Branchenmeldungen 23.08.2021

Mundhygiene und mögliche Übertragung von COVID-19 in WGs

Mundhygiene und mögliche Übertragung von COVID-19 in WGs

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Spanische Forscher untersuchten das (Mund-)Hygiene-Verhalten von Familien und Wohngemeinschaften, innerhalb derer Corona-Infektionen vorlagen. Die Studie wurde jetzt veröffentlicht: Falsche Zahnpflege kann das Übertragungsrisiko um ein Vielfaches erhöhen.

Im April 2020 führte ein Team spanischer Wissenschaftler mittels Online-Schneeballsystem eine Umfrage durch, die auf hygienische Umstände innerhalb von Wohngruppen abzielte, bei denen mindestens eine Corona-Infektion vorlag. Herausgefunden werden sollte, wie das hygienische sowie mundhygienische Umfeld idealweise zu gestalten sei, um weitere Infektionen innerhalb der Gruppen/Familien trotz gemeinschaftlicher Wohnsituation zu vermeiden.

Insgesamt stimmten 2.305 Personen der Umfrage zu, aber nur diejenigen, bei denen durch PCR-Test eine COVID-19-Infektion bestätigt wurde und die mit einer anderen Person zusammenlebten, mit der sie ein Badezimmer teilten, wurden ausgewählt. Insgesamt wurden daher 302 Personen in die Analyse einbezogen.

Aufbau der Befragung und Definition der Gruppen

Der strukturierte Fragebogen bestand aus Fragen, die mehrere Bereiche abdeckten: (1) soziodemografische Daten, (2) Kreuzübertragung auf eine andere Person, die in derselben Wohnung lebt und ein Badezimmer mitbenutzt, mit einem Antwortformat, das mittels einer dichotomen Frage (ja = 1/nein = 0) durchgeführt wurde, (3) Mundhygienegewohnheiten.

Im Segment Mundhygiene wurden folgende Daten erhoben:

• üblicherweise gemeinsame Nutzung einer Zahnbürste
• üblicherweise gemeinsame Nutzung eines Zahnbürstenbehälters
• üblicherweise gemeinsame Nutzung von Zahnpasta
• üblicherweise vertikale Platzierung der Bürste
• üblicherweise Platzierung der Kappe mit Loch für die Bürste
• üblicherweise Desinfektion der Bürste
• üblicherweise Schließen des Toilettendeckels vor dem Spülen
• Wechsel der Zahnbürste nach COVID-19 + Test

Die Stichprobe bestand aus 145 (48 %) Männern und 157 (52 %) Frauen mit einem Durchschnittsalter von 39,25 (± 9,94) Jahren. Was das Bildungsniveau der Gesamtstichprobe anbelangt, so hatten 34,1 % die Grundschule abgeschlossen, 29,8 % die Sekundarschule und 36,1 % einen Hochschulabschluss. 59,6 % der Stichprobe entsprachen einem mittleren sozioökonomischen Niveau. 56,3 % der Stichprobe hatten eine mit ihnen zusammenlebende Person, die von COVID-19 betroffen und in einem PCR-Test positiv war.

Luft nach oben bei den Mundhygienegewohnheiten

Nur 33,8 % putzten ihre Zähne zwei- oder mehrmals täglich, 20,2 % verwendeten täglich Zahnseide, 15,2 % benutzten eine tägliche Mundspülung und 17,2 % bürsteten täglich ihre Zunge. Die Forscher fanden signifikante Unterschiede bei den Mundhygienemaßnahmen für das Zungenputzen. Diese Hygienemaßnahme wurde in der Gruppe, in der es keine Übertragung der Krankheit auf andere Mitglieder des Haushalts gab, häufiger angewendet.

Ableitungen für den Alltag

Um Kreuzkontaminationen zu vermeiden, muss sichergestellt werden, dass sich Zahnbürsten innerhalb der Familie nicht im selben Behälter befinden. Nach dem Gebrauch werden Reinigungsgeräte kontaminiert und können, wenn sie nicht desinfiziert werden, ein Reservoir für Mikroorganismen sein. Das mikrobielle Überleben begünstigt die Wiedereinschleppung potenzieller Krankheitserreger in die Mundhöhle oder die Ausbreitung auf andere Personen, wenn Reinigungsgeräte zusammen gelagert oder gemeinsam benutzt werden.

Auch sollten Familienmitglieder nicht dieselbe Tube Zahnpasta verwenden, da dies ebenfalls eine Kreuzkontamination begünstigt. Außerdem muss die Zahnbürste mit dem Bürstenkopf nach oben aufbewahrt werden, da dies eine schnellere Trocknung ermöglicht und die Verbreitung von Mikroorganismen verhindert. Auch wenn die Bürste von einer Verpackung begleitet wird, muss diese Öffnungen haben, um das Trocknen zu erleichtern.

Toiletten sollten als mögliche Quelle einer viralen Kontamination der Raum- und Oberflächenluft betrachtet werden. Nach der Toilettenspülung kommt es häufig zu einer ständigen mikrobiellen Kontamination der Innenraumluft, die eine wichtige Quelle für die Ausbreitung nicht nur von Darm-, sondern auch von Atemwegsviren sein kann, die ebenfalls häufig über die Fäkalien ausgeschieden werden. Das Ausmaß der Kontamination in der Toilettenumgebung wurde untersucht und ergab, dass die höchste Oberflächenkontamination in der Nähe der Aerosolquelle auf Höhe des Toilettensitzes auftrat. Es wurden jedoch auch kontaminierte Oberflächen in einem Abstand von 83 cm von der Toilette gefunden. Aus diesem Grund sollte auch die Zahnbürste in einem Abstand von mindestens 1 m von der Toilette entfernt aufbewahrt werden, um eine mögliche Kontamination zu vermeiden, da das Virus auch in Fäkalien und Urin vorkommt.

Nach Beendigung eines eventuellen infektiösen Prozesses sollte immer eine neue Bürste verwendet werden.

Fazit und Ausblick

Um das Risiko einer Virusinfektion unter Mitbewohnern zu minimieren, sollte die Bevölkerung über obige Maßnahmen im Zahnumfeld informiert werden, um eine mögliche Kreuzkontamination zu verringern.

Die Studie wurde von María José González-Olmo, Bendición Delgado-Ramos, Ana Ruiz-Guillén, Martín Romero-Maroto und María Carrillo-Díaz durchgeführt. Alle Ergebnisse sowie Nebenstudien und sonstige Quellen sind hier detailliert nachzulesen: https://www.dentalnews.com/2021/07/28/oral-hygiene-habits-and-possible-transmission-of-covid-19-among-cohabitants/ 

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