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Branchenmeldungen 12.01.2016

Dental Arctic Tour: Geschichten für die Ewigkeit

Dental Arctic Tour: Geschichten für die Ewigkeit

Irgendwann im vergangenen Jahr lasen oder hörten die nun an der Dental Arctic Tour teilnehmenden Kollegen den Satz „Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen ...“ und dazu Begriffe wie Arctic, Teambildung, Durchhaltevermögen, Fortbildungsveranstaltung etc. Die erste Neugier war geweckt. Wie passt das alles zusammen?

Die Idee zur Dental Arctic Tour fand 2013 ihren Anfang. In diesem Jahr gab es ebenfalls den Auftritt der Psychologiestudentin Julia Engelmann beim 5. Bielefelder Hörsaalslam mit ihrem „One Day/Reckoning Text“. Der Satz „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein ...“ gab Bob Grutters, dem Initiator und Organisator der Dental Arctic, die Anregung zu eben dem Motto: „Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen ...!“

Ich muss zugeben, dass ich mir zu Beginn der Reise darüber noch keine Gedanken gemacht hatte. Dennoch, in den letzten Stunden vor dem Start stieg die innere Anspannung. Hoffentlich hat man nichts vergessen, denn man fährt in eine Gegend, die Fehler, welche hier in unserem dicht besiedelten Deutschland nicht ins Gewicht fallen würden, möglicherweise folgenschwer bestraft werden.

Und dann ging es endlich los: fahren, Koordinaten erhalten, fahren und fahren. Die erste lange Nacht, ohne richtig zu wissen, wohin. Jedes Mal, wenn man denkt, man ist am Ziel und kann endlich schlafen, gibt es von Maria im Backoffice neue Koordinaten. Manchmal müssen diese sogar durch Rätsel oder Suchspiele erkämpft werden. Disziplin und Durchhaltevermögen sind gefragt. Kälte und Müdigkeit wollen die Oberhand bekommen. Wie ergeht es wohl den anderen?
Freude und Erleichterung, wenn man sich an einem Zwischenstopp oder abends im Hotel sieht. Man merkt, dass alle die gleichen Probleme, Sorgen, aber auch schönen Eindrücke haben. Man beobachtet sich, aber auch die anderen. War der erste Eindruck von meinem Gegenüber richtig oder stelle ich während der Belastungsproben ganz andere Charakterzüge fest. Natürlich sind gerade Zahnärzte Individualisten im Beruf und oft auch im Privaten.

Während der Tour wird mir von Tag zu Tag mehr und mehr bewusst, dass die Tour, das Fortbildungsprogramm und wir alle zusammen, ohne es geplant zu haben, bereits unbewusst begonnen haben, eine Einheit, ein Team zu bilden. Die außergewöhnlichen Belastungen, weitab von unserer gewohnten Praxis, führten uns die Wichtigkeit unserer sozialen Kontakte und die Kommunikation in der Gruppe vor Augen. Fast wie in einem Experiment kann man verschiedene Charaktere beobachten. Jeder Tourteilnehmer spürt in der Gruppe ein wachsendes Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kameradschaft wächst. Manchmal ist ein Team über Stunden alleine und durchquert ein fremdes Land bei Nacht sowie eisglatte Straßen mit Schneewehen. Aber jeden Tag mehr wächst auch die Kommunikation zwischen den eigentlich rivalisierenden Teams, denn es geht ja am Ende um den Sieg, d.h. die kürzeste Fahrstrecke bei ortsüblicher Reisegeschwindigkeit und kürzester Gesamtzeit zu erreichen. Es werden in der eigens gegründeten WhatsApp-Gruppe die anderen Kollegen auf Gefahren aufmerksam gemacht, aber auch die schönen Erlebnisse mit Fotos geteilt.

Ohne dass es uns vorher bewusst war, kommen wir vom Ich zum Wir. Wir werden von den anderen gespiegelt und manchmal auch auf den Boden zurückgeholt. Hier ist keine einfache Reisegruppe unterwegs, sondern Kollegen, die bereit für Veränderung und Neues sind.

