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Branchenmeldungen 08.03.2011

Diagnostik in der Zahnmedizin

Diagnostik in der Zahnmedizin

Wie diagnostizieren? Namhafte Referenten nehmen Stellung.

Von der Bürstenbiopsie bis zu bildgebenden Verfahren. Die neuesten Methoden aus verschiedenen Fachgebieten wurden vorgestellt. Dirk Rüdiger Arnold, Zahnarzt aus Luzern, berichtet.

Chairman PD Dr. Andreas Bindl eröffnete das Symposium der Fortbildung Rosenberg am 28./29. Januar im Hotel Marriott Zürich. Über 350 Zuhörer waren gekommen, um sich über diagnostische Verfahren zu informieren. Und sie wurden nicht enttäuscht: 16 Referenten aus Universität und Praxis gaben ihr Wissen weiter. Eine grosse Dentalausstellung ergänzte die Veranstaltung.


Dokumentieren oder verlieren?

Dr. Dr. Heinz-Theo Lübbers, ZZM Zürich, beschrieb die zunehmende Dokumentationspflicht in den Zahnarztpraxen. Jeder Zahnarzt sollte in seinem eigenen Interesse die rechtliche Absicherung gegenüber Kläger und Gutachter wie auch Richter ernst nehmen. Die Aufklärungspflicht des Patienten steht dabei immer im Vordergrund. So sei ein allgemeiner Aufklärungsbogen dienlich. Juristisch relevant ist er jedoch nur individualisiert und patientenbezogen, verifiziert in einem gemeinsamen Gespräch mit Datum vermerkt von beiden Parteien unterzeichnet. Die spezifische Patientenanamnese muss im Bogen herauslesbar sein.

Inhalte der Patientendoku sind:

Untersuchungen, Aufklärungsgespräche, Röntgenunterlagen, Fotos, Modelle, Schienen zur Implantation, sowie Korrespondenzen und Berichte. Die Vorteile, wie eine bessere und längerfristige Patientenbehandlung durch Recallvermerke, die Beweiskraft für Abrechnungen, Nachweis einer Funktions-Untersuchung und auch eine Doku über den Schriftverkehr mit Versicherungen, liegen auf der Hand. Bei Röntgenbildern besteht eine 10- jährige Aufbewahrungspflicht, die nach der Herausgabe des Originals an den Patienten entfällt.

Bei Gutachten stellt sich immer wieder die Frage, wurde der Patient überhaupt aufgeklärt, über sein spezifisches Krankheitsbild informiert? Lassen Sie alle Dokumente immer vom Patienten unterschrieben, vor allem, wenn er wider ärztlichen Rates und Empfehlung handeln will. Die Folge einer unzureichenden Doku vor Gericht ist die Beweislastumkehr zu Gunsten des Klägers. Während eines Aufklärungsgespräches sollte immer ein zweites Teammitglied anwesend sein. Und: archivieren Sie die Modelle des Patienten.

Nichtkariöse Zahnhartsubstanzdefekte

Dr. Carola Imfeld ZZM Zürich, stellte die Diagnose nichtkariöser Zahnhartsubstanzdefekte vor. Bis eine endgültige Diagnose erstellt ist, braucht es manchmal Detektivarbeit. Abgeklärt werden muss: handelt es sich um eine Abrasion, eine Demastikation, eine Attrition, eine Abfraktion oder um eine Erosion? Sogenannte Badewannendefekte bei Erosionen, werden in intrinsische oder extrinsische unterschieden.

Ein Wiedererkennungsmerkmal bei der Permolysis ist ein typisches Verteilungsmuster an den Zähnen. Ein Ernährungsprotokoll und Hinweise des Stains erlauben Rückschlüsse.
Ausserdem betonte Sie, dass elektrische Zahnbürsten besser reinigen als Handzahnbürsten. Studien belegen aber auch einen negativ zu bewertenden höheren Hartsubstanzabrieb. Vor allem gilt es den RDA-Wert der Zahnpasta zu beachten. Bei der Handzahnbürste ist das Besteckungsdesign hinsichtlich der Abrasivität von grosser Bedeutung.

