Branchenmeldungen 21.07.2026
Drei Fragen an die Spitzenkandidaten Prof. Dr. Benz & Dr. Albert
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Herr Prof. Benz, Sie waren Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer 2010 bis 2014. Doch viel wichtiger: Sie waren auch viele Jahre bis 2025 Präsident der Bundeszahnärztekammer. Sie kennen also beide Institutionen quasi aus der Poleposition. Wie lässt sich diese Erfahrung mitnehmen, um die Selbstverwaltung der BLZK effizienter und schlagkräftiger zu machen?
Prof. Dr. Christoph Benz: Aus meiner Erfahrung von nun 16 Jahren sind es drei Dinge, die die zahnärztliche Standespolitik erfolgreich machen:
- Wir müssen mit einer Stimme sprechen. Öffentlicher Streit und divergente Meinungen nullen unsere Wirkung in Gesellschaft und Politik. Mit der FVDZ-geführten KZVB gibt es einen erfolgreichen Partner, mit dem wir wieder den Schulterschluss finden müssen. Genauso wichtig sind aber auch die Wissenschaft, die Studierenden, das Teampersonal, die Zahntechnik und viele mehr. Alle sind in meinem Netzwerk, das ich über viele Jahre aufgebaut habe.
- Nur Meckern bringt in der Politik gar nichts. Wer Dinge verändern will, muss Lösungsvorschläge machen, die wirklich funktionieren. Ob etwas funktioniert, entscheiden weniger die Minister als die politische Verwaltung. In diese Kreise muss man netzwerken und sich als kompetenter Partner darstellen. Das mag weniger glamourös erscheinen als ein Selfie mit der Ministerin, ist aber der einzig erfolgreiche Weg. Ein Weg, auf dem ich seit 15 Jahren in Berlin unterwegs bin.
- Die große Stärke der Zahnmedizin war immer der enge Schulterschluss zwischen den Kolleginnen und Kollegen. Da müssen wir wieder hin, sonst blockieren wir uns selbst, wie leider Corona gezeigt hat. Gleichzeitig laufen verschiedene Umbrüche: Von älter zu jünger, von männlich zu oft weiblich, von 24/7 zu „weniger ist mehr“. Mein Ziel ist es, den Dialog zu führen, für gegenseitiges Verständnis zu werben und gemeinsame Ziele zu entwickeln. Mein Platz war nie der Elfenbeinturm, sondern da, wo die Kolleginnen und Kollegen sind.
Frau Dr. Albert, Sie führen seit 23 Jahren eine erfolgreiche Einzelpraxis in Eichstätt. Welche Herausforderung aus Ihrem Praxisalltag würden Sie als Vizepräsidentin der BLZK anpacken – weil sie exemplarisch für die Realität vieler niedergelassener Kolleginnen und Kollegen steht?
Dr. Andrea Albert: Obwohl der Mund unser zentrales Kommunikationsorgan ist, wird seine Bedeutung als Eintrittspforte für zahlreiche Allgemeinerkrankungen unterschätzt. Die präventive Rolle der Zahnärzteschaft – heute schon essenziell und künftig noch wichtiger, um systemische Krankheitskosten zu reduzieren –, bleibt in Politik und Bevölkerung weitgehend unbeachtet.
Ich verstehe meine politische Arbeit als Sprachrohr für unsere Anliegen und Probleme. Es geht um wirtschaftliche Stabilität, Vereinfachen der Prozesse, die Ausbildung attraktiver machen, Nachwuchssicherung bei unserem Praxisteam und bei den jungen Kolleginnen und Kollegen. Als praktizierende Zahnärztin wünsche ich mir mehr Zeit für die Kernaufgabe, also die Patienten gut zu behandeln. Dazu müssen wir den Verwaltungsaufwand überall dort, wo es möglich ist, verschlanken bzw. „entkomplizieren“ und dort Bürokratie abbauen, wo wir das als bayerische Zahnärztekammer selbst regeln können. Ich bin bereit, da anzupacken. Ich bin überzeugt: gute Versorgung entsteht nur durch starke freiberufliche Struktur, also durch wohnortnahe Praxen. Die Politik muss ihren Teil dafür tun, dass wir Zahnärzte mit verlässlichen Rahmenbedingungen die Bevölkerung versorgen können.
