Branchenmeldungen 02.12.2020

„Oben ohne“ in die Praxis?! Wie man mit Maskenmuffeln umgehen sollte

„Oben ohne“ in die Praxis?! Wie man mit Maskenmuffeln umgehen sollte

Die Pandemie dauert an – und mit ihr schwindet bei vielen Menschen die Disziplin, Mund und Nase zu bedecken. Obwohl es bislang keine bundeseinheitliche Maskenpflicht in Zahnarztpraxen gibt, wünschen sich viele Praxisteams diesen simpel umzusetzenden Schutzaspekt von ihren Patienten. Wie gut, dass Praxisinhaber im Rahmen des sogenannten Hausrechts selbst die Regeln zum Besuch ihrer Behandlungsräume festlegen können – deren Umsetzung liegt im laufenden Betrieb aber meist bei den Damen am Empfang. Was also tun, wenn ein Patient „oben ohne“ in der Praxis erscheint? Wichtig: Ihr als Team solltet euch vorab einen lückenlosen Ablaufplan zurechtlegen, damit im Fall der Fälle jeder weiß, was zu tun ist!

Agieren statt reagieren:

  1. Vorwartezone vor der Praxistür einrichten – idealerweise mit Sitzgelegenheit. Dann heißt es für Maskenlose: Bitte draußen warten!
  2. Bereits bei der Terminvereinbarung auf das verpflichtende Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung während des Aufenthalts in der Praxis hinweisen.
  3. Die Maskenregel nach außen zeigen: Ein gut sichtbar platzierter Aushang vor der Praxistür/am Eingang zeigt – „ab hier nur mit Maske“.
  4. Wer trotzdem „oben ohne“ in der Praxis erscheint, wird mit einem kleinen Fingerzeig auf die eigene Maske, darauf aufmerksam gemacht – kleine Geste, oft schon mit großer Wirkung.
  5. Die Wangen färben sich vor Scham leicht rot, oft gefolgt von einer kleinlauten Entschuldigung – und schon ist die Maske korrekt aufgesetzt. Wenn es nur immer so einfach wäre!
  6. Der Patient wühlt aufgeregt in der Tasche, wird aber nicht fündig? Im Idealfall habt ihr für Vergessliche einen kleinen Eigenvorrat an Masken parat, die ihr kostenlos zur Verfügung stellen könnt.
  7. Bleibt die gewünschte Reaktion aus, wird der Patient freundlich verbal darauf aufmerksam gemacht: „Mir fällt auf, dass Sie Ihre Maske nicht tragen. Zum Schutz unserer Patienten wäre es mir ein Anliegen, dass Sie das tun." Wichtig: Ich-Botschaften senden!
  8. Nicht hinter jedem Nicht-Träger verbirgt sich automatisch ein Verweigerer. Auch gesundheitliche Gründe können gegen den MNS sprechen, etwa Lungenerkrankungen. Achtung: Vorschnelles Abweisen gilt als Diskriminierung! Daher freundlich nach dem ärztlichen Attest fragen.
  9. Ein gültiges Attest liegt vor, aber ihr habt dennoch Bauchschmerzen, den Patienten ohne Maske ins Wartezimmer zu bitten? Probiert doch mal …
    • dem Patienten ein kostenloses Schutzvisier (Face Shield) zur Verfügung zu stellen,
    • oder an seine Solidarität den anderen Patienten gegenüber zu appellieren und bittet ihn, solange in der Vorwartezone zu bleiben,
    • beziehungsweise dem Patienten einen neuen Termin außerhalb der regulären Sprechzeit anzubieten.
  10. Der Patient hat kein Attest, sondern verweigert das Tragen einer Maske mit Verweis auf die Einschränkung seiner persönlichen Freiheit? Jetzt heißt es, tief durchatmen, einen kühlen Kopf bewahren und geschickt verbal intervenieren: Also keine Vorschriften zitieren oder gar mit medizinischen Fachbegriffen um sich werfen – die anschließende Diskussion wäre müßig. Besser: Anbieten, die Behandlung nach Ende des regulären Praxisbetriebs einzutakten – so bleibt euch als Team genug Zeit, eure PSA entsprechend zu verstärken.
  11. Wird auch das abgelehnt, hilft alles nix: Ihr solltet den Praxisinhaber in Kenntnis setzen und gemeinsam eine Lösung finden.
  12. Wenn alles nicht fruchtet, kann der Zahnarzt als letzten Ausweg von seinem Hausrecht Gebrauch machen und die Behandlung verweigern, etwa um andere Patienten, sein Team und nicht zuletzt sich selbst nicht unnötig in Gefahr zu bringen.
  13. Der renitente Maskenverweigerer will dennoch partout nicht gehen? Vereinbart innerhalb des Teams ein Signalwort, mit dem ihr euch untereinander unauffällig verständigen könnt, ohne dass der Wutpatient es mitbekommt: „Herr Schneider ist gerade nicht im Besprechungsraum“ etwa bedeutet dann: „Bitte verständige die Polizei“.
  14. Tipp: Spielt das Szenario des Maskenverweigerers zuvor möglichst mehr als einmal durch – das sorgt für mehr Selbstsicherheit. Denn wenn die Theorie auf die Praxis trifft, fällt das Prozedere eventuell schwer umzusetzen – erst recht, wenn der schüchterne Azubi oder die zierliche Praxismanagerin am Empfang sitzt.

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© MMphotos, Anatoliy, arkadiwn – stock.adobe.com; macrovector –freepik.com


Gilt all das auch im Notfall?

Das Genfer Ärztegelöbnis, die moderne Fassung des Eids des Hippokrates, ist seit 2010 auch Bestandteil der Muster-Berufsordnung der Bundeszahnärztekammer. In der Fassung vom 11. November 2017 heißt es:

„Als Mitglied der zahnärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein. (…) Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können. (…)“

Vereinfacht ausgedrückt: Der Patient wird zwar klar an die erste Stelle gesetzt, jedoch wird gleichzeitig die Verantwortung des Behandlers gegenüber der Allgemeinheit gestärkt – so auch gegenüber seinem Team.

Unser Rechtsexperte RA Michael Lennartz meint: „Im Notfall ist die Möglichkeit der Behandlungsablehnung zwar grundsätzlich eingeschränkt. Wenn der Nofallpatient sich aber weigert, trotz entsprechender Möglichkeit, im Wartebereich eine Maske (im Zweifel eine aus dem Vorrat der Praxis) zu tragen oder außerhalb der Räume zu warten, dürfte in der Abwägung zwischen der Hilfspflicht im Notfall und der massiven Gefährdung von Mitarbeitern und Praxisinhaber ebenfalls ein Verweis aus der Praxis gerechtfertigt sein.“

Mehr zur Sachlage aus rechtlicher Sicht in seinem Statement.

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

Foto Teaserbild: csiling - stock.adobe.com

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