Branchenmeldungen 21.10.2008

Restaurative Zahnmedizin: protektive Füllung stoppt effektiv Karies

Restaurative Zahnmedizin: protektive Füllung stoppt effektiv Karies

Foto: © Shutterstock.com

Marburg - Wissenschaftliche Studien belegen: 70 Prozent der zahnärztlichen Tätigkeit besteht aus dem Ersatz bestehender Füllungen u. a. aufgrund einer erneuten Kariesbildung. Für das Problem hat die Wissenschaft zwei verschiedene Ursachen ausfindig gemacht. Bei der so genannten Randspaltkaries (Sekundärkaries) dringen schädliche Bakterien von außen in die Kavität ein und setzen sich in den Übergang von der Füllung zur Zahnhartsubstanz. Das Kariesrezidiv wird verursacht durch Bakterien, die nach der Präparation in der Kavität verblieben sind. Diese wiederum können häufig mit Hilfe von antibakteriellen Komponenten vermieden werden. Beide Aspekte bedeuten für die Adhäsivtechnologie eine große Herausforderung. Seit wenigen Jahren stellt die Verwendung eines antibakterielll wirkenden MDPB Monomers als Adhäsiv einen neuartigen Ansatz dar. Diese Therapie zielt darauf ab, das mit Bakterien infizierte Dentin zu desinfizieren und damit die natürlichen Prozesse der Geweberegeneration der Pulpa zu unterstützen.

Das Problem
Zu den relevanten Kariesverursachern zählen S. mutans, S. sobrinus und L. acidophilus, welche durch ihr Eindringen in das Zahndentin dieses infizieren und so die Zahnsubstanz auflösen. Traditionell wird bei einer Füllungstherapie angestrebt, das infizierte Dentin zu entfernen. Jedoch gehen wissenschaftliche Meinungen davon aus, dass dies häufig nicht oder nur unter umfangreichen Verlust von gesunder Zahnsubstanz gelingt und Mikroorganismen am Kavitätenboden bzw. in den Dentinkanälchen verbleiben. Deshalb setzen heute zahlreiche Zahnärzte auf die Desinfektion der Kavität. Eine bundesweite Umfrage unter Zahnärzten hat 2004  ergeben, dass das bevorzugte Mittel der Wahl die Phosphorsäure im Rahmen der Total-Ätz-Technik auf Schmelz und Dentin ist gefolgt von Wasserstoffperoxid (H2O2). Chlorhexidin, Alkohol und Ozon werden ebenfalls oft verwendet. Eine Studie der Universität Regensburg  hat Mithilfe des so genannten Agar-Diffusions-Tests die antibakterielle Wirksamkeit untersucht und festgestellt: Phosphorsäure, Fluoride, H2O2- und CHX Spülungen wirken in der Kavität nicht zuverlässig antibakteriell. So können Mikroorganismen durchaus das saure Milieu der Phosphorsäure überleben. Auch die anderen Spülungen wirken nur eingeschränkt auf die Bakterienstämme.

Füllungstherapie mit einem antibakteriellen Adhäsiv
Seit wenigen Jahren steht ein antibakteriell wirkendes Monomer als Bestandteil eines Adhäsivs zur Verfügung. Dieses MDPB-Monomer  enthält neben einer polymerisationsfähigen Gruppe  eine antibakterielle Pyridinium Gruppe.

Wie funktioniert die antibakterielle Wirkung? Die Pyridiniumgruppe des MDPB-Monomers ist positiv geladen. Durch eine Anlagerung an die negativ geladene Zellwand der Bakterien wird ein Ungleichgewicht der elektrischen Ladungen erzeugt und die Zellwand zerstört. Dieser Prozess ist auch als Bakteriolyse bekannt, bei dem die Bakterien abgetötet werden.

Nachgewiesen ist diese Wirkung gegenüber den relevanten Kariesverursachern S. mutans, S. sobrinus und L. acidophilus.  Trotzdem zeigt das Molekül keinen unerwünschten zelltoxischen Nebeneffekt. Es wird davon ausgegangen, dass die antibakteriell wirksame Gruppe durch die Polymerisation immobilisiert wird. Dies wiederum verhindert eine unkontrollierte Diffusion des Monomers in die Pulpa. Sie bleibt ungeschädigt. Durch die Polymerisation der Bondingschicht wird das MDPB Monomer immobilisiert und in die aktiven Bestandteile zerlegt. Jedoch dringt es dabei nicht in das Dentin ein, so dass der körpereigene Abwehrmechanismus der Pulpa gegen die Karies unterstützt wird.
 
Forschung gestern, heute und morgen
Während der vergangenen 20 Jahre hat sich die Forschung und Entwicklung im Bereich der Adhäsivtechnologie in erster Linie auf die Optimierung der Haftwerte konzentriert. Damit hat die restaurative Zahnmedizin den mechanischen Aspekt in den Fokus gerückt. Seit wenigen Jahren orientiert sich die Forschung in der restaurativen Zahnmedizin immer enger an der Medizin. In der restaurativen Zahnmedizin spielen jetzt auch biologisch präventive Gedanken eine Rolle. Dabei werden zum Beispiel mikrobiologische Faktoren untersucht, die bei der Entstehung von Karies eine Rolle spielen. Die Entwicklung des Monomer MDPB hat solche Gesichtspunkte aufgegriffen und zeigt einen neuen Ansatz in der modernen Adhäsivtechnologie.

Quelle: Sektion Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz, e.V., 20.10.2008


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