Schmerzen sorgfältig abklären

Diagnostische Möglichkeiten bei Okklusions- und Funktionsstörungen erläuterte Prof. Dr. Jens Türp von der Uni Basel. Sein Motto: Der Profi beobachtet eine Zeitspanne länger um das Problem anzugehen. Wichtig ist es den Patient entspannt zu interviewen, am besten an einem normalen Tisch und nicht im Behandlungsstuhlszenario, da die Patientengeschichte bereits bis zu 80% der späteren Diagnose enthält.Anhand des von Prof. Türp entwickelten Schmerzfragebogens kann Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Zeit, Dauer und Qualität des Patientengespräches ist daher ausschlaggebend. Die Wahl einer deeskalierenden Sprache des Psychodonten ist für den Patienten angenehmer zu verstehen. Somit lässt sich die Kiefergelenk-Arthrose in eine knöcherne Anpassung an veränderte Belastungen umschreiben. Bei der klinischen Untersuchung sei die UK Beweglichkeit; Palpation der Kaumuskulatur und der KG sowie die okklusale Befundung, ein Grundsatz. Die lineare Erfassung per Lineal ist enorm wichtig um die Anfangssituation der maximalen Mundöffnung zu dokumentieren.An der UZM Basel bietet Prof. Dr. Jens Türp spezielle Sprechstunden für die Behandlung von Myoarthropathien an.

Endo-Paro-Läsionen befunden

Prof. Dr. Roland Weiger, UZM Basel, berichtete über moderne diagnostische Hilfsmittel in der Endodontie, die bis dato auf thermische und elektrische, die sogenannte Testkavität, aufbauen. Es gibt eine Laser Doppler Pulpa Durchflussmessung und eine Pulsoxymetrie bei der Vitalitätsprobe. Wichtig vor einer Revision ist die exzentrische Kleinröntgenfilmaufnahme um die Anzahl der Kanäle zu verifizieren. Weiterhin sind die Kälteprobe und die Parosonde, welche nähmaschinenartig zum Einsatz kommt, eine nicht zu ersetzende Diagnosemethode, um Endo-Paro-Läsionen zu befunden.
Mit einer DVT Aufnahme lassen sich osteoklastische Veränderungen früher erkennen.

Dr. Dr. Heinz-Theo Lübbers, ZZM Zürich, sprach über digitale und konventionelle Röntgentechnik und erläuterte u.a.: Das konventionelle Rx Bild mit der Folie im Chemiebad angefertigt; die eingescannte Speicherfolie und die Chiparchivierung der digitalen Infos.

Die nach Zeitmuster wiederkehrenden Schmerzbilder waren das Thema von Dr. Dominik Ettlin, ZZM Zürich. Das Erstgespräch mit dem Schmerzpatient und gezielte Fragen sind enorm wichtig. Für den Referenten ist wichtig zu erfahren, wann der Patient keine Schmerzen hat. Qualität und Zeitverlauf zu beschreiben, ist die für die Schmerzanalyse unabdingbar.

Per Videoanalyse zeigte er verschiedene Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern:
Eine Trigeminus Neuralgie bei zahnlosen älteren Patienten, einen Kleinhirn – Brückenwinkel- Tumor, Migräne sowie Cluster Kopfschmerz. Durch Einteilungen in verschiedene ICHD-II Kriterien bei Migräne kann ein schmerzender Zahn, durchaus eine sogenannte Schmerzprojektion darstellen und kann daher nicht als Schmerzursache angesehen werden.

Möglichkeiten in der KFO

PD Dr. Dr. odont. Marc Schätzle, ZZM Zürich, wurde zu Beginn seines Vortrages zu seinem Privatdozenten Titel gratuliert. Sein Thema: Moderne Diagnostikmöglichkeiten in der Kieferorthopädie. Das konventionelle Situationsmodell bleibt für den Referenten aus praktischen Gründen nach wie vor unverzichtbar. Auch die Diskussion mit Kollegen anhand eines Modells sei wichtig, um gezielte Diagnosen zu stellen.

Dr. Schätzle referierte über die typische Gesichtsmittellinienverschiebung und die Wahrnehmung durch den Patient. Diese betrifft ebenso die Modellanalyse über Platzmangel, intermaxilläre Relation, Bolton Diskrepanz und ästhetische Gesichtspunkte. Beim Stripping sei es möglich (Fillion et al. 1995) im OK 10,2 mm und im UK 8,6 mm Zahnmaterial dem Platzangebot anzupassen. In Bezug auf die Strahlenbelastung der DVT - Geräte zitierte der Referent eine Studie (Menzel, Gebauer et al. 2009). Diese besagt, dass Patienten, welche in einer Kopfstütze justiert waren und sich während des Scan Vorganges nicht bewegen konnten einer geringerer Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Das digitale One Shot Verfahren sei in dieser Hinsicht vorteilhaft. Bei der bukkalen Knochenanalyse einer DVT Aufnahme, kann es je nach Schichtstärkenauflösung vorkommen, dass die bukkale Knochenwand aufgrund der geringen anatomischen Knochenwandstärke nicht dargestellt wird, was es zu beachten gilt.

