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Branchenmeldungen 22.06.2020

Volltreffer am Arbeitsplatz: Verliebt in den Chef

Volltreffer am Arbeitsplatz: Verliebt in den Chef

Wie arbeitet es sich eigentlich, wenn der Vorgesetzte der eigene Lebensgefährte ist? Und was sagen die Kolleginnen dazu? ZFA Sabina Metzler berichtet über ihre Arbeit in der Zahnarztpraxis „Die ZahnKur“, den Balanceakt, die „Frau vom Chef“ zu sein, und ihre Zukunftspläne – sowohl beruflich als auch privat.

War es schon immer dein Wunsch, als ZFA zu arbeiten?

Sabina: Nein, eigentlich wollte ich eine Ausbildung als Friseurin machen. Bei einem routinemäßigen Zahnarztbesuch habe ich jedoch eine Annonce für einen freien Ausbildungsplatz als ZFA gesehen und spontan entschieden, mich dort zu bewerben. Die Medizin hat mich schon immer interessiert. In Nürnberg habe ich dann die Ausbildung als ZFA erfolgreich absolviert und ein paar weitere Jahre in derselben Praxis als Angestellte gearbeitet.

Hast du dort auch deinen Lebensgefährten und heutigen Chef Christian Müller kennen- und lieben gelernt?

Sabina: Nein, das war in einer Vereinsschwimmhalle in Nürnberg. Wir haben dort oft miteinander Badeaufsicht gehabt – ich war mitten in der Ausbildung, Christian studierte Zahnmedizin. Unsere gemeinsamen Interessen haben uns dann zusammengebracht. (lächelt)

Habt ihr euch bewusst entschieden, gemeinsam in einer Praxis tätig zu sein, oder hat sich das eher zufällig ergeben?

Sabina: Mein Chef fragte mich damals, ob Christian nicht Lust hätte, seine Assistenzzeit in der Praxis zu absolvieren. Und Christian hatte vorher schon davon geschwärmt, wie toll es wäre, zusammenzuarbeiten. So begann dann ganz natürlich unsere gemeinsame zahnmedizinische Karriere.

Nach einigen Jahren Anstellung wollten wir uns selbstständig machen und haben ein wunderbares Ehepaar kennengelernt, das in Ellingen seine Praxis übergeben wollte: Herr Dr. Peter Weck und seine Ehefrau Monika. Schon nach ein paar Treffen spürten wir eine echte Verbindung zueinander, und die Entscheidung war gefallen: Diese Praxis wollen wir gern übernehmen! Aktuell arbeiten wir bei „Die ZahnKur“ gemeinsam mit dem Ehepaar, um einen langsamen Übergang zum „neuen“ Chef für die Mitarbeiter und natürlich für die Patienten zu ermöglichen. Was soll ich sagen? Es funktioniert besser denn je! Wir sind so glücklich, einander gefunden zu haben und dass weiterhin alles super harmoniert.

Was zählt in der Praxis zu deinen täglichen Aufgaben?

Sabina: Generell die Abrechnung. Diese teile ich mir aber noch mit meiner Kollegin Monika Weck. Solange sie noch arbeiten kann und möchte, habe ich dadurch mehr Zeit für die Bereiche Personal, Buchhaltung und Organisation. Natürlich bin ich auch mal in der Assistenz tätig, denn das ist eigentlich das, was mir richtig Spaß macht. Durch die vielen anderen Aufgaben komme ich aber nur sehr selten dazu.

Wie sah dein (Berufs-)Leben vor der Praxisübernahme aus?

Sabina: Eigentlich nicht groß anders. Man merkt Christian jedoch an, dass er mehr Interesse und Zeit in seine Praxis investiert, um sie voranzubringen: wirtschaftlich, hygienisch, qualitativ und vor allem menschlich.

Führst du die Praxis zusammen mit deinem Lebensgefährten oder bist du bei ihm als Angestellte tätig?

Sabina: Ich bin angestellt, doch etwas mehr Zeit als üblich investiere auch ich in die Praxis. Ich war schon immer jemand, die auch mal länger blieb, um am nächsten Tag nicht von liegen gebliebenen Aufgaben überrumpelt zu werden. Ich suche förmlich nach Aufgaben, da ich den Drang habe, alles einfacher und besser zu gestalten. Das habe ich auch meiner Ausbildung bei meinem hervorragenden Ex-Chef zu verdanken!

