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Branchenmeldungen 10.02.2016

„Unser nächster Auftrag lautet: Zurück zur Natur“

„Unser nächster Auftrag lautet: Zurück zur Natur“

„Stabilität ist und war immer der Schlüssel zu einer erfolgreichen Knochenaugmentation und -regeneration.“ Davon ist Dr. Henrik-Christian Hollay überzeugt. Das Implantologie Journal sprach mit dem Implantologen über neue Technologien in der regenerativen Praxis und weitere Schlüsselfaktoren für das ­Erzielen bestmöglicher klinischer Ergebnisse.

Herr Dr. Hollay, könnten Sie bitte die Wichtigkeit der Stabilität bei gesteuerter Knochenregenerations-Therapie beschreiben?

Stabilität ist und war immer der Schlüssel zu einer erfolgreichen Knochenaugmentation und -regeneration. In den letzten Jahren wurden unterschiedlichste, zum Teil sehr komplexe, Methoden und Materialien entwickelt, um dieses Ziel zu erreichen, wie zum Beispiel Titanmeshes oder verschiedenste Membranen, die alle aufwendig mit Pins angebracht, und Knochenblöcke, die an den aufzubauenden Knochen mittels Zugosteosyntheseschrauben befestigt werden müssen. Abgesehen von den chirurgischen Herausforderungen haben die Kosten hierfür die Suche nach günstigeren und einfacher zu handhabenden Materialien, die den kompletten Arbeitsablauf vereinfachen, vorangetrieben. Knochenersatzmaterialien, die kurz nach der Applikation aushärten, und in sich stabile Membranen tragen erheblich zum Erreichen dieser Ziele bei.

Welche Techniken zeichnen sich in der klinischen Praxis aus?
 
Guided Bone Regeneration, also gesteuerte Knochenregeneration, ist momentan das Schlüsselwort. Es gibt sehr viele interessante Techniken, die in der täglichen Praxis relevant sind. Eine in letzter Zeit sehr kontrovers diskutierte ist die Socket/Ridge Preservation. Es gibt auch einige sehr spezielle neue Techniken, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, wie z. B. die Tunnelaugmentationstechnik und verschiedene Schalentechniken. Diese sind alle minimalinvasiv, und bei der Tunnelaugmentation sowie der Socket/Ridge Preservation lässt sich sogar eine Lappenbildung vermeiden.

Welche sind die wichtigsten Vorteile der heutigen Generation synthetischer Knochenersatzmaterialien und Membranen im Vergleich zu GBR mit herkömmlichen partikularen Knochenersatzmaterialien und Kollagenmembranen?
 
Eine der interessantesten technologischen Entwicklungen ist die Verfügbarkeit von Materialien, die direkt nach der Applikation über eine gute plastische Formbarkeit verfügen und anschließend in situ härten. Diese beiden Eigenschaften mit der Möglichkeit, das Material mittels einer Applikationsspritze berührungsfrei zu platzieren, ermöglichen es den Klinikern, minimalinvasive (gewebesparende) Techniken (wie die oben genannten Tunnel- und Schalentechniken) in Betracht zu ziehen. So wird zum Beispiel GUIDOR easygraft von Sunstar nach etwa vier bis fünf Minuten fest und verbleibt stabil im Knochendefekt, in den es platziert wurde. Herkömmliches partikuläres Granulat (sogar solches, das mit einer Spritze appliziert wird) hingegen bleibt mobil. Dieser Umstand erfordert oftmals die Platzierung einer Membran, um die Partikel zu stabilisieren und einzugrenzen. Üblicherweise muss in solchen Fällen die Membran den Defekt an allen Seiten um 1 oder 3 mm überlappen, was einen erheblich größeren Zugangsschleimhautlappen erforderlich macht. Um eine Bakterienbesiedelung und die schnelle enzymatische Degeneration der Membran zu vermeiden, muss in solchen Fällen die Kollagenmembran durch einen spannungsfreien Schleimhautverschluss abgedeckt werden. Dabei lässt sich oftmals die Bildung eines Schleimhautlappens und eine Mobilisierung des Periostes, häufig verbunden mit einer Schlitzung und damit Denudierung, nicht vermeiden. Diese chirurgische Kaskade und das damit verbundene Gewebetrauma sind technisch sensibel, für den Patienten schmerzhaft, können den Heilungsprozess erschweren sowie mehr Zeit kosten. Außerdem können die Mikrobewegungen von einer unstabilen Stelle aus eine Weichgewebeinvasion hervorrufen, statt zu einer gewünschten Regeneration des Hartgewebes zu führen.

Was sind, verglichen mit nicht resorbierenden Materialien, die größten Vorteile von alloplastischen/synthetischen Substanzen, wie sie zum Beispiel bei der GUIDOR Bioresorbable ­Matrix Barrier verwendet werden?
 
Der interessanteste und wichtigste Punkt an resorbierbaren Materialien ist, dass ein zweiter Eingriff zum Entfernen der Membran nicht notwendig ist. Beim Entfernen einer nicht resorbierbaren Membran muss zwangsläufig erneut ein Lappen gebildet werden, was immer einhergeht mit einer Deperiostierung, was wiederum immer zu Knochen­abbauprozessen führt. Die GUIDOR Bioresorbable Matrix Barrier ist resorbierend, allerdings dauert der Resorptionsprozess länger als z. B. bei einer Kollagenmembran. Sie verbindet die lang­fristige Stabilität nicht ­resorbierender Membranen mit dem Vorteil, einen erneuten Eingriff vermeiden zu können.

Welche sind die wichtigsten Faktoren im Hinblick auf günstige Ergebnisse in der regenerativen Praxis?

Meiner Meinung nach ist neben der Stabilität der wichtigste Aspekt das Blut. Ohne ausgeprägte Blutung aus der Spongiosa in den zu rekonstruierenden Bereich wird es nie zu einer Knochen­regeneration und -augmentation kommen. Die pluripotenten ­Mesenchym-zellen, die über das Blut zu der Aug­mentationsstelle gelangen, machen die wirkliche Arbeit für uns, und es ist wichtig, dies nicht zu vergessen. Mehrere unterschiedliche Techniken und Materialien können bei korrekter Durchführung zu einem guten Ergebnis einer gesteuerten Knochenregeneration führen. Doch warum ist das so? Der Grund dafür ist, dass der menschliche Körper über ein enormes Heilungspotenzial verfügt und nur ein wenig Führung durch uns Chirurgen benötigt. Nach einer langen Zeit der Erforschung von Materialien und Techniken wird unser nächster Auftrag sein, zur Natur zurückzukehren.

Herr Dr. Hollay, vielen Dank für das ­Gespräch.
Foto: © Implantologie Journal
Sunstar Deutschland GmbH auf ZWP online
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