Anzeige
Branchenmeldungen 21.06.2018

EuroPerio9: Das saubere Implantat – ein Mythos?

Georg Isbaner
E-Mail:
EuroPerio9: Das saubere Implantat – ein Mythos?

Die Clean Implant Foundation hat sich der systematischen und wissenschaftlichen Untersuchung von Implantatkörpern im Hinblick auf deren Oberflächenreinheit verschrieben. Dr. Dirk U. Duddeck und seine Kollegen machten auf der EuroPerio9 die Notwendigkeit dieser Untersuchungen deutlich.

„Der Markt verliert die Kontrolle über die Reinheit von Implantatkörpern“, eröffnete Dr. Dirk U. Duddeck die Session der Clean Implant Foundation im Rahmen der EuroPerio9 in Amsterdam. „1 von 10 Implantaten weist systematische Verunreinigungen an der Oberfläche auf, die unter anderem auf Verpackungsrückstände zurückzuführen sind“, führte Dr. Duddeck weiter aus. Weder die CE- noch die FDA-Freigaben seien ein verlässlicher Indikator für die Reinheit der Produkte, so Duddeck weiter. Mittels Rasterelektronenmikroskopen untersuchten Duddeck et al. seit einigen Jahren über 50 verschiedene Implantatsysteme. Es zeigte sich, dass sowohl hochreine Systeme am Markt zur Verfügung stehen, aber eben auch extrem verunreinigte Implantatsysteme. Zu den Verunreinigungen gehören organische und nichtorganische Rückstände wie Kupfer, Eisen, Nickel etc.

Sein Kollege Dr. Amit Patel, GB, ging auf die Auswirkungen im klinischen Alltag ein: Sowohl das Hart- als auch das Weichgewebe können von verunreinigten Implantatkörpern oder Einheilkappen beeinträchtigt werden. Dass damit auch die Langzeitstabilität der implantatgestützten Versorgung aufs Spiel gesetzt wird, sei eine logische Schlussfolgerung aus den Untersuchungen der vergangenen Jahrzehnte.

Dr. Tobias Witte, Medizinrechtsanwalt, ging auf die rechtlichen Aspekte einerseits für die Behandler und andererseits für die Hersteller selbst ein. In der Tat haben Patienten im Rahmen der Produktgarantie die Möglichkeit, beide Parteien rechtlich in die Pflicht zu nehmen, wenn produktbasierte Mängel oder Defekte nachweisbar sind. Witte wies u.a. darauf hin, dass eine Verunreinigung einen Defekt darstellt.

Die Clean Implant Foundation hat es sich zur Aufgabe gemacht, die klinischen und rechtlichen Herausforderungen, die mit verunreinigten Implantatkörpern in Zusammenhang stehen, herauszuarbeiten. Zum einen solle das Bewusstsein für dieses Thema bei den Herstellern und Behandlern geschärft werden. Zum anderen sollen konkrete Lösungsansätze zur Vermeidung von Verunreinigungen erarbeitet werden.

Foto: OEMUS MEDIA AG
Mehr
Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige