Branchenmeldungen 25.02.2026
Schweizer Studie zeigt: Viele Senioren verzichten aus Kostengründen auf Zahnarztbesuche
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Wer in der Schweiz über 65 ist, lebt in einem der teuersten, aber auch am dichtesten organisierten Gesundheitssysteme Europas. Und trotzdem verzichten viele auf notwendige Behandlungen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus finanziellen Gründen. Eine aktuelle Auswertung in der Fachzeitschrift European Journal of Public Health zeigt, dass im Jahr 2024 rund jede fünfte Person ab 65 angab, mindestens einmal auf medizinische Versorgung verzichtet zu haben, weil sie sich diese nicht leisten wollte oder konnte.1 Grundlage sind repräsentative Befragungen aus den Jahren 2017, 2021 und 2024. Besonders häufig betrifft der Verzicht die Zahnmedizin. 13 Prozent der Befragten gaben an, notwendige Zahnbehandlungen aus Kostengründen nicht in Anspruch genommen zu haben. Das überrascht nicht, denn zahnärztliche Leistungen sind in der obligatorischen Grundversicherung in der Regel nicht abgedeckt.
Auch bei ärztlichen Leistungen innerhalb der Grundversicherung liegt der Anteil derjenigen, die aus finanziellen Gründen verzichten, bei 13 Prozent. Unter anderem spielen hier Selbstbehalt und steigende Prämien eine zentrale Rolle. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede nach Einkommen. Menschen mit geringeren finanziellen Rücklagen verzichten deutlich häufiger als wohlhabendere. Männer zwischen 65 und 79 Jahren gaben übrigens häufiger an, auf Behandlungen zu verzichten.
1 Mathieu Jendly, Stéphane Cullati, Cornelia Wagner, Axelle Braggion, Valérie Santschi, Arnaud Chiolero: «Trends in cost-related forgone care among older adults in Switzerland: a repeated cross-sectional study», in: «European Journal of Public Health», Februar 2026. DOI: 10.1093/eurpub/ckag010