Branchenmeldungen 16.02.2011

Frauen auf dem Vormarsch

Frauen auf dem Vormarsch

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Die Statistik - hier der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) - zeigt einen eindeutigen Trend auf. Vor zehn Jahren gab es unter den Studierenden der Zahnmedizin noch ein 50 zu 50 Prozent-Verhältnis, 2010 hatten die Frauen mit 62% die Oberhand und unter den Studienanfängern waren bereits 2/3 weiblich. Bei der Zahl der Absolventen lag 2009 der Frauenanteil bereits bei 63 Prozent. Also, die Frauen sind eindeutig auf dem Vormarsch im Berufsfeld der Zahnmedizin. Halt, in der Praxis und vor allem in der Standespolitik sieht es ganz anders aus. Unter den 54.000 niedergelassenen Zahnärzten betrug 2009 die Frauenquote nur gut 35% (20.000), es waren jedoch 6.000 als Zahnärztin angestellt, bei nur 3.000 angestellten Männern als Zahnarzt. Hatten wir 2009 als Zahnarzt-Absolventen 63% Frauen lag deren Anteil unter den Exitenzgründungen nur bei knapp über 40 Prozent. Übrigens, insgesamt sank die Zahl der niedergelassenen Zahnärzte in den letzten 5 Jahren von 90 auf 80 Prozent.

Völlig unterrepräsentiert sind die Frauen in der Standespolitik, da ist kaum eine Frau als KZV-Vorstand oder gar als Kammer-Präsidentin zu finden, die baden-württembergische KZV-Chefin führt ein echtes Exoten-Dasein. Die Realität schreit geradezu nach einer satzungsgefestigten Frauenquote in den zahnärztlichen Körperschaften. Wundert mich, dass noch niemand aus der Gesundheitspolitik in der Union angesichts der Forderung nach einer Frauenquote in DAX-Unternehmens-Vorständen auf eine solche Idee für die Zwangs-Berufsvertretungen gekommen ist. Was gäbe das für ein Geheule unter den männlichen Posteninhabern von denen mehr als die Hälfte auf ihre Pfründe verzichten müsste.

Zu tun gäbe es für die Standespolitik aus der Feminisierung des Zahnmediziner-Berufes genug. So müssten die "Gender-Perspektiven" endlich in der Gestaltung des Berufs- und Versorgungsfeldes vor Ort wie in der Kassen-Versorgungsrechtlichen Regelungen mehr Berücksichtigung finden. Frauen haben aus ihrer Lebenssituation, stärker Beruf und Familie in Einklang bringen zu müssen völlig andere Ansprüche an die Gestaltung des Berufsumfeldes- und -Ablaufes, erleben die Anforderungen anders. Da müssen Gesetzgeber und Standesführungen wie die Verantwortlichen in Kassen einfach völlig umzudenken beginnen.

Warum aber sind so wenig Zahnärztinnen in der Standespolitik in führenden Postitionen? Wahrscheinlich sind sie viel realistischer eingestellt, dass die Berufspolitik ganz überwiegend im eigenen Saft schmort, sich die Herren Funktionäre im Kreise drehen und kaum etwas bewirken können, eigentlich viel Zeit in endlosen Sitzungen und Kommissionen vertan wird, ja Standesvertretung vornehmlich der eigenen Eitelkeits-Befriedigung der Herren Mandatare dient. "Schad um die Zeit" denken sich also - Umfragen bestätigen dies - die meisten Zahnärztinnen. Übrigens, viele Frauen müssen für ihre Standespolitik treibenden Ehegatten den heimischen Praxisbetrieb am Laufen halten, damit diese unbelastet "große Berufspolitik" machen können, den Rücken freihaben, aus traditioneller aber überkommener Rollenverteilung,

toi, toi, toi

Ihr Jürgen Pischel

16.02.2011


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