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Branchenmeldungen 01.03.2015

„Buntes Kochbuch“ zeigte Vielschichtigkeit lingualer KFO

„Buntes Kochbuch“ zeigte Vielschichtigkeit lingualer KFO

ZÄ Tatjana Bergmann und Dr. med. dent. Nicolaus Koch berichten über die 9. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie (DGLO) 2015 in Berlin.

Bereits zum 9. Mal versammelten sich am 16. und 17. Januar 2015 nationale sowie internationale Kieferorthopäden zur diesjährigen DGLO-Tagung in Berlin. Unter dem Motto „Das bunte Kochbuch der lingualen Kieferorthopädie“ organisierten Tagungspräsident Woo-Ttum Bittner und seine Frau Sylke Bittner in den exklusiven Räumlichkeiten des Adlon Hotels ein hochkarätiges Programm, bei dem renommierte Referenten aus insgesamt vier Kontinenten die Vielschichtigkeit der lingualen Kieferorthopädie vorstellten. Erstmalig seit Bestehen der DGLO fand unter großem Andrang parallel zum Kongress auch ein Lingualtechnikkurs für Helferinnen statt. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski glänzten beim theoretischen Teil Referenten wie Dr. Jens Bock und Dr. Ralf Müller-Hartwich mit wissenschaftlichen Beiträgen über das für so manche zahnmedizinische Fachangestellte neue Fachgebiet. Am Samstag wurden die erworbenen Kenntnisse angewendet und in einem umfangreichen praktischen Teil u.a. der Umgang mit verschiedenen intraoralen Scannern und lingualen Bracketsystemen geübt.

Der Vorkongresskurs beeindruckte mit Prof. Dr. Benedict Wilmes’ Vortrag über skelettale Verankerungen und die optimale Kopplung zur lingualen sowie labialen Apparatur. Er bot eine klinische Sicht auf diverse Verankerungsmöglichkeiten und ermutigte u.a. durch eine Live-Insertion eines Gaumenimplantates die anwesenden Kieferorthopäden dazu, mehr Verankerungsschrauben in der eigenen Praxis anzuwenden. Nach der Eröffnung des Kongresses durch den Kongresspräsidenten Bittner und den 1. Vorsitzenden Dr. Esfandiar Modjahedpour gab Prof. Dr. Christoph Bourauel eine Übersicht über die Kraftsysteme in der Kieferorthopädie. Das Fazit der Präsentation war, dass das exakte Dosieren von Kräften sowohl bei lingualen und labialen festen Spangen als auch bei Alignern schwierig sei.

Dass die Digitalisierung im Praxisalltag der Kieferorthopäden immer mehr an Bedeutung gewinnt, machte Dr. Esfandiar Modjahedpour bei seinem Vortrag deutlich. Durch den Einsatz der CAD/CAM-Software können Behandlungskomfort und Präzision maximiert werden. Dabei werden eine inividuelle Bracketbasis mit individuellem Bracketbody vereint und Produktionsabläufe mit digitalen Set-ups optimiert. Abgerundet wurde der Eröffnungstag vom abendlichen Round Table, der im KaDeWe stattfand. Getreu des diesjährigen DGLO-Mottos, konnten sich die Teilnehmer nach Ladenschluss durch das bunte kulinarische Angebot der Feinkostabteilung probieren und sich bei Jazzmusik über die anregenden Vorträge austauschen. Am zweitenTag stand ein wahrer Vortragsmarathon auf dem Programm. Insgesamt waren hier 23 Referenten geladen und boten Einblicke in verschiedene und interessante Themenbereiche. Zu Beginn des Tages stellte Dr. Pascal Schumacher in einem sehr gelungenen Vortrag einen CAD/CAM-gefertigten Retainer aus Nitinol vor. Dieser liegt den Zähnen exakt an und ermöglicht dadurch sehr flache Klebestellen. Zusätzlich wartet dieser Retainer mit filigranen Dimensionen (.014'' x .014'') auf und bietet dem Patienten einen besonders hohen Tragekomfort.

