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Branchenmeldungen 09.04.2015

Klinische Entscheidungsfindung im Zeitalter evidenzbasierter Medizin

Klinische Entscheidungsfindung im Zeitalter evidenzbasierter Medizin

Zahlreiche Fachbesucher fanden sich vom 27. bis zum 28. Februar im ehrwürdigen Casinogebäude des Campus Westend der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt zur diesjährigen DG PARO-Frühjahrstagung ein. Ein Novum: Die Schirmherrschaft übernahmen die beiden Nachwuchs-Organisationen der DG PARO und der DGI gemeinsam.

In vier Sessions wurden Themen jeweils von einem Experten aus dem Fachgebiet der Parodontologie und der Implantologie vor dem Hintergrund der interdisziplinären Zusammenarbeit präsentiert. So ergaben sich spannende Einblicke und lebhafte Diskussionen unter dem Leitthema „Der Grenzbereich zwischen Zahnerhalt und Implantation in der Parodontologie“. Den Anfang machte Dr. Moritz Kebschull aus Bonn mit der Frage: Bis wohin greift die Parodontitistherapie? Wo die anti-infektiöse Therapie bei Molaren mit Furkationsbefall an ihre Grenzen stoße, so Kebschull, biete resektive Parodontalchirurgie in Kombination mit gewissenhafter Nachsorge eine Alternative zur Implantation. Prof. Dr. Ralf Roessler (Ludwigshafen) ging der Frage nach, ob man sich diesen Zahnerhalt im Grenzfall leisten könne und stellte in einer Kosten-Nutzen-Analyse fest, dass sich auch der Erhalt parodontal kompromittierter Zähne lohne.

Im zweiten Themenkomplex sprach Prof. Stefan Renvert (Kristianstad) für das Implantat. Auch im Falle einer Periimplantitis sei durch Reinigung und Infektionskontrolle eine Reosseointegration möglich. Dr. Markus Schlee (Forchheim) argumentierte, dass eine nachhaltige Entfernung des Biofilmes aktuell oft nicht gelinge. Er stellte ein innovatives Reinigungsverfahren vor, bei dem Ionen die Implantatoberfläche erreichen und sich bildender Wasserstoff den Biofilm entfernt.

Dass parodontal vorgeschädigte Zähne auch langfristig als prothetische Stützpfeiler dienen können, zeigte Dr. Alberto Fonzar (Udine). Unter der Voraussetzung einer parodontalen Begleittherapie könne eine Implantation aufgeschoben werden. Dr. Karl-Ludwig Ackermann (Filderstadt) erklärte, dass die Implantattherapie nicht immer erst nach dem Misserfolg anderer Therapiemaßnahmen in Betracht gezogen werden sollte. Zahnerhalt mache nur dann Sinn, wenn konventionelle parodontologische und erhaltende Therapien Erfolgssicherheit böten.

Im letzten Vortrags-Doppel stand der ästhetisch anspruchsvolle Patient im Mittelpunkt. Hier sei, so Dr. Rino Burkhardt aus Zürich, die Hemmschwelle zur Extraktion oft zu tief. Der Behandler müsse nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ethische Entscheidung treffen. Dr. Gerhard Iglhaut (Memmingen) zeigte die Grenzen des Zahnerhalts auf und stellte in spannenden Patientenfällen prothetische und implantologische Alternativen vor.

Die regen Diskussionen wurden auch während der Pausen, in denen man sich an Ständen über Produktneuentwicklungen informieren konnte, sowie am Freitagabend bei ausgezeichnetem Essen und lockerer Atmosphäre in der Destino Tapas Bar Frankfurt fortgeführt. Am Ende der Veranstaltung war klar, dass inhaltliche Überschneidungen in den Fachbereichen Parodontologie und Implantologie einen fortgesetzten Austausch fordern. Davon würden, so Tagungspräsident Dr. Otto Zuhr, Behandler und Patienten gleichermaßen profitieren.

Quelle: DG PARO

Foto: © DG PARO
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