Branchenmeldungen 15.09.2026

Ein Ziel, viele Realitäten: Die Zukunft der aufsuchenden Zahnmedizin



Die aufsuchende zahnmedizinische Betreuung älterer Patienten – egal, ob in Pflegeeinrichtungen, oder im häuslichen Setting – setzt sich nach wie vor, das hat unsere Recherche ergeben, aus vielen Realitäten zusammen. Für die einen Behandler/-innen funktioniert die Zusammenarbeit mit Patienten, Angehörigen oder Pflegeeinrichtungen und dem dortigen Personal sehr gut bis gut, für andere wiederum ist bei Akzeptanz und Mitarbeit noch viel Luft nach oben.

Ein Ziel, viele Realitäten: Die Zukunft der aufsuchenden Zahnmedizin

Foto: © fran_kie – stock.adobe.com/mit KI erweitert

Dabei ist das Ziel aller zahnmedizinisch aufsuchend Tätigen klar definiert: so praktikabel, effektiv und wertschöpfend wie möglich, dort jenen Patienten zu helfen, die auf diese Hilfe angewiesen sind. Keine andere Patientengruppe wird in den nächsten Jahrzehnten eine solch große Rolle spielen wie diese. Daher ist es keine Frage, ob das Leistungsspektrum der ProAge Zahnmedizin relevant ist, sondern wie es sich bestmöglich gestalten lässt.

Im Folgenden bilden wir exemplarisch einige wenige Aussagen verschiedener Behandler/innen zu ihrem Erleben in der aufsuchenden Praxis ab und zu dem, was sie zukünftig, in vielen Fällen regulatorisch, für wichtig und notwendig erachten:

#BEMA/GOZ müssen mitziehen

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„Unser organisatorischer Aufwand wird in BEMA und GOZ nicht ausreichend abgebildet. Hier wünsche ich mir abrechenbare Angehörigenaufklärung, die Möglichkeit der Telemedizin auch bei Neupatienten für ein Vorab-Screening bei nicht mobilen Patienten sowie mehr Präventionsleistungen, zum Beispiel Fluoridierungsmaßnahmen. Auch Gutachterverfahren sollten seniorengerechte Konzepte stärker berücksichtigen. Außerdem ist die Informationsbeschaffung bei Hochbetagten schwierig. Häufig fehlen Medikamente wie Bisphosphonate in den Medikamentenplänen, weil diese durch Fachärzte nicht an die Allgemeinmediziner weitergegeben wurden oder die digitale Patientenakte leer bleibt. Auch wir Zahnärzte sollten die ePA stärker nutzen, etwa für alte Röntgenbilder oder Implantatpässe.“

ZÄ Franziska Gessert

#Versorgung besser vernetzen

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„Wenn wir eine regulatorische Komponente im Bereich der aufsuchenden zahnmedizinischen Versorgung mit dem größten Einfluss verändern könnten, wäre es die Einführung eines öffentlich einsehbaren bzw. bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) hinterlegten Registers aller aufsuchend tätigen Kolleg/-innen. Dieses Register sollte strukturiert das jeweilige Behandlungsspektrum abbilden, insbesondere welche Leistungen im mobilen Setting angeboten werden können, zum Beispiel Sedierungen, Intubationsnarkosen oder chirurgische Eingriffe. Ebenso relevant wäre die Angabe des jeweiligen Einsatzradius bzw. der regionalen Verfügbarkeit. Der größte Nutzen läge in einer deutlich verbesserten Vernetzung und Koordination der Versorgung. Bei komplexen oder akuten Fällen könnte schnell und gezielt auf geeignete Behandlerinnen und Behandler in der jeweiligen Region zurückgegriffen werden, was die Reaktionszeiten verkürzt und die Versorgungsqualität insbesondere bei immobilen oder vulnerablen Patientengruppen verbessert. Zusätzlich würde ein solches Register die Transparenz erhöhen und die Zusammenarbeit zwischen mobilen Versorgungseinheiten, Pflegeeinrichtungen und weiteren Leistungserbringern erleichtern. Dadurch ließe sich die aufsuchende zahnmedizinische Versorgung insgesamt effizienter, strukturierter und bedarfsgerechter organisieren.“

Dr. Christoph Blum

 #Aufklärung Pflegeeinrichtungen

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„Viele Heime haben Angst vor einer Mehrarbeit durch unsere aufsuchende Betreuung. Hier steuern wir gezielt aufklärerisch dagegen und verdeutlichen, dass wir nur Arbeit abnehmen und Entlastung für Pflege und Bewohner/-innen und deren Betreuer/-innen bringen.“

Vapula Haukongo

#Krankenkassen müssen schneller agieren

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„Bei Härtefall-Patient/-innen müssen auch Wiederherstellungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Zahnersatz (z.B. Bruchreparaturen, Unterfütterungen, Erweiterungen) durch die Krankenkasse vorher genehmigt werden. Bis die notwendigen Nachweise geführt sind, können im Setting der Pflege Tage und nicht selten Wochen vergehen. Wenn ein gebrechlicher Mensch nicht wie gewohnt essen kann, bringt das viel Unruhe in den Pflegealltag und eine spätere Adaptation an den wiederhergestellten Zahnersatz ist ebenfalls erschwert. Zudem können die betroffenen Menschen den häufig mit der Verzögerung einhergehenden Gewichtsverlust nachträglich nicht wieder ausgleichen. Und noch ein ganz anderer Punkt: Wenn ich zu gesetzlich versicherten Patient/-innen ins Krankenhaus gerufen werde, muss das Krankenhaus die Kosten für die erbrachten Leistungen bezahlen. Wird aufgrund dieser gesetzlichen Regelung die zahnmedizinische Behandlung nicht angefordert und die Menschen liegen länger im Krankenhaus, ist das bei bestehenden Schmerzen bzw. eingeschränkter Kaufähigkeit für den Genesungsprozess nachteilig.“

Dr. Elmar Ludwig

#Wirtschaftlich tragfähig

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„Die wirtschaftliche Betrachtung unserer mobilen Betreuung zeigt ein solides und nachhaltiges Modell. Die Investitionskosten, die sich aus den Aufwendungen für Rettungswagen, Verwaltung, Personal sowie Praxiskosten zusammensetzen, belaufen sich auf 1.100 EUR pro Einsatztag. Hochgerechnet auf einen Monat ergibt sich ein Investitionsvolumen von 11.100 EUR. Dem gegenüber steht ein durchschnittliches monatliches Honorar von etwa 30.000 EUR. Nach Abzug der laufenden Investitionen verbleibt somit ein monatlicher Gewinn von etwa 19.000 EUR. Diese Zahlen verdeutlichen, dass das Konzept nicht nur zur Verbesserung der Versorgung beiträgt, sondern auch wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden kann.“

Dr. Christoph Blum

#Relevanz der Versorgung

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„Ich bin der festen Überzeugung, dass die zahnmedizinische Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen zukünftig eine immer wichtigere Rolle im Spektrum der Zahnmedizin zuteilwird.“

Dr. Frank Hummel

ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis 09/26

ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis


Dieser Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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