Diagnostik in der oralen Medizin

PD Dr. Michael Bornstein, ZMK Bern, referierte über die Diagnostik in der oralen Medizin. Er zeigte einige moderne Hilfsmittel, um Erkrankungen der Mundhöhlenschleimhaut zu manifestieren. Eine gründlich durchgeführte Inspektion der Mundhöhle und der angrenzenden anatomischen Strukturen sowie die Befragung des Patienten führen zu einer guten Diagnose. Dazu kann auch die Überweisung an die Dermatologie erforderlich sein. Ein wichtiger Tipp für den chirurgisch kompetenten Praktiker ist es, frühzeitig Biopsien zu entnehmen und patho-histologisch abklären zu lassen. Mit Hilfe einer Bürstenbiopsie können Patho-Histologen mit Gentechnikverfahren bereits eine Vorabdiagnose stellen. Mit fluoreszierenden Lichtquellen lassen sich in der Mundhöhle dunkle Bezirke von nicht reflektierenden Zellveränderungen und Zellmanipulationen erkennen. Eine angedockte Digitalkamera an der Lichtquelle kann Bilder für das Gespräch mit den Fachmedizinern erstellen.

Dr.med. Martin Kägi, Dermatologe vom Hautzentrum Zürich, war ein Höhepunkt. Erstaunlich wie viele Überschneidungen und Zusammenhänge es zur Zahnmedizin gibt. Sein Thema war die orale Stomatologie, Dermatologie und die interdisziplinäre Diagnostik. Er zeigte wie er die Mundschleimhaut der Patienten untersucht. Dabei ging er auch vertieft auf die verschiedenen Allergietypen ein, denn mit seiner Prick Test Methode ist er in der glücklichen Lage alle Materialien aus der Zahnheilkunde am Unterarm oder am Rücken der Patienten auf allergische Hautreaktionen zu testen. Seine Take Home message: Besser eine Verdachtsbiopsie früher zu veranlassen, um den Zeitwettlauf zu gewinnen.

Diagnose des Cracked Tooth Syndrom

Die Gesamtheit der Symptome welche von Zähnen mit Rissen ausgehen können, beruhen laut Dr. Stefan Hänni, ZMK Bern, auf akzidentelle, mastikoiden oder okklusalem Trauma oder haben eine epidemiologische Ursache. Am meisten betroffen sind die UK Molaren, danach OK Molaren, gefolgt von OK PM. UK PM sind eher selten. Vertikale Risse, die radiologisch nicht sichtbar sind, lassen sich mit einer Kaltlichtquelle darstellen.

PD Dr. Andreas Bindl, ZZM Zürich, berichtete über Indikationen für DVT- Aufnahmen (Zöller et al. 2007). DVT- Geräte weisen eine Strahlenintensität von bis zu 350 µSV auf und Kopf-CT`s von bis zu 2000 µSV. Läsionen im 2-D OPT Bereich werden im 3-D Verfahren immer früher erkannt.
Beim DVT meint er, kann man bis zu 30% mehr apikale Läsionen sichtbar darstellen. Gleichzeitig wies er hin auf die Darstellungs-Problematik der hauchdünnen bukkalen Knochenlamelle, welche in der DVT-Aufnahme nicht sichtbar ist. Bei Kindern kann es durch die Umlaufzeit zu Bewegungsartefakten kommen.

Dentale Traumen

Von der UZM Basel sprach Dr. Gabriel Krastl über diagnostische Massnahmen in der dentalen Traumatologie. Er nahm die Zuhörer mit in den Alltag seines Baslers emergency rooms für dentale Traumen. Wichtig für den Behandler sind manchmal die Merkmale der Frontzähne um diese bei einer Reimplantation in der richtigen Alveole zu versorgen.Die Diagnostik bei Dislokationen und der Eintrag ins emergency profile sind von Bedeutung. Der parodontal erlittene Schaden ist in Ausmass und Richtung zu vermerken. Meist sind horizontale Risse und Frakturlinien sichtbar. Den partiellen Pulpektomien steht nichts im Wege. Sollte bei einer partiellen Resektion der Pulpa, aufgrund einer Restinfektion, die Blutung länger als fünf Minuten andauern, muss eine 2mm tiefere Pulpareduzierung erfolgen.

