Branchenmeldungen 11.02.2026

Orale Gesundheit in der Schweizer Bevölkerung

Eine im Kanton Bern durchgeführte Querschnittsstudie von Borg-Bartolo et al. liefert aktuelle Einblicke in den oralen Gesundheitszustand von Erwachsenen ab 45 Jahren.

Orale Gesundheit in der Schweizer Bevölkerung

Foto: Nur – stock.adobe.com

Insgesamt wurden 275 Personen untersucht, wobei neben klinischen Parametern wie Karies nach ICDAS, der Parodontalstatus mittels PSI, der Approximal-Plaque-Index sowie der Zahnersatzstatus auch Angaben zum allgemeinen Gesundheitszustand, zu Lebensstilfaktoren und zur Mundhygiene erhoben wurden.

Die Selbstauskünfte der Studienteilnehmenden zeichneten zunächst ein positives Bild: 86 Prozent gaben an, ihre Zähne mindestens zweimal täglich zu putzen, und knapp 80 Prozent nahmen nach eigenen Angaben regelmässig zahnärztliche Kontrolluntersuchungen wahr. Die klinischen Befunde relativierten diese Einschätzung jedoch. So wiesen rund ein Drittel der Untersuchten einen Approximal-Plaque-Index von über 50 Prozent auf. Dieser Befund bestätigt die bekannte Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiv messbarer Plaquekontrolle und unterstreicht die Bedeutung einer gezielten Anleitung und Kontrolle der Interdentalhygiene, insbesondere bei älteren Patienten.

Prädiktoren oraler Erkrankungen

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der deutliche Zusammenhang zwischen steigendem Lebensalter und dem Auftreten aktiver Karies sowie parodontaler Erkrankungen. Personen ab 65 Jahren zeigten ein signifikant erhöhtes Risiko für fortgeschrittene Kariesläsionen (ICDAS 4–6) und pathologische PSI-Befunde (PSI 3–4). Dieses erhöhte Risikoniveau blieb auch in der Altersgruppe über 75 Jahre bestehen. Als weiterer wichtiger Prädiktor erwies sich die Gingivalblutung, die als klinisches Warnsignal mit einem mehr als dreifach erhöhten Risiko für Karies oder Parodontitis assoziiert war.

Für die zahnärztliche Praxis ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Prävention im höheren Lebensalter muss konsequent, strukturiert und individuell erfolgen. Ein engmaschiges Recall-System, regelmässige professionelle Zahnreinigungen, eine gezielte Schulung der Interdentalpflege sowie die frühzeitige Erkennung von Blutungszeichen sind dabei zentrale Elemente. Die Studie macht deutlich, dass gute Mundhygieneangaben allein keinen zuverlässigen Schutz vor oralen Erkrankungen bieten. Entscheidend sind vielmehr objektive klinische Befunde, kontinuierliche Betreuung und patientenangepasste Präventionskonzepte.

Gesundheitspolitische Herausforderungen

Über die individuelle Versorgung hinaus verdeutlichen die Ergebnisse auch die Notwendigkeit übergeordneter gesundheitspolitischer Massnahmen. Um die Mundgesundheit und die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu verbessern, bedarf es ganzheitlicher Strategien der öffentlichen Gesundheit, die strukturelle und gesellschaftliche Reformen einschliessen. Dazu zählen der Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten, eine verbesserte Finanzierung der Gesundheitssysteme sowie die stärkere Integration der Mundgesundheit in Konzepte zur Prävention und Versorgung nicht übertragbarer Erkrankungen. Dies ist nicht nur ein Beitrag zur oralen Gesundheit, sondern auch zur Würde und zum Wohlbefinden einer zunehmend alternden Bevölkerung.

zur Studie

Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Parodontologie

Dental Tribune Swiss Edition 01/26

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Dieser Beitrag ist in der Dental Tribune Schweiz erschienen.

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