Etappe 2

Montagmorgen in Trondheim: Frühstücken und ab zum Auto. Die Scheiben dick zugefroren. Erleichterung, wenn der Motor nach einigem Krächzen doch anspringt. Erst 10 Uhr ist Start. Der Schlaf tat gut – ich spüre die Regeneration. Eine christliche Zeit – geht doch. „Sag mal, warum mach ich dies eigentlich?“ Autoabenteuer hin oder her. Heute wieder den ganzen Tag im Auto verbringen. Aber schon ein ganzes Stück der Stecke geschafft. Das Zeitgefühl wird bereits verzerrt: „Würde man nicht wissen, dass wir noch keine zwei Tage unterwegs sind und doch schon so weit weg von zu Hause … Was würde wohl passieren, wenn es jetzt anfangen würde, mehr zu schneien … Dann kommt der Bob ins Schwitzen und wir viel zu spät zum nächsten Treffpunkt. Egal, no risk no fun!“

Abends erreichen wir die nächste Zielstadt und endlich ein Hotel. Straßen und Plätze sind derart mit einer Eisschicht überzogen, dass das Laufen noch schwieriger als das Autofahren wird. Nun kommt die Routine: Einchecken, duschen, gemeinsam zu Abend essen und dann wie immer geschlossen zur Weiterbildung. Was will uns Kollege Dr. Clemen Esser heute sagen? Sein Thema lautet „Hypnotische Kommunikation und wie sie beim Umgang mit Angstpatienten hilft“.

Erfolgreicher Umgang mit Angstpatienten und wie die hypnotische Kommunikation wirksam beim Umgang mit Angstpatienten hilft. Angstpatienten sind für jeden Zahnarzt eine Herausforderung. Diese Patienten bedeuten oftmals Stress für den Behandler. Eine Terminabsage aufgrund von Ängsten ist ein alltägliches Erleben in der zahnärztlichen Praxis. Dies bedeutet neben einer erhöhten Belastung einen wirtschaftlichen Verlust. Dr. Clemens Esser aus Pfalzdorf stellte sein Konzept für einen einfachen und erfolgreichen Umgang mit diesen Patienten in fünf Schritten vor. Um Angstpatienten besser zu erkennen, sollte jeder Zahnarzt im Anamnesebogen eine Abfrage zur Stärke der Angst haben. Der Zahnarzt kann sich auf den Patienten besser einstellen und der Patient fühlt sich schon beim Ausfüllen des Anamnesebogens besser verstanden. Wesentlicher erster Baustein ist, die Angst anzusprechen. Häufig fußt die Angst auf negativen Behandlungserfahrungen in der Vergangenheit. Zu verdeutlichen, dass diese Erfahrungen in der Vergangenheit gewesen sind, eröffnet Möglichkeiten, dass dies zukünftig anders sein kann. Das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle kann dem Patienten durch Fragen vermittelt werden, die ihm Wahlmöglichkeiten bieten. Eine positive Sprache ist wesentlich im Umgang mit Angstpatienten. Der Satz „Du musst keine Angst haben, es tut nur ganz kurz weh und dann wirkt die Spritze ja schon“ ist nicht beruhigend, sondern verstärkt nur die Angst. Alternative positive Formulierungen: „Sie können sich entspannen und bei uns wohlfühlen.“ Der Zahnarzt sollte sich einen Vorrat an positiven Formulierungen zulegen. Der letzte Punkt im Konzept der hypnotischen Kommunikation ist der Körperkontakt zum Patienten. Das Einverständnis vorausgesetzt, ist es für jeden Menschen wichtig, Körperkontakt zu erfahren und zu erleben, nicht allein zu sein. Dies gilt insbesondere für schwierige Situationen. Für den Angstpatienten ist jede Behandlung schwierig.

Wieder ist es ein erfolgreicher Tag für uns gewesen. Wir haben die Tour gut gemeistert und lernen für unsere Behandlung und uns selbst wieder etwas dazu. Was kann es noch Schöneres geben? Lasst uns das heute Abend noch in Horst Webers Zimmer feiern. Der Raum ist voll, wer keinen Stuhl findet, nutzt Bett oder Fußboden zum Sitzen. Eine Party steigt wie zu Studentenzeiten. Wir spüren das Leben, wir entwickeln uns, wir sind dankbar.

mehr Informationen unter dentalarctic.de

Foto: © BoB
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