PD Dr. Till N. Göhring, ZZM Zürich, referierte über die Grundlagen der Kariesdiagnostik. Dazu gehört eine Lupenbrille zur Grundausstattung. Zum Einsatz kommen verschiedenartige lichtbasierte oder fluoreszensbasierte Systeme oder ein auf elektrische Leitfähigkeit fundierendes System mit der die Zahnhartsubstanz, je nach Lichtdurchlässigkeit, auf Karies untersucht werden kann.

Diagnostik bei Schnachern

Einer der Höhepunkte war der Vortrag des in Dietikon ansässigen Kieferorthopäden Prof. Dr. Dr. Edmund Clemens Rose von der Uni Freiburg im Breisgau. In anschaulichen Worten beschrieb er die Diagnostikmöglichkeiten bei Schnarchern durch Bettpartner und die Abklärung einer obstruktiven Schlafatmungsstörung in einem Schlaflabor. Die sogenannte Rhonchopartie wird vom Schlafmediziner aufgezeichnet. Dazu gehört die Messung der Tagesschläfrigkeit, besonders bei Kleinkindern, und die Bezeichnung des Schweregrades der Schlafapnoe mittels den AHI (Apnoe-Hypopnoe Index). Für die lebenslange Tragekomfortbeständigkeit ist nach seiner Meinung herausnehmbarer Zahnersatz kontraindiziert. Also sollten pro Kiefer mindestens 10 parodontal einwandfreie Zähne zur Verfügung stehen, damit die Schiene den UK nach vorne positionieren kann. Weiterhin sollten keine Myoarthropathien und eine positiv zu bewertende Kieferrelation vorliegen. Bei der Beurteilung des Patienten sollten besonders den Tonsillen, der Uvula, den lateralen Zungenimpressionen und einer ausgeprägten Intercularlinie Beachtung geschenkt werden. Erfolge lassen sich nur erzielen über eine ausführliche Anamnese, Dokumentation des Therapieerfolges, spezifische zahnmedizinische Diagnostik; Screening im Schlaflabor und über Polysomnographie.

Diagnosemethoden in der Paro

Co Chairman PD Dr. Patrick Schmidlin, ZZM Zürich, referierte über parodontale Diagnostik. Er wies daraufhin, dass eine Retrognose mit alten Rx Aufnahmen von Bedeutung sei. Der PD Schmidlin präsentierte die Automated Sonden bis zur Ultraschallsonde und sein Schei Folien Lineal.
Eine Abklärung von Genpolymorphismus ist wichtig. Nachteil der aMMP-8- Bestimmungsmethode ist, dass sie keinen Knochenabbau zeigt, sondern nur Weichgewebsabbau. Sein Fazit: die Paro-Sondierungs-Sonde und die Röntgendiagnostik sind weiterhin die Diagnostik- Nr.1.

Mit Humor führte PD Dr. Matthias Zehnder, ZZM Zürich, in sein Thema ein. Er zeigte diverse Endo-Paro-Läsionen, und sehr schöne WB`s von ihm und PD Dr. Frank Paqué, ZZM Zürich. Mit der Seitenaufnahme des Schädels eines Simpsons hatte er die Lacher des Publikums auf seiner Seite.
Der Referent präsentierte auch die vertikale Wurzelfraktur, sowie akzessorische dens in dens Kombinationen mit Vitalität nach einer Teil-WB.

Prof. Dr. Urs Brägger, ZMK Bern, zog mit verschiedenen Fällen zur Implantatsdiagnostik die Zuhörer in seinen Bann und berichtete über aktuell laufende Langzeitstudien. Bei Messungen der Primärstabilität mit dem Osstell ISQ-Instrument kann bei einem Messwert von über 80 ISQ von einem Erfolg ausgegangen werden.

Dr. Konrad Meyenberg aus Zürich setzte einen eindrucksvollen Schlusspunkt. Mit Komplettästhetik sowohl des Vortragsequipments, als auch die Art und Weise der Aneinanderreihung der Bilder beeindruckte. Seine faszinierenden Fernweh-Reisebilder beglückten die Zuhörer zum Thema „esthetics for future“. Das war professionell in jeder Hinsicht und die stimmungsvolle Überleitung ins Wochenende.

Insgesamt war das Symposium perfekt organisiert und bot den Zuhörern in anderthalb Tagen einen praktischen Querschnitt durch die Diagnostik.

Fotos: Johannes Eschmann

Foto: © Johannes Eschmann
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