Als Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnheilkunde gelten Sie in Bayern seit 2001 als die Stimme der Alterszahnmedizin. Welche Maßnahmen braucht Bayern aus Ihrer Sicht, um die Versorgung vulnerabler Patientengruppen spürbar zu verbessern, aber auch die Zahnärztinnen und Zahnärzte für die aufsuchende zahnärztliche Betreuung zu interessieren?
Prof. Dr. Christoph Benz: In Bayern wurde vor 25 Jahren das erfunden, was heute in Deutschland als Pflegezahnmedizin größer und größer wird. Ich war von Anfang an dabei. Daraus sind Abrechnungsmöglichkeiten erwachsen, die über das hinausgehen, was die allgemeine Medizin kennt. 2019 haben die KZVB und die BLZK unter FVDZ-Führung in Bayern mit der „Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ (LAGP) einen weiteren deutschlandweiten Leuchtturm aufgestellt. Alle Player aus Politik, Krankenkassen und Pflege sitzen mit uns am Tisch und wollen unsere Pflegezahnmedizin voranbringen. In dieser Situation ist es absolut töricht, wenn wir uns als Pflegepionier durch persönliche Querelen lähmen. Bayern hat viele Leistungsträger – in der Zahnmedizin und in der Verwaltung. Die müssen ans Ruder!
Wir weisen Sie höflich auf die Broschüre des FVDZ Bayern zur ZBV- und Kammerwahl im September 2026 hin, die für die Leserinnen und Leser in Bayern dieser DFZ-Ausgabe beiliegt.
Frau Dr. Albert, als Vizepräsidentin des Verbands Freier Berufe in Bayern setzen Sie sich für Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung ein. Welche Erfahrungen aus dieser Arbeit möchten Sie in die Bayerische Landeszahnärztekammer einbringen?
Dr. Andrea Albert: Die freien Berufe suchen konsequent den Austausch mit der Politik, um stetig klarzustellen, dass wir freien Berufe sprichwörtlich das Rückgrat der Gesellschaft sind und entsprechend von der Politik berücksichtigt werden müssen. Wir sind Networker und Interessenvertreter und zwar hartnäckig und konsequent.
Genau in diesem Sinne, nämlich fundiert und zielstrebig und unserem akademischen Berufsstand angemessen, möchte ich der zahnärztlichen Kollegenschaft Gehör verschaffen, damit wir von der Politik als respektierter und verantwortungsbewusster Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Denn Vertrauen, Anstand und Haltung spielen in den heutigen Zeiten, wie Ilse Aigner bei ihrer Neujahrsansprache sagte, eine entscheidende Rolle.
Ziel ist, mit neuem Blick und Visionen neue Möglichkeiten und Perspektiven für die Zukunft der Zahnärzte zu schaffen – nicht allein, sondern gemeinsam in einem Kompetenzteam. Die Arbeit im Verband Freier Berufe hat mir in vielfacher Hinsicht den Blick geweitet. Wir können aus Fehlern anderer Verbände Lehren ziehen, man lernt zu schätzen, was wir haben, und man kann auch aus den Erfolgen anderer Berufe lernen. Und was mir besonders am Herzen liegt: Ich möchte, dass es sich auch in Zukunft lohnt, selbstständig zu sein. Aktuell erleben wir einen Trend zur Anstellung in nahezu allen freien Berufen. Das mag zum einen an der Generation Y liegen. Doch zumindest im Bereich der Medizinberufe trägt auch die Politik Verantwortung dafür. Die Bürokratiebelastung hat ein Maß erreicht, das eine Einzelpraxis mal so eben nebenher und unentgeltlich nicht mehr stemmen kann.
