Anzeige
Branchenmeldungen 07.10.2008

Kinder der Karies-Risikogruppe bekommen ärztlichen Hausbesuch

Kinder der Karies-Risikogruppe bekommen ärztlichen Hausbesuch

Der Zahnarzt oder zumindest eine Fachschwester sollen künftig von Karies bedrohte Kinder vermehrt zu Hause aufsuchen. In Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialämtern solle so eine bessere Prophylaxe möglich gemacht werden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK), Ulrich Schiffner, am Donnerstag in Dresden. Bislang gebe es dazu regionale Modellversuche. "Wir brauchen aber neue gesamtgesellschaftliche Strukturen", sagte der Hamburger Universitätsprofessor. Die DGK hält am Freitag und Samstag in Dresden ihre Jahrestagung mit rund 500 Kinderzahnärzten ab.

"Kinder mit viel Karies kommen meist zu spät zu uns.", begründete Schiffner die Forderung. In der Region Hamburg bildeten 10 bis 15% der Kinder bis sechs Jahre die Karies-Risikogruppe, anderswo gebe es ähnliche Zahlen. Bei jedem der Kinder hätten im Schnitt 3,5 Zähne die Fäulniskrankheit. Vor allem einkommensschwache Familien seien betroffen. Generell werde aber ein Rückgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen registriert, fügte er an. DGK-Vize Sabine Bertzbach verwies auf das Problem, dass Kinder mit umfangreicher Karies unter Narkose behandelt werden müssten. Eine immer schlechtere Bezahlung der Anästhesisten mache das aber immer schwieriger.

Kinderzahnärzte sollen darüber hinaus auch weiter für das Thema Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern sensibilisiert werden. Etwa 60% aller Verletzungen bei Kindesmisshandlungen sind laut Schiffner an Kopf und Hals zu finden. "Wir wollen die Kollegen in juristischer Sicht fortbilden", sagte die Dresdner Rechtsmedizinerin Christine Erfurt. Bei Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung könne bei Kindern bis 14 Jahren auch gegen die Einwilligung der Eltern das Jugendamt benachrichtigt werden.

Quelle: DZ today, 30.09.08


Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige