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Branchenmeldungen 18.06.2015

Neue Forscher braucht das Land

Neue Forscher braucht das Land

Die Hochschulen Leipzig und Halle motivieren Studenten mit dem Symposium Young Scientists in Dentistry nachhaltig zur Wissenschaftskarriere.

Wissenschaft macht glücklich: Die Arbeit als Forscher lohnt sich vielleicht nicht unbedingt finanziell oder freizeittechnisch, aber sie wirkt sich definitiv positiv auf die eigene Persönlichkeit und Zufriedenheit aus. Diese Quintessenz konnten die Teilnehmer aus dem 11. Young Scientists in Dentistry-Symposium 2015 in Leipzig ziehen. Unter der Prämisse Nachwuchs zu fördern, wissenschaftlichen Austausch voranzubringen und den Blick über den „Tellerrand“ zu ermöglichen, begrüßte die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Leipzig gemeinsam mit der Universität Halle-Wittenberg am 12. und 13. Juni 2015 rund 90 Teilnehmer zum traditionellen Nachwuchsforschersymposium.

Impressionen aus Leipzig

Wissenschaftswerbung

Die Veranstaltung an der „Alma Mater Lipsiensis“ existiert bereits seit Mitte der 90er Jahre und diente Doktoranden der Universität Leipzig ursprünglich als Präsentationsfläche für ihre Arbeiten. Die Hochschule öffnete die ergebnis-orientierte Veranstaltung jedoch bald zu einem Treffpunkt, an dem jungen Zahnmedizinern der Weg zur Promotion und Habilitation aufgezeigt wird, und entschied sich, die Universitäten aus unmittelbarer Nähe mit ins Boot zu holen. Heute kommen neben den Leipzigern auch Studenten, Assistenten, Oberärzte und Direktoren aus Dresden und Halle in der westsächsischen Stadt zusammen, um im Rahmen des Symposiums weiterhin den Vorträgen der Nachwuchsforscher zu folgen und darüber hinaus Gedanken zum Thema Wissenschaftskarriere auszutauschen. Die Veranstaltung soll gezielt Zahnmedizinstudenten ansprechen und sie motivieren, eine akademische Laufbahn als ernsthafte Alternative zur Praxisniederlassung in Betracht zu ziehen. Dazu teilen Professoren, Doktoren und Titel-Anwärter ihre persönlichen Erfahrungen mit den Teilnehmern und stellen ihre spannenden Arbeiten vor.

Mut zur Forschungskarriere

Ein interessantes Programm und illustre Gäste sorgten auch in diesem Jahr für großen Zulauf beim Symposium. Mit einer Vortragsreihe und Industrieausstellung am Freitagnachmittag sowie Workshops am Samstagvormittag konnten die Veranstalter Univ.-Prof. Dr. Rainer Haak und Priv.-Doz. Dr. Felix Krause aus Leipzig sowie Prof. Dr. Christian Gernhardt aus Halle zahlreiche Teilnehmer in die Leipziger Uniklinik locken.

Nach der Symposiumseröffnung durch den Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie Prof. Dr. Rainer Haak richtete Prof. Dr. med. Jürgen Meixensberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie in Leipzig, einige Begrüßungsworte an die Anwesenden und lobte das Symposium als wegweisende Veranstaltung für die Zahnmedizin. Der persönliche Austausch der verschiedenen Standorte sei ein Zugewinn für die Studenten.

Im Anschluss sprach Gastreferent Prof. Dr. Roland Frankenberger, Direktor der Abteilung für Zahnerhaltungskunde am Medizinischen Zentrum für ZMK der Philipps-Universität Marburg über den „Weg von der Promotion zum Professor“, den er anschaulich und ehrlich an seinem eigenen beruflichen Werdegang schilderte. Dank seiner authentischen und humorvollen Art galt ihm dabei ab der ersten Minute die volle Aufmerksamkeit im Hörsaal. Von der behüteten Kindheit im oberbayrischen Eichstätt, über das Studium in Erlangen, die Hochzeit, den Wehrdienst, den Aufenthalt in den USA und die erste Anstellung in Marburg wusste er zahlreiche Anekdoten zu erzählen, die ihn seinem Ziel, dem Wissenschaftlerdasein, näher gebracht haben. Schon früh sei er sich sicher gewesen, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Zu früh allerdings (mit 32 Jahren) habe er habilitiert, so Frankenberger, der den Studenten den Rat gab, sich mit der Habilitation Zeit zu nehmen. Wer sich mit Anfang 30 auf einen Lehrstuhl bewerbe, werde einfach nicht ernst genommen, so seine Erfahrung aus rund 20 Bewerbungsgesprächen. Nach weiteren praktischen Tipps kam Prof. Dr. Frankenberger zu dem Fazit, dass der Weg zum Professor ein langer und steiniger sei. Doch trotz einiger Hürden und einem gewissen Verzicht, den Forscher in puncto Einkommen und Freizeit in Kauf nehmen müssten, lohne sich die Entscheidung für die Wissenschaft. Glaubhaft vermittelte Frankenberger, wie erfüllend die Arbeit an der Universität sein kann. Besonders die Abwechslung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung habe für ihn dabei einen großen Stellenwert.

