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Branchenmeldungen 23.01.2017

Anatom Dr. Wolfgang Schwab verstorben

Anatom Dr. Wolfgang Schwab verstorben

Fragt man im Berufsleben stehende Mediziner und Zahnmediziner nach den Hochschullehrern, die bei ihnen während des Studiums den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen haben, so werden meist Anatomen genannt. Der nach längerer schwerer Krankheit verstorbene Dresdener Anatom Wolfgang Schwab gehörte zu dieser Art von Lehrern. Er hat seit 1992 Generationen von Studierenden der Medizin und vor allem Zahnmedizin an der TU Dresden geprägt. Dabei war die akademische Karriere von Wolfgang Schwab nicht unbedingt auf die Anatomie ausgelegt.

Geboren in Dresden 1956, hat er Zahnmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie an der damaligen Medizinischen Akademie „Carl-Gustav Carus“ in Dresden studiert. Nach Abschluss als Diplomstomatologe 1981 promovierte er im selben Jahr mit einer Arbeit aus der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zum Dr. med. Schon während des Studiums hat er aber ein wissenschaftliches Interesse entwickelt, das eher in eine biochemische und physiologische Richtung ging, sodass er von 1981 bis 1992 als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Pathologische Biochemie der Medizinischen Akademie arbeitete. Nach Facharztanerkennungen für Pathologische Biochemie und Labormedizin wurde er zum Leiter verschiedener Arbeitsgruppen bestellt. Im Vorfeld der Umstrukturierungen und der Gründung der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden 1993 entschied sich Wolfgang Schwab zu einer wissenschaftlichen Neuausrichtung und wurde 1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anatomie der TU Dresden. Er hat sich sehr schnell an seiner neuen Wirkungsstätte eingearbeitet und bald im vollen Umfang den anatomischen Unterricht in Vorlesung und allen Kursen übernommen. Trotz der üblichen hohen Lehrbelastung hat er in der Anatomie neue wissenschaftliche Fragestellungen bearbeitet und schwerpunktmäßig sich mit der Zahnentwicklung und insbesondere der Histologie, Zell- und Molekularbiologie des normalen und osteoarthrotischen Knorpels befasst.

Die Beschäftigung mit der Biologie von Knorpelzellen führte zur Habilitation im Jahre 2006 an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Er hat dazu eine umfangreiche Schrift mit dem Titel „Struktur, Funktion und pathologische Aspekte des Chondrozyten und Gelenkknorpels“ eingereicht. Wolfgang Schwab hat sich in den letzten Jahren sehr in der klinisch-anatomischen Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Zahnärzten engagiert, insbesondere auch in Kursen für zahnärztliche Implantologen. Er hat vermehrt daraus resultierende Fragestellungen aus klinischer Sicht mit makroskopischen und histologischen Methoden bearbeitet und zahlreiche neue, klinisch relevante Befunde am Menschen, z.B. zur nervösen Versorgung im Kieferbereich, vorgelegt.

Zusammenarbeit mit der DGZI

Wolfgang Schwab unterstützte die DGZI seit 1999 bei der Durchführung der Anatomiekurse. Ihm und seinen Mitarbeitern ist es zu verdanken, dass die Anatomiekurse mit praktischen Übungen am Humanpräparat an der medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, sich großer Beliebtheit erfreuen und schon weit im Voraus ausgebucht sind. Des Weiteren war Wolfgang Schwab an der Erarbeitung eines umfangreichen Skriptes beteiligt, welches die Grundlage des Curriculums Anatomie bildet und auch in den kommenden Jahren von den Studierenden als Unterrichtsvorlage fleißig genutzt werden wird.

Seine Persönlichkeit

Wolfgang Schwab war in seiner Art ruhig und überlegt, dabei aber immer hilfsbereit, warmherzig und freundlich, als akademischer Lehrer leidenschaftlich und tiefgündig, der komplexe Sachverhalte geduldig erklären konnte. Er hatte einen hintergründigen Humor, den er auch in seinen Vorlesungen in Form zahlreicher Bonmots mit einem gewissen „sächsischen Charme“ einfließen ließ. Trotz Familie, akademischer Verpflichtungen und Forschung fand er noch Zeit für vielfältige kulturelle und historische Interessen sowie Reisen, vor allem in den Alpenraum. Er hat sich sehr für Verkehrsgeschichte interessiert und war ehrenamtlich für den Erhalt sächsischer Schmalspurbahnen engagiert.

Seine letzten Lebensjahre waren von einer chronischen Erkrankung überschattet, die ihn gelegentlich zum Kürzertreten zwang, die er aber mit Lebensmut und Optimismus anging. Schließlich hat er den Kampf aber doch verloren. Wolfgang Schwab hinterlässt eine Frau und drei Söhne.

Seine ehemaligen Studierenden, seine Mitarbeiter und wissenschaftlichen Kollegen werden ihn wegen seines beispielhaften Engagements in der Lehre und wegen seiner prägenden Persönlichkeit immer in dankbarer Erinnerung behalten. Sein über Jahre aufgebautes Curriculum für Zahnmediziner wird in seinem Sinne weitergeführt.

Prof. Dr. Werner Götz
Prof. Dr. Michael Kasper
Dr. Ute Nimtschke

Foto: © Autoren
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