft genau beobachten, ob bzw. wie die Kassen versuchen, Arztbewertungen für die Steuerung von Patientenströmen oder andere Wettbewerbszwecke einzusetzen.“

Der Leitfaden „Gute Praxis Zahnarztbewertungsportale“ steht auf www.kzbv.de zum Download zur Verfügung.

 

Quelle: dpa, ots, KZBV, BZÄK

Foto: © Shutterstock.com
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