Branchenmeldungen 21.08.2020

Über die Bundeswehr in die Selbstständigkeit

Antje Isbaner
Antje Isbaner
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Über die Bundeswehr in die Selbstständigkeit

Die Bundeswehr bietet vielerlei Möglichkeiten, zu studieren und Berufe zu erlernen – so auch den des Zahnarztes. Dabei geht die Verpflichtung, einen vorgegebenen Zeitraum das Erlernte innerhalb der Bundeswehr auszuüben, mit einer großen Sicherheit einher – man kann sich während des Studiums voll und ganz auf das gewählte Fach konzentrieren und ist auch danach von den Strukturen vollumfänglich unterstützt. Umso größer ist der spätere Schritt in „normale“ Verhältnisse, wie der ausscheidende Bundeswehrzahnarzt und Endo-Experte Dr. Andreas Simka erläutert.

Herr Dr. Simka, Sie sind bis August noch als Zahnarzt im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg tätig, danach scheiden Sie bei der Bundeswehr aus. Wie lange waren Sie insgesamt dabei und warum haben Sie sich für den Weggang entschieden?

Am Tag meines Ausscheidens aus der Bundeswehr werde ich 18 Jahre und zwei Monate bei der Bundeswehr gewesen sein.

Die Gründe für meine damalige Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, waren eher pragmatischer Natur, verbunden mit einem Hauch Abenteuerlust. Dass die Möglichkeit bestand, Zahnmedizin zu studieren, wusste ich damals bereits durch meinen Bruder. Vor mir hatte er sich dazu entschlossen, das Studium der Humanmedizin über die Bundeswehr zu beginnen. Ich persönlich wollte mir zunächst mein eigenes Bild während meiner Wehrpflicht verschaffen. Mich reizten an der Bundeswehr die klassischen Ideale über Kameradschaft und Disziplin, aber auch die körperlichen Herausforderungen, die mit der allgemeinen Grundausbildung einhergingen. Weitere sechs Monate Tätigkeit im Geschäftszimmer eines Bundeswehrzahnarztes brachten mich dann dazu, es meinem Bruder gleich- zutun, mal abgesehen vom Studiengang. Pragmatisch war die Entscheidung deswegen, da ich schon immer auf eigenen Beinen stehen wollte. Die Bundeswehr gab mir die Gelegenheit dazu. Zudem konnte man sich ganz ohne Nebenjob komplett auf das Studieren konzentrieren.

Wie haben Sie sich auf die Praxisgründung vorbereitet? Was reizt Sie an diesem Neuanfang?

Einer meiner Brüder ist letztes Jahr erfolgreich den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen, der andere hat Anfang des Jahres die Bundeswehr verlassen. Daher konnten mir beide viele Fragen zum grundsätzlichen und speziellen Vorgehen beantworten. Wir halten uns gegenseitig auf dem Laufenden – sei es über die Praxisorganisation oder das Personalmanagement. Das hat mir den Einstieg in die Materie erheblich vereinfacht. Neben meinen Brüdern tausche ich mich auch regelmäßig mit Freunden und Kollegen aus, da einige meiner Freunde aktuell vor der gleichen Situation stehen. Zusätzlich lieferte mir ein Existenzgründungsseminar Anfang letzten Jahres einen Einblick aus einer ganz anderen Perspektive, wie zum Beispiel aus dem Bereich Marketing. Auch in Internetforen wird man zu vielen Fragen der Existenzgründung fündig.

Von Anfang an war mir klar, mich nach meiner Dienstzeit selbstständig zu machen, mein eigener Chef zu sein. Es ist gerade sehr spannend für mich, zu sehen, wie eine Praxis als Betrieb funktioniert, was es finanziell, organisatorisch oder rechtlich alles zu beachten gilt. Genauso spannend ist das Einbringen eigener Ideen in das aktuelle, sehr gut funktionierende Praxiskonzept. Idealerweise ergänzen sich die eigenen Vorstellungen mit den bestehenden Praxisabläufen. Ich denke, das ist eines der Dinge, das mich am meisten reizt: eigene Ideen in die Tat umzusetzen und zu schauen, ob und wie sie funktionieren.

Wie sieht Ihr zukünftiges Praxiskonzept aus?

Da ich eine Zahnarztpraxis mit Schwerpunkt Parodontologie und Implantologie übernehme, werde ich diese Kernkompetenzen fortführen. Gleichzeitig bin ich gerade dabei, die mikroskopische Endodontologie in die Praxisstruktur zu integrieren. Damit legen wir einen weiteren Baustein, um möglichst viele Zähne zu erhalten. Auch dem immer häufiger auftretenden Problem der Periimplantitis wollen wir verstärkt begegnen. Durch meine Zeit im Bundeswehrkrankenhaus habe ich mich intensiv mit der Behandlung dieses Krankheitsbildes beschäftigen können. Auch da möchte ich meine Erfahrungen mit in das bestehende Therapiekonzept der Praxis einbringen. Gleichzeitig möchten wir die Periimplantitis-Prophylaxe intensivieren. Das beinhaltet unter anderem regelmäßige interne und externe Schulungen des gesamten Praxispersonals.

Das Thema der Selbstständigkeit rückt neben den zahnmedizinischen Behandlungskonzepten auch die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen in den Vordergrund. Nachdem Sie nun fast zwei Jahrzehnte im Anstellungsverhältnis agiert haben – Wie groß wird die Umstellung sein?

Die Betriebswirtschaft ist sicherlich das Thema, welches mich die nächsten Wochen und Monate am meisten beschäftigen wird. Innerhalb der Bundeswehr haben wir das Glück, uns nach dem Studium maßgeblich unserem Fach zuwenden und uns in diesem Bereich weiterentwickeln zu können. Um den betriebswirtschaftlichen Anteil zu erlernen, absolviere ich gerade den Betriebswirt der Zahnmedizin. Das verschafft mir einen Überblick über die meisten wichtigen betriebswirtschaftlichen Aspekte. Da ich nach Dienstzeitende noch drei Monate in die Assistenzzeit gehe, um meine Kassenzulassung zu erlangen, nutze ich auch diese Zeit intensiv, um mich von unserer zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin und auch vom jetzigen Praxisinhaber in die betriebswirtschaftlichen Abläufe einweisen zu lassen. Die Umstellung ist groß, aber auch das macht den Reiz der Selbstständigkeit für mich aus.

Als Zahnarzt bei der Bundeswehr werden bestimmte Spezialisierungen wie Kinderzahnheilkunde, Implantologie und KFO nicht gefördert, sodass der Fokus auf die Zahnerhaltung naheliegt. Werden Sie sich auch weiterhin auf die Endodontie konzentrieren?

Die Endodontie ist sicherlich eine meiner Leidenschaften, die ich gerne weiterhin maßgeblich fortführen möchte. Eine allein auf Endodontie spezialisierte Praxis ist nicht geplant. Dafür machen mir die feinen Operationen der Parodontalchirurgie oder Implantologie zu viel Spaß. Sollte die Zeit zeigen, dass sich, etwa durch Zuweisungen, meine Behandlungszeiten verstärkt in Richtung Endodontie entwickeln, würde ich das so auf mich zukommen lassen. Worüber ich mich definitiv freuen würde, ist, wenn ich auch weiterhin über mein Lieblingsthema referieren und schreiben darf.

Und zum Schluss – Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ganz klar: Glücklich in meiner Praxis in Hamburg.

Das Interview ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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