Nach den motivierenden Worten des Marburger Professors konnten sich die Teilnehmer in der Pause mit Getränken und frischem Obst stärken und die Stände der Industrieausstellung besuchen, die im Foyer des Hörsaalgebäudes aufgebaut waren. Trotz der sommerlichen Temperaturen draußen war das Interesse an den Produkten der Dentalunternehmen drinnen sehr groß. Die Studenten ließen sich in persönlichen Gesprächen zu Mundhygieneartikeln, Implantaten, Finanzierungsangeboten, Publikationen, Instrumenten und Dentalgeräten beraten.

Young Scientists Awards 2015

Nach der Pause folgte der erste Block an Kurzreferaten zum übergeordneten Thema Füllungsmaterialien. Die Leipziger Patrick Schmidt und Philip Schäfer erläuterten nacheinander ihre Ergebnisse zu der „Prospektiven Bewertung von Klasse-V-Kompositfüllungen – klinisch und optischer Kohärenztomografie“ und nachfolgend zur „Bewertung – klinisch, rasterelektronenmikroskopisch und mit optischer Kohärenztomografie“, bevor Mary Michaelis aus Halle ihre „Klinische Untersuchung von GrandioSO Heavy Flow in Kombination mit dem Restaurationsmaterial GrandioSO nach 24 Monaten“ vorstellte.

Im zweiten Vortragsblock war es an Franziska Höhne aus Dresden über die „Modifikation der In-situ-Pellikel durch Pflanzenextrakte zur Erosionsprävention“ zu referieren. Die nächsten 15 Minuten nutzte ihre Kollegin Alexandra Wolf, um ihre In-situ-Studie über „Die initiale bakterielle Kolonisation bei Kindern unterschiedlicher Kariesaktivität“ zu präsentieren. Antje Diederich aus Halle wiederum erläuterte den Symposiumsgästen ihre Forschungsresultate zum „Einfluss direkter Überkappungsmaterialien auf humane Milchpulpazellen“. Als letzter Redner an diesem Nachmittag sprach Gerhard Schmalz aus Leipzig über „Dentinschutz licht- und chemisch-härtender Desensibilisierungslacke bei Belastung“. Damit endete der erste wissenschaftliche Teil der Veranstaltung.

Abends kamen Teilnehmer, Referenten und Veranstalter des Young Scientists in Dentistry-Symposiums noch einmal in entspannter Atmosphäre in einem Leipziger Restaurant zusammen, um bei einem gemeinsamen Essen die Gespräche weiterzuführen und mit Spannung der Verleihung des Young Scientists Awards entgegenzusehen. Ausgezeichnet wurden an diesem Abend Franziska Höhne mit dem 1. Platz, den 2. Platz teilten sich Philip Schäfer und Alexandra Wolf. Der Preis geht jedes Jahr an die drei besten im Rahmen des Symposiums vorgestellten Promotionsarbeiten.

Gerüstet für das „Projekt“ Doktortitel

Am Samstagmorgen wurde das Programm des Symposiums mit dem Vortrag des zweiten Gastredners Prof. Dr. Christian Hannig, Präsident der Deutschen Gesellschaft für restaurative und regenerative Zahnerhaltung aus Dresden, weitergeführt. Er sprach über den „Weg zur Promotion“, der neben Fachwissen auch Struktur und Organisationstalent bedarf. In den anschließenden Workshops befassten sich die Teilnehmer des Young Scientists in Dentistry mit der Promotion als wissenschaftliches Projekt. In kleinen Gruppen erörterten die jungen Zahnmediziner unter Leitung von Prof. Dr. Gernhardt und Dr. Karolin Brandt aus Halle, Prof. Dr. Hannig und den Organisatoren Prof. Dr. Haak und Priv.-Doz. Dr. Krause sowie ihren Kollegen Priv.-Doz. Dr. Dirk Ziebolz und Dr. Hartmut Schneider vom Leipziger Universitätsklinikum die Grundlagen der Forschungsarbeit. Die vermittelten Basics sollen den Promotionswilligen helfen, zeitlich sowie inhaltlich strukturiert und organisiert zu arbeiten. Nach einer kurzen Mittagspause tauschten sich die Teilnehmer über die Resultate der Workshops aus, bevor das Young Scientists in Dentistry-Symposium mit einigen zusammenfassenden Worten am frühen Nachmittag schließlich zu Ende ging.

Fazit

Das große Interesse sowie die positive Stimmung unter den Teilnehmenden zeigten, dass die Wissenschaft bei jungen Zahnmedizinern längst nicht aus der Mode gekommen ist, und dass Veranstaltungen wie diese mit viel Feingefühl und Kommunikation auf Augenhöhe am richtigen Punkt ansetzen. Wissenschaft fesselt und macht glücklich – das konnten die erfahrenen Organisatoren und Referenten genauso wie die Nachwuchsforscher an diesen zwei Tagen erfolgreich weitergeben.

Foto: © OEMUS MEDIA AG
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