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Branchenmeldungen 30.07.2012

„CMD interdisziplinär betrachten"

„CMD interdisziplinär betrachten"

Mit dem GBO / German Board of Orthodontics and Orofacial Orthopedics hat sich eine Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis in der Kieferorthopädie etabliert, die nicht nur in Deutschland eindrucksvolle Erfolge feiert, sondern auch weltweit hoch angesehen ist: „Die Probleme der Fachzahnärzte für Kieferorthopädie sind in allen Ländern, die ebenfalls nationale Boards etabliert haben, sehr ähnlich“, sagt Dr. Gundi Mindermann/Bremervörde, Vorsitzende des GBO, „bei allen Organisationen im Zentrum stehen die Qualitätsförderung und -sicherung. Dazu trägt auch das German Board mit hochwertiger Fortbildung bei, nicht zuletzt mit dem Jahreskongress, der die Errungenschaften der Wissenschaft in die Praxis trägt und die Erfahrungen der Praxis mit den wissenschaftlichen Empfehlungen widerspiegelt.“ Die enge Verknüpfung von Praxis und Wissenschaft diene in erster Linie der Weiterentwicklung der qualitätsorientierten Behandlung der Patienten.

Dr. Mindermann: „Schon vor Gründung des Boards gab es diese Kooperation von Praxis und Wissenschaft, wenn auch eher punktuell. Heute bildet die Offenheit der Universitäten und das in den Praxen gelebte hohe Behandlungsniveau die Basis einer für alle Beteiligten Gewinn bringenden Zusammenarbeit.“ Der hohe Anspruch, den Dr. Mindermann und Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke/Hamburg als 2. Vorsitzende an die Leistungen des GBO stellen, hat dazu geführt, dass das German Board die Bedingungen der internationalen Anerkennung durch die World Federation of Orthodontics  (WFO) erfüllt.
Die Themen der GBO-Jahreskongresse, die zunehmend interdisziplinär ausgerichtet sind, widmen sich jeweils einem fachlichen Fokus und finden deutlich mehr Zuspruch als der etablierte Veranstaltungsort zulässt. Professor Kahl-Nieke: „Wir hören immer wieder, dass wir diesen besonderen intimen Charakter unserer Veranstaltung nicht aufgeben sollen - wir können deshalb allen Interessierten nur raten, sich für die Jahreskongresse so früh wie möglich anzumelden. Deshalb weisen wir bereits jetzt auf den 18. Jahrskongress hin – vom 18. bis 20. April 2013.“ Auch diesmal wird wieder ein Vorkongress in einen Teilaspekt vertiefend einführen.
 
Thema CMD interdisziplinär: Anmelderekord

Hatten bereits in früheren Jahren die räumlichen Möglichkeiten am traditionellen Tagungsort „Hotel Königshof“/Bonn die Teilnehmerzahlen beschränkt, mussten in diesem Jahr erstmals zahlreiche Absagen verschickt werden: Trotz der gänzlich ausgereizten Kapazitäten war mit 220 Teilnehmern das Potential bereits früh maximal erschöpft. „Der Zuspruch, den dieser Kongress erlebt hat, ist geradezu überwältigend“, sagte Dr. Mindermann in ihren Eröffnungsworten. „Das Thema Funktion ist ein zentraler Punkt in unserer Praxis – wir greifen in Abläufe ein mit langfristigem Einfluss. Der Kongress leistet daher interdisziplinär untermauerte Hilfestellung auch für solche Situationen, die über den Praxisalltag hinausgehen und spezielle Expertise benötigen.“ Zusammengestellt wurde das überaus spannende Programm von Kieferorthopädie über Funktionstherapie, Okklusion, Chirurgie, Neurologie, Physiotherapie bis zur Rehabilitationsmedizin von Tagungspräsidentin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner, die viel Beifall für dieses interdisziplinäre Konzept erhielt.
 
