Branchenmeldungen 14.01.2026

„Organisation ist kein Selbstzweck, sondern Nährboden für Exzellenz“



Als Familienunternehmen „on fire“ für Zahntechnik, dazu ein engagiertes Team aus Dental-Nerds und Andersdenkern – das ist Leuchtner Zahntechnik.

„Organisation ist kein Selbstzweck, sondern Nährboden für Exzellenz“

Foto: Leuchtner Zahntechnik

In Worms beweisen die Akteure täglich aufs Neue, was für sie „Dentalicious“ bedeutet – von der Präzisionsarbeit in ihrer Kompetenzschmiede für Zähne bis hin zum inspirierenden Podcast. Im Interview gewährt Geschäftsführer Alexander Leuchtner einen Blick hinter die Kulissen seiner Arbeitsorganisation und erläutert, warum er Prozesse nicht dem Zufall überlässt.

Alexander, wie würdest du den aktuellen Zustand deiner Arbeitsorganisation beschreiben?

Auf jeden Fall klar strukturiert und hochgradig arbeitsteilig – aber nicht starr. Wir haben unser Labor wie ein fein abgestimmtes Orchester aufgebaut: Verwaltung, Wareneingang, Disposition und Technik spielen jeweils ihre eigene Partitur – aber im gleichen Takt. Besonders wichtig ist uns dabei, dass jede Abteilung als interner Kunde der nächsten gesehen wird. So entsteht ein kontinuierlicher Fluss, in dem Fehlerquellen minimiert werden. 

Was war der Auslöser, dich überhaupt intensiver mit deinen Arbeitsabläufen zu beschäftigen?

Wenn sich Dinge verlangsamen oder wenn Fehler zunehmen, schrillen bei mir die Alarmglocken. Ich glaube an saubere Abläufe statt an hektische Betriebsamkeit. Das Ziel ist nie Perfektion, sondern Fehlerfreiheit – das reicht meist völlig aus.

Welche drei Worte beschreiben deine ideale Laborstruktur?

Klar. Konsequent. Kundenorientiert. Und ich würde sagen: Wir sind verdammt nah dran! (lacht)

Lass uns aufs Tagesgeschäft schauen: Wie plant ihr eure tägliche Arbeit?

Jede Arbeit – ob digital oder analog – kommt zuerst durch den Wareneingang. Dort wird sie technisch und administrativ aufbereitet. Danach geht sie in die Dispo, wo letzte Rückfragen geklärt und die Aufgaben digital verteilt werden. Nur bei Expressaufträgen greifen wir mal zum Stift.

Und welche Tools nutzt ihr zur Aufgabenverfolgung?

Neben unserem Labormanagementsystem Stadermann nutzen wir ein eigens entwickeltes Finance-Tool für Controlling und Auslastung. Alles ist darauf ausgerichtet, Klarheit und Verbindlichkeit zu schaffen.

Das hört sich nach viel Prozessarbeit an. Welche Prozesse sind bei euch standardisiert – und warum?

Alles, was mehrfach passiert, wird bei uns hinterfragt und optimiert. Aber: Wir lieben keine Checklisten. Stattdessen setzen wir auf ergebnisorientierte Aufgabenbeschreibungen. Das heißt: Es wird nicht dokumentiert, was gemacht wurde, sondern wie das Ergebnis auszusehen hat.

Bild von einem Quotenzeichen
„Struktur und Prozesse sind kein Selbstzweck, sondern das Fundament für Qualität, Effizienz und Kundenzufriedenheit.“

Ok. Und wie sorgt ihr dafür, dass diese Standards im Alltag eingehalten werden?

Nicht durch Kontrolle, sondern durch Haltung. Wer Verantwortung übernimmt und versteht, welchen Einfluss er oder sie hat, handelt automatisch sorgfältig. Das ist unser Anspruch.

Du sprichst von Haltung und Verantwortung. Wie sind bei euch Aufgaben und Verantwortungen verteilt?

Klar abgegrenzt und dennoch dynamisch. Mein Vater übernimmt die Qualitätssicherung, mein Bruder die digitale Infrastruktur in der Produktion, ich selbst bin für Wachstum, HR und strategische Entwicklung zuständig. Unterstützt werden wir von einer starken Laborleitung und einem engagierten mittleren Management.

Wie förderst du Eigenverantwortung im Team?

Indem ich Raum gebe und Vertrauen schenke. Verantwortung ist kein Titel, sondern eine Haltung. Führung entsteht nicht durch Ansage, sondern durch Tun.

Lass uns mal das Themengebiet wechseln. Welche Rolle spielt Digitalisierung bei euch?

Eine entscheidende. Wir haben früh auf CAD/CAM, 3D-Druck und eigene Softwareentwicklung gesetzt. Unsere Kunden erhalten Unterstützung bei der Integration digitaler Prozesse, inklusive Scanner-Miete und Schulung. So konnten wir bundesweit digitale Kundenstrukturen aufbauen.

Gibt es auch digitale Fehlschläge?

Klar, nicht jede Idee war ein Treffer. Aber wir lernen schnell. Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben, ohne jedem Hype hinterherzurennen.

Du rennst also nicht jedem Hype hinterher. Wie gehst du dann mit Veränderung um?

Mit einer lebensbejahenden Haltung. Wir jammern nicht, wir gestalten. Jeder Rückschlag ist eine Einladung, es besser zu machen. Fehler sind Lernmomente. Das leben wir vor.

Welche Rolle spielt dabei Reflexion?

Eine zentrale. In Teamrunden, Reviews oder im persönlichen Coaching reflektieren wir regelmäßig unser Tun. Nicht um Schuldige zu suchen, sondern um zu lernen.

Was ist dabei dein Credo als Führungskraft?

Raus aus der Opferrolle, rein in die Verantwortung. Ich glaube fest daran: Wer sein Unternehmen gestalten will, muss aufhören, sich zu beklagen. Stattdessen: Klarheit schaffen, Entscheidungen treffen, Raum für Entwicklung geben.

Was rätst du anderen Laborinhabern?

Traut euch, die Komfortzone zu verlassen. Ihr müsst nicht alles gleichzeitig machen, aber ihr müsst anfangen. Fangt mit zehn Prozent eurer Zeit an, euch am Unternehmen statt im Unternehmen zu betätigen. Und schaut ehrlich hin: Was ist euer Anteil an den Ergebnissen? Wer das begriffen hat, hat schon halb gewonnen.

Danke für das interessante Interview!

 

ZT Zahntechnik Zeitung 01/26

ZT Zahntechnik Zeitung


Dieser Beitrag ist in der ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

Die ZT Zahntechnik Zeitung ist das einzige unabhängige Zeitungsformat für Zahntechniker mit den Schwerpunkten Berufspolitik und Laborführung. Die branchenerfahrene Redaktion der ZT Zahntechnik Zeitung dokumentiert und interpretiert in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Technik und Service die Entwicklung des Dentalmarkts und gibt den Zahntechnikern wichtige Impulse für den Laboralltag, insbesondere für die strategische Positionierung im Wettbewerbsumfeld.

 

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