In einer ausgezeichneten Präsentation stellte Gastgeber Woo-Ttum Bittner eine Möglichkeit zur deutlichen Verkürzung der Behandlungszeit bei der lingualen Therapie vor. Dabei wird das häufig sehr zeitintensive Finishing nach dem Debonding mit im Eigenlabor hergestellten Set-up-Schienen und Positionern durchgeführt. So konnte die durchschnittliche Behandlungszeit bei seinen Behandlungen um rund fünf Monate verkürzt werden. Um verkürzte Behandlungszeiten drehte sich auch der interessante und informative Vortrag von Prof. Dr. Dr. Ralf Radlanski. Er bot auf molekularer Ebene neue Einblicke in die Möglichkeiten der Zahnbewegungsbeschleunigung. Professor Radlanski stellte sowohl neue theoretische Ansätze, wie die Wirkungen von pharmakologische Substanzen und Magnetfeldern, als auch bereits klinisch erprobte und wissenschaftlich zum Teil belegte Verfahren vor, wie die Piezochirurgie und AcceleDent.

Die klinische Seite der Piezochirurgie wurde sehr anschaulich von Dr. Daniel Pagel vorgestellt. In seiner sehenswerten Präsentation stellte er das Operationsprotokoll des neuen minimalinvasiven Verfahrens vor. Anstelle einer Präparation eines Schleimhautlappens, wird nur noch interdental ein kleiner Schnitt mit dem Skalpell gesetzt. Anschließend wird mit der Piezosäge ca. 3 mm in den Knochen gesägt, nach nur einer Woche sind die Inzisionen kaum noch zu erkennen. Durch die Kortikotomie wird die Umbauaktivität des Knochens erhöht und die Behandlungszeit bis zu 50 % verkürzt. Die Gefahr einer Verletzung der Wurzeln kann durch eine genaue Operationsplanung mittels DVT nahezu ausgeschlossen werden.

In einem der letzten Vorträge dieses lehrreichen und interessanten Tages verkündete einer der wohl bekanntesten deutschen Kieferorthopäden, Dr. Björn Ludwig, seinen „Rücktritt“ vom Podium. Für seine innovativen und mitreißenden Vorträge und Seminare der letzten Jahre erntete er donnernden Applaus. Zuvor ermutigte er in seinem Vortrag dazu, den Fokus mehr auf das ästhetische Gesamtbild des Ergebnisses zu legen. Hierzu stellte Dr. Ludwig Patienten vor, bei denen nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung nicht nur Frontzähne mit Kunststoff verschönert wurden, sondern auch der perfekte Verlauf der Gingiva mittels Gingivektomie erzielt wurde, oder das optimale Lippenprofil mithilfe von Botox erreicht werden konnte. Zum Abschluss präsentierten die maßgeblich an der Entwicklung der lingualen Kieferorthopädie beteiligten Prof. Dr. Kyoto Takemoto und Prof. Dr. Guiseppe Scuzzo ein neues linguales Straight-Wire-System namens ALIAS vor. Die auffallendste Neuerung ist neben der Straight-Wire-Technik der .018'' x .018'' Slot, der u.a. eine bessere Rotationskontrolle erreichen soll. Hierzu wurde ein neues, passiv selbstligierendes Bracket entwickelt. Das Set-up kann sowohl per Hand, also auch digital erstellt werden. Professor Takemoto kann nach 10.000 abgeschlossenen Lingualfällen mit Sicherheit behaupten, über umfassende Erfahrung in diesem Feld zu verfügen. Und wir dürfen gespannt sein, ob das Straight-Wire-System in Zukunft auch die Lingualtherapie revolutionieren wird. Beim abschließenden Galadinner im Meistersaal bekamen die Professoren Takemoto und Scuzzo für ihre exzellent behandelten Fälle und ihren neuen Ansatz der lingualen Straight-Wire-Apparatur vom Präsidium den Tagungsbestpreis überreicht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der rundum gelungene Kongress einen umfassenden Einblick in die modernsten kieferorthopädischen Behandlungsmethoden geboten hat und dadurch bereits jetzt Vorfreude auf das nächste Zusammenkommen dieses blühenden Fachbereichs (2016 in Baden-Baden) aufkommen lässt.

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