Branchenmeldungen 26.08.2026

Zahnmedizinisches Engagement in Kenia: Mit Empathie ein Lächeln schenken



Romina Raisch vereint als Dentalhygienikerin Fachkompetenz mit ehrenamtlichem Engagement. Im Rahmen der Organisation „Dentists for Africa“ setzt sie sich in Kenia für die zahnmedizinische Versorgung von Kindern ein. Vor Ort führte die Stuttgarterin Untersuchungen und Behandlungen an ca. 300 Kindern durch. Sie trägt so nachhaltig zur Verbesserung der Mundgesundheit ihrer jungen Patienten bei. Für ihr soziales Engagement wurde sie mit dem Deutschen Dentalhygiene Award 2026 geehrt.

Zahnmedizinisches Engagement in Kenia: Mit Empathie ein Lächeln schenken

Foto: © DGDH/Annette Schrader | md ruhul amin – stock.adobe.com

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deutschen Dentalhygiene Awards für ihr soziales Projekt in Kenia. Erzählen Sie uns bitte mehr über dieses Projekt, wie kam es dazu?

Schon seit längerer Zeit hatte ich den Wunsch, ein soziales Projekt zu unterstützen. Ich kam auf die Idee mein Fachwissen zu nutzen und dort einzusetzen, wo der Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung eingeschränkt ist. Ich habe mich mit verschiedenen Projekten befasst und bin sehr schnell von Dentists for Africa begeistert gewesen. Dentists for Africa ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung in verschiedenen Regionen Kenias engagiert. Neben der direkten Behandlung von Patienten legt die Organisation großen Wert auf Prävention, Aus- und Weiterbildung sowie die nachhaltige Unterstützung der lokalen Gesundheitssysteme, um langfristig eine bessere zahnmedizinische Versorgung vor Ort zu ermöglichen. Das hat mich überzeugt.

Was genau haben Sie als Dentalhygienikerin vor Ort bei ihrem Einsatz realisieren können?

Während meines zweiwöchigen Einsatzes durfte ich das Team der Zahnstation im Nyabondo Hospital im Praxisalltag unterstützen. Mein Tätigkeitsschwerpunkt lag in der Prophylaxe: Ich führte professionelle Zahnreinigungen und Parodontitisbehandlungen durch, unterstützte bei verschiedenen präventiven Maßnahmen und klärte die Patienten über Mundhygiene und die Vorbeugung von Zahnerkrankungen auf. Darüber hinaus gehörten – wie in jeder Zahnarztpraxis – auch die alltäglichen Aufgaben wie die Betreuung der Patientinnen und Patienten sowie die Aufbereitung der Instrumente zu meinem Arbeitsalltag. Besonders am Herzen lag mir der fachliche Austausch mit den Kollegen vor Ort. Ein Schwerpunkt meines Einsatzes war es, mein Wissen im Bereich Prophylaxe und Parodontitis weiterzugeben und die entsprechenden Behandlungsmethoden gemeinsam praktisch zu erarbeiten. Zusätzlich hatte ich verschiedene Instrumente und Materialien mitgebracht, deren Anwendung ich erklärte und gemeinsam mit dem Team trainierte. Ziel ist es bei solchen Einsätzen, dass die Kollegen vor Ort genau wie ich noch lange nach dem Besuch davon profitieren.

Sie verbrachten einen Tag an einer Schule und untersuchten die Karieserfahrung bei Kindern zwischen sechs und 16 Jahren. Was für ein Bild ergab sich daraus?

Dabei zeigte sich, dass unfassbar viele Kinder in Kenia bereits in jungen Jahren von Karies betroffen sind und ein hoher Behandlungsbedarf besteht. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie groß das Interesse der Kinder ist, mehr über Mundhygiene und Zahngesundheit zu lernen. Genau das hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig Präventionsarbeit und frühzeitige Aufklärung sind.

Foto: privat

Laut DMS 6 hält der langfristige Trend zu mehr Kariesfreiheit im Milchgebiss in Deutschland auch in diesem Jahr an. Was sind die gravierendsten Unterschiede in der Zahnpflegeroutine zwischen Deutschland und Kenia?