Herr Prof. Benz, als Kontrast zu Ihrem Engagement in der Alterszahnmedizin wollen Sie jungen Kolleginnen und Kollegen auch „Lust auf Niederlassung“ machen, so der Titel Ihres Vortrags während der infotage FACHDENTAL im März in München. Was hat Ihr Interesse geweckt, sich für die Niederlassung stark zu machen?
Prof. Dr. Christoph Benz: Die Zahnmedizin hat bemerkenswerte Erfolge erzielt: Deutschland ist Weltmeister der Mundgesundheit, wir sind der einzige Heilberuf, der Prävention zum Erfolg gemacht hat, und wir engagieren uns lange schon für vulnerable Gruppen: Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftige, Menschen am Rand der Gesellschaft. All das kommt beim Patienten aber nur dort an, wo es das Zentrum und den Kern unserer Erfolgsgeschichte gibt, die zahnärztliche Praxis. Leider wurde die eigene Praxis über Jahre unnötig schlechtgeredet. Wenn wir jetzt sehen, wie Deutschland keine gerade Linie mehr fährt, bekommen immer mehr junge Menschen Lust darauf, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen. Und da freut es uns besonders, dass die zahnärztliche Praxis eines der sichersten Start-ups überhaupt ist!
Wer noch mehr will und Lust hat, auch das große Schiff „Standespolitik“ mitzusteuern, für den bietet die „Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement“ die perfekte Vorbereitung. Mit mir als langjährigem Leiter dieser Akademie unter Schirmherrschaft der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung wird man deutschlandweit alle relevanten Player, Strukturen und Problemlagen im Gesundheitswesen kennenlernen, man wird zielorientiert diskutieren und kräftig netzwerken.
Frau Dr. Albert, Sie machen seit vielen Jahren politische und standespolitische Basisarbeit: Sie waren in der Frauenunion aktiv, im gesundheitspolitischen Arbeitskreis der CSU, als zahnärztliche Obfrau in Eichstätt und viele Jahre in der Bezirksgruppe des FVDZ in Oberbayern und im Landesvorstand. Was treibt Sie an, was motiviert Sie, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Dr. Andrea Albert: Ich wurde schon von klein auf zum „Helfen“ erzogen – nicht nur innerhalb der Familie. Wenn bei uns zu Haus das Telefon ging, dann nahezu immer, weil jemand Hilfe brauchte und bekam. Mein Vater sagte einmal: „Stell die Andrea irgendwohin, die macht das schon!“
Genau diese Dynamik habe ich auch für die Gründung meiner Praxis eingesetzt. Die Zahnmedizin vereint viele Facetten eines Berufes. Mir ist wichtig, dass mein Traumberuf in seiner besten, effektivsten Form erhalten bleibt, nämlich als freie inhabergeführte Praxis – gerne auch gemeinsam mit Kolleginnen/Kollegen.
Es entspricht meiner Natur, ständig an Verbesserungen zu arbeiten, emporzuklettern, nach vorne zu schauen und so setze ich mich auch für unseren Berufsstand ein. Mein Motto ist: Fortschritt und Innovation passieren nicht einfach durch Daumen drücken, sondern durch aktives Handeln. Um die zahnmedizinische Versorgung in den nächsten Jahren zu sichern, brauchen wir junge engagierte Zahnärztinnen und Zahnärzte.
Der Berufsstand wird nicht nur weiblicher, sondern auch jünger: Die junge Generation muss sich vertreten sehen. Mir ist wichtig, dass die bayerische Zahnärztekammer für unsere Kollegen sichtbar wird, dass sie spüren und sehen, welche Unterstützung ihre Kammer ihnen bietet. Es gibt Berufsverbände, die froh und dankbar für eine Kammer wären und dafür seit Jahren kämpfen.
Vielen Dank für Ihre Ausführungen.
Erstveröffentlichung "Der Freie Zahnarzt - DFZ", Ausgabe 7-8/2026".