Branchenmeldungen 11.11.2022

Status quo: Ausbildung zum Facharzt für Oralchirurgie



Status quo: Ausbildung zum Facharzt für Oralchirurgie

Foto: OscarStock – stock.adobe.com

Die Geräte werden moderner, die Behandlungspläne genauer. Fortschritte und innovative Entwicklungen sind im medizinischen Alltag ohnehin das A und O. Dies gilt natürlich gleichfalls für die Disziplin der Oralchirurgie. Priv.-Doz. Dr. Christian Schmitt, M.Sc. seinerseits Facharzt für Oralchirurgie, Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie mit Lehrbefugnis für das Fach Oralchirurgie (Vilsbiburg/Erlangen/Nürnberg) stand bereits im letzten Oralchirurgie Journal für Fragen zum Status quo der Ausbildung zum Facharzt für Oralchirurgie zur Verfügung. Im zweiten Teil geht der Blick nach vorn. Was ist bereits möglich? Welche Teilgebiete der Medizin interagieren bereits miteinander? Wohin führt der Weg?

Herr Dr. Schmitt, die Unabhängige Patientenberatung Deutschland hat dieses Jahr eine Studie veröffentlicht, nach welcher von rund 5.000 Fällen vermuteter Behandlungsfehler sich 1.239 auf operative Eingriffe bezogen und 901 Fälle auf den Bereich Zahnmedizin. Wie, meinen Sie, kann es zu solchen Zahlen kommen?

Es ist nichts Neues, dass in der Zahnmedizin und insbesondere dem chirurgischen Tätigkeitsfeld, inklusive Implantologie, viele Behandlungsfehler dokumentiert werden. Viel spannender als die Frage, wie es zu diesen Zahlen kam, ist für mich die Frage, wie können in Zukunft solche Behandlungsfehler vermieden werden. Wenn wir als Mediziner in der Lage sind, zu akzeptieren, dass Menschen – wir – Fehler machen, dann können wir daran arbeiten, diese in Zukunft zu vermeiden. Wir konnten schon vor Jahren in einer Studie zeigen,1 dass die meisten Fehler durch mangelnde Kommunikation, Vorbereitung und Planung entstehen. Hierfür helfen simple OP-Checklisten zur Fehlervermeidung. Die Luftfahrt macht es vor, wir müssen es „nur“ nachmachen.

Sollten Approbationsordnungen für Zahn- und für Humanmedizin stärker aufeinander abgestimmt werden, sodass Zahnmedizinstudenten mehr medizinische Zusammenhänge vermittelt bekommen? Oder sollten im Umkehrschluss grundlegende zahnärztliche Krankheitsbilder in die Humanmedizin übertragen werden?

Die Schnittstelle zwischen Zahn- und Humanmedizin ist natürlich unglaublich wichtig, und alles, was im Rahmen des Studiums vermittelt werden kann, ist relevant und sinnig. Wenn eine Intensivierung der fachübergreifenden Vermittlung von Lehrinhalten erfolgen kann, ohne dass daraus eine Reduktion der Lehrinhalte des eigentlichen Studiums resultiert, können beide Seiten profitieren.

Die Übergänge zwischen zahnärztlicher Oralchirurgie und der MKG-Chirurgie sind durchaus fließend. Ein Zusammenschluss der Fächer wird von den Verbänden DGMKG und BDO diskutiert. Wie könnte sich diese „Einheit der Chirurgie“ gestalten?

Tatsächlich gibt es viele Gemeinsamkeiten in der Tätigkeit eines Oral- und MKG-Chirurgen in der Niederlassung. Einen besonderen Stellenwert hat allerdings die Tätigkeit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen in den Universitätskliniken, wo komplexe und schwere Erkrankungen behandelt werden, die nicht in der Praxis versorgt werden können. Ich habe in meiner Laufbahn stets mit allen meinen chirurgisch tätigen Kollegen, ob Oral- oder MKG-Chirurg, bestmöglich und kollegial zusammengearbeitet. Es ergeben sich viele Synergien für beide Seiten.

Die Oralchirurgie ist so beeindruckend, da eine Vielzahl an Tätigkeitsfeldern unter diesem Oberbegriff vereint ist. Die Implantologie z. B. nimmt in der Oralchirurgie einen wichtigen Platz ein. Bitte stellen Sie kurz die Grundlagen der modernen Implantologie dar. Auf welche Konzepte wird innerhalb der Ausbildung in diesem Bereich besonders Wert gelegt?

In der Implantologie hat sich in den letzten Dekaden durch den technischen Fortschritt, die zunehmende Digitalisierung und die Verbesserung der Materialien und Behandlungskonzepte einiges getan. Wir versuchen, im Rahmen der studentischen Ausbildung immer „am Puls“ zu sein und gehen mit der Zeit. Zunächst werden natürlich alle notwendigen Basics der Implantologie vermittelt. Darauf aufbauend werden auch moderne und innovative, aber immer evidenzbasierte Verfahren vermittelt. Dies sind z. B. moderne Behandlungsverfahren für die orale Hart- und Weichgewebsregeneration, 3D-Versorgungskonzepte inklusive Sofortversorgung, minimalinvasive Behandlungsverfahren, die Therapie von Periimplantitis und vieles mehr.

Eine der aktuellen Innovationen im Operationsbereich scheint momentan das Thema Robotik – minimalinvasive Assistenzsysteme – zu sein. Wie schauen Sie auf diese Entwicklung?

Ein spannendes Feld, welches ggf. in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnet. Ich versuche, immer offen für Innovationen zu sein und fortschrittlich zu denken. Welche Ansatzpunkte es hier in der Zahnmedizin gibt und wie es umsetzbar ist, wird sich zeigen müssen.

Was möchten Sie dem zahnmedizinischen Nachwuchs noch mit auf den Weg geben?

Die moderne Zahnmedizin hat einen ganz besonderen Reiz und ist unglaublich vielseitig. Wie ich immer sage: Es ist für jeden etwas dabei, einen vorbestimmten Weg gibt es nicht. Jeder muss sich in diesem Umfeld mit den mannigfaltigen Möglichkeiten, die uns unser Beruf bietet, finden und sich selbst verwirklichen. Man sollte das machen, was einem Spaß macht und wofür das Herz brennt.

Ein schönes Schlusswort, Herr Dr. Schmitt. Herzlichen Dank für das Interview.

Dieser Beitrag ist im Oralchirurgie Journal erschienen.

 

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