„Okklusion als einziger Faktor für CMD scheidet aus“

Einen grundlegenden Einstieg lieferte Dr. Bernd Zimmer/Kassel mit einem Rückblick auf die Historie der CMD und einem Überblick über die Fachliteratur. Vieles habe sich mit der Einführung und Nutzung neuer bildgebender Verfahren verändert: „Seit etwa dem Jahr 2000 sind wir beim ‚ganzen Menschen’ angekommen.“ Eine Selektion anspruchsvoller Studien belege: „Okklusion als einziger oder dominanter Faktor für CMD scheidet aus.“ Heute gehe man nicht mehr vom okklusal-mechanischen Modell aus, sondern von biopsychosozialem und geschlechtsspezifischem Denken. In Weiterführung seines Themas beim völlig überbelegten Vorkongress berichtete PD Dr. M. Oliver Ahlers/Hamburg über „Funktionstherapie vor, während und nach Kieferorthopädie“. Funktionstherapie heute bedeute Abschied vom einem Dogma: „Kurz untersuchen, Schiene – und ab in die Restauration: Das war mal.“ Mittlerweile baue sich das Verfahren anders auf, dabei spielten manuelle Strukturanalyse und klinische Funktionsanalyse oft eine Starterrolle. Hierbei leistet spezialisierte Physiotherapie eine hilfreiche Rolle, wie Therapeutin Martina Sanders vom CMD-Zentrum/Hamburg deutlich machte, aber auch klarstellte: „Wir Physiotherapeuten können ohne Schienentherapie nicht viel erreichen.“ Es sei Aufgabe ihres Fachgebietes, das aus dem Ruder gelaufene System in ein koordiniertes zu bringen. Wir müssen die muskulären Dysbalancen, die sich aus der CMD ergeben, beseitigen.“ „Das Einschleifen ist eher selten ein Fortbildungsthema“, sagte Prof. Dr. Ulrich Lotzmann, Marburg, „und leider nicht, weil alle das so gut können...“ In seinem Vortrag zum „selektiven Einschleifen der Okklusion“ bezog er klar Position: „Entweder richtig – oder man lässt es. Ein ‚bisschen Einschleifen’ kann schlafende CMD-Hunde wecken.“ Störkontakte müssten in jedem Fall beseitigt werden – durch Einschleifen oder den Aufbau eines neuen Kontaktes in einem anderen Bereich des Kiefers.
 
Kiefergelenk als Trigger statt Auslöser von Schmerz

Indikationen „zur operativen Therapie des Kiefergelenks aus heutiger Sicht“ stellte Prof. Dr. Dr. Rudolf H. Reich/Bonn, vor: „Bei einer Myoparthie sind chirurgische Verfahren nicht der richtige Weg, bei Arthropathien dagegen manchmal schon.“ Schmerz in Ruhe weise eher auf Rheuma oder Myoparthie hin, Schmerz in Funktion, zumal einseitig, eher auf eine Arthropathie. Spannendes zum Thema „Kopf- und Gesichtsschmerzen aus neurologischer Sicht“ ergänzte Prof. Dr. Hartmut Göbel/Kopfschmerzzentrum/Kiel. Er berichtete über einen sehr hohen Zusammenhang von Kopfschmerzen und CMD. Der „Eingriff in den Schmerz an einer Stelle“ bedeute allerdings nicht, dass er nicht an anderen Stellen weiterlaufe: Das Kiefergelenk müsse nicht Auslöser, sondern könne auch Trigger sein. Prof. Dr. Matthias Fink/Hannover verwies in seinem Beitrag zu therapeutischen Strategien aus dem Blickwinkel der Rehabilitationsmedizin auf eine gestörte Schmerzverarbeitung aufgrund gestörter Schlaf-Wach-Phasen sowie des Herzrhythmus: „Der Mensch steht dann ständig unter Sympathikus-Stress!“ Er warnte vor rein lokalem Vorgehen: „Vorsicht, dann fokussieren Patienten alles auf diesen einen Punkt!“ Die Möglichkeiten der „Kieferorthopädie bei Patienten mit CMD“ beleuchtete Dr. Michael Sostmann/Hannover und erhielt für seinen Vortrag Sonderbeifall. Die Unterkieferposition, so ein Aspekt aus der Fülle seiner Beispiele, habe deutlichen Einfluss auf verschiedenste funktionelle Beschwerden – schon die Verbesserung der Lage könne eine Optimierung der muskulären Funktion erreichen. Generell seien Schienen oft „eine schnelle Starthilfe bei der Lösung einer CMD-Problematik“ – je nach Situation begleitet von kieferorthopädischem Vorgehen.
 
Anmeldungen für 2013 laufen bereits: „Trauma“

Der 18. GBO-Jahreskongress 2013 vom 18. bis 20. April 2013 widmet sich dem Thema „Alles rund ums Trauma“. Informationen zu Programm und Referenten finden sich ab Ende 2012 unter www.german-board.de. Vormerkungen nimmt die Geschäftsstelle entgegen unter info@german-board.de

Foto: Foto: GBO
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