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Branchenmeldungen 21.02.2011

Jede dritte Studie scheitert an fehlenden Patienten

Jede dritte Studie scheitert an fehlenden Patienten

Die Forschungsidee ist gut, Fördermittel sind da, aber Patienten für nötige Untersuchungen fehlen: Jede dritte medizinische Studie, die neue Therapien ermöglichen könnte, scheitert in Deutschland an fehlenden Probanden, berichtet aktuell das Handelsblatt.

Darauf haben Experten der Universität Münster hingewiesen. Nicht etwa die Bereitschaft von Patienten fehle, sondern der Informationsaustausch zwischen behandelnden Ärzten in Krankenhäusern und ihren forschenden Kollegen. Allein am Medizinstandort Münster würden derzeit für etwa 200 Studien Patienten gesucht, teilte die Medizinische Fakultät der Hochschule mit.

Vor allem Forschungen zu selteneren Erkrankungen haben es schwer. "Bei Volkskrankheiten wie Diabetes ist es natürlich leichter, Betroffene für Studien zu gewinnen", sagte ein Sprecher der Fakultät.

Um die Suche nach Probanden zu erleichtern, ist jetzt unter Federführung des Münsteraner Medizininformatikers Prof. Martin Dugas ein Modellprojekt an bundesweit insgesamt fünf Universitätsstandorten gestartet worden. Ziel: ein besserer Informationsaustausch - "unter Beachtung der Vorgaben des Datenschutzes". Die gängigen Datenbanken der Krankenhäuser, in denen Informationen über Patienten und deren Krankheitsbild gespeichert sind, sollen dabei für Forscher - auf anonymisierter Basis - einsehbar werden.

Für das Projekt stellt das Bundesforschungsministerium 426 000 Euro für Experten in Erlangen Heidelberg, Gießen, Düsseldorf und Münster bereit. Künftig könnten Forscher dann aus einem Pool an Patientendaten ihre Zielgruppe finden und den behandelnden Arzt ansprechen. "Der Arzt kann dann entscheiden, ob er seinen Patienten anspricht", erklärte der Sprecher.

Eine Pilotstudie in Münster habe bereits gezeigt, dass ein solcher Datenaustausch die Patientenrekrutierung deutlich verbessere. Dabei wurden Suchkriterien klinischer Studien mit Behandlungsdaten der Uniklinik Münster verglichen und die Ärzte kontaktiert: Für einige Studien konnten laut Mitteilung so bis zu 40 Prozent mehr Probanden gewonnen werden.

Quelle: dpa, Handelsblatt, 27.07.2010

Foto: © Shutterstock.com
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