Die Antwort auf ihre Frage könnte kurz ausfallen: nämlich, dass es in Kenia gar keine „Zahnpflegeroutine“ gibt. Aber nein, man kann es natürlich nicht pauschal verallgemeinern. Aus meiner persönlichen Erfahrung fiel mir vor allem auf, dass Prävention in Deutschland einen deutlich höheren Stellenwert hat. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, professionelle Zahnreinigungen und die tägliche Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta gehören bei uns für viele Menschen ganz selbstverständlich dazu. In Kenia hingegen fehlt einfach der Zugang dazu. Bereits der Erwerb von grundlegenden Mundhygieneartikeln ist für viele Menschen aus finanziellen Gründen erschwert oder gar nicht möglich. Gleichzeitig befinden sich Zahnstationen und Zahnarztpraxen überwiegend in größeren Städten, sodass der Weg zu einer zahnmedizinischen Behandlung für viele Patienten mit erheblichen Hürden und außerdem entstehenden Kosten verbunden ist.

Wie haben Sie die Mundhygieneschulungen und Untersuchungen für die Kinder und vielleicht auch Ihre Lehrer aufgebaut? Welche Reaktionen kamen von Ihrem Gegenüber?

Für die Mundhygieneschulungen hatten wir Anschauungsmaterialien dabei, darunter Zahnmodelle und Zahnbürsten. Es ist wichtig, die Inhalte möglichst anschaulich und spielerisch zu vermitteln. Ich erklärte den Kindern auf Englisch die Grundlagen der Mundhygiene und die richtige Putztechnik, während meine kenianische Kollegin alles ins Suaheli übersetzte. So können wir sicherstellen, dass es alle Kinder verstehen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Schulung war die Ernährungslenkung. Gemeinsam sprachen wir darüber, welche Lebensmittel die Zahngesundheit fördern und welche den Zähnen schaden können. Nach der Schulung haben wir das Gelernte gemeinsam wiederholt und den Kindern Fragen gestellt, um zu sehen, was sie sich gemerkt hatten. Es war schön zu erleben, wie aufmerksam sie zugehört hatten und mit wie viel Begeisterung sie die Fragen beantworteten. Im Anschluss wurden alle Kinder zahnmedizinisch untersucht. Dafür richteten wir mit einfachen Mitteln eine provisorische Untersuchungsstation ein: Tische und Plastikstühle dienten als Behandlungsplatz, untersucht wurde mit Mundspiegeln und den notwendigen Instrumenten. Zum Abschluss erhielt jedes Kind von mir eine Zahnbürste als kleines Geschenk – eine große Freude für die Kinder und gleichzeitig eine schöne Möglichkeit, das Gelernte direkt im Alltag umzusetzen.

In Stuttgart arbeiten Sie in einer modernen Praxis u.a. mit DVT, Intraoralscannern oder 3D-Druck. Wie sieht der Praxisalltag in Kenia dagegen aus?

Der Praxisalltag unterscheidet sich in erster Linie durch die technischen Rahmenbedingungen. Während uns in Deutschland modernste Technologien zur Verfügung stehen, wird dort mit deutlich einfacherer Technik gearbeitet. Viele Behandlungseinheiten sind bereits älter und nicht immer vollständig funktionsfähig, was den Arbeitsalltag extrem erschwert. Bei unseren Außeneinsätzen, bei denen wir ganz abgelegene Dörfer besuchten, hatten wir zum Beispiel lediglich ein paar Hebel, Zangen, Tupfer und Anästhesie im Gepäck und es wurden unzählige Zähne mitten auf einer Wiese auf Plastikstühlen extrahiert. Und auch das funktioniert. Gleichzeitig war ich positiv überrascht, wie gut die Zahnstation durch Sachspenden ausgestattet ist. Es stehen viele hochwertige Instrumente und Materialien zur Verfügung, sodass eine gute zahnmedizinische Versorgung grundsätzlich möglich ist. Der Einsatz hat mir gezeigt, dass moderne Technik zwar eine große Unterstützung sein kann, am Ende aber vor allem das Wissen, die Erfahrung und das Engagement der Behandelnden entscheidend sind und man auch mit wenig gute Behandlungsergebnisse erzielen kann.

 

Die lächelnden Gesichter zeigen es: Die Freude der Kinder über die mitgebrachten Zahnbürsten war groß  (Foto: privat)

Was nehmen Sie aus Ihrem Einsatz in Kenia an Erfahrungen mit, die auch in Ihrem Praxisalltag wertvoll sind?

Für meinen Praxisalltag in Deutschland nehme ich vor allem mit, dass nicht immer die modernste Technik entscheidend ist, sondern der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte. Außerdem hat mir der Einsatz noch einmal bewusst gemacht, welchen hohen Stellenwert Prävention und Aufklärung haben und wie viel man bereits mit guter Kommunikation und Empathie erreichen kann. Zu erleben, wie wenig es manchmal braucht, um einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, hat mich tief bewegt und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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