Inwieweit beeinflusst eure Beziehung eure Arbeit miteinander? Habt ihr eventuell vorab „Regeln“ diesbezüglich vereinbart?

Sabina: Regeln gibt es bei uns keine. Christian ist Chef in der Praxis, privat bin das ich.

Hatten schon einmal Unstimmigkeiten im Praxisalltag Auswirkungen auf euer Privatleben?

Sabina: Wenn dann nur im Klitzekleinen, wenn er zum Beispiel mit mir spazieren gehen möchte, ich aber in der Praxis meinen Aufgaben nachgehen will, da ich weiß, wie viel ich zu tun habe und ich diese Aufgaben im laufenden Betrieb niemals schaffen würde. Ansonsten ist es bei uns wie bei allen Arbeitgebern und -nehmern: Ich habe Ideen, die ich vorschlage, und er stimmt zu oder lehnt ab. Das ist auch gut so.

Siehst du die spezielle Situation der gemeinsamen Arbeit vor dem Hintergrund eurer Beziehung eher als Balanceakt oder Gewinn?

Sabina: Irgendwo doch ein Gewinn. Man spart Benzinkosten, weil man zusammen zur Arbeit fährt, man ist in einem Betrieb. Wenn der eine es nicht schafft zum Beispiel einkaufen zu gehen, geht der andere einfach. Man muss sich nicht extra telefonisch absprechen. Ich würde aber lügen, wenn es nur positive Dinge geben würde: Man kann sich nicht über den Chef aufregen oder zu mindestens sollte man es nicht. Und wenn es doch dazu kommen sollte, kann man sich nicht bei seinem Liebsten „ausweinen“. Ich würde sagen, dass wir zwischen Balanceakt und Gewinn stehen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Praxisangestellten?

Sabina: Für mich ist es eine gute Zusammenarbeit. Christian und ich sind sehr offen für Ideen und Kritik. Die Mitarbeiter haben uns auch von Anfang an als Paar kennengelernt. Hätte jemand was dagegen gehabt, wäre er nicht in der Praxis geblieben.

Hattest du schon einmal das Gefühl, dass deine Kolleginnen dich anders behandeln, du quasi als „Frau vom Chef“ außen vor bist?

Sabina: Das war zu Beginn tatsächlich so. Ich habe mich mehrmals darüber geärgert, da ich eine der „normalen“ Angestellten sein wollte. Mittlerweile verstehe ich, dass es anders nicht geht. Ich bin privat und beruflich mit Christian verbunden. Bei manchen Dingen werde ich dennoch als reguläre Mitarbeiterin behandelt. So wie es ist, ist es eigentlich perfekt. Ich verstehe die Situation der Kolleginnen vollkommen, und bin mittlerweile froh, wenn ich manchmal nicht zu viel mitkriege – und trotzdem glücklich, wenn ich mit den Mädels im Sozialraum gemeinsam lache.

Agierst du bei unterschiedlichen Meinungen zwischen den Kolleginnen und deinem Lebensgefährten manchmal als Vermittlerin?

Sabina: Ja, das tue ich tatsächlich ein wenig. Aber nur minimal. Die Mädels können bei uns Vorschläge und auch Kritik problemlos ansprechen, ohne dass sie ein schlechtes Gefühl zu haben brauchen. Bis alle dabei 100-prozentig von der offenen Kommunikation überzeugt sind, fungiere ich ein wenig als Mittlerin.

Der vorherige Inhaber Dr. Peter Weck sowie seine Frau Monika, ebenfalls als angestellte ZFA für ihren Mann tätig, kennen die Herausforderung, die professionelle Zusammenarbeit und das Privatleben im Alltag zu vereinbaren. Konnten sie euch diesbezüglich eventuell einige Tipps geben?

Sabina: Ihr Tipp war ganz einfach: Er behandelt im 1. Stock und sie arbeitet im Erdgeschoss. So ist es bei uns auch. Generell schauen Christian und ich uns die guten Eigenschaften von beiden während des laufenden Betriebes ab, also ein ganz natürlicher Prozess.

Ein großer Teil eures Lebens spielt sich in der Praxis ab. Kommt es da vielleicht aus Macht der Gewohnheit auch mal zum unbewussten Austausch von Zärtlichkeiten in der Praxis oder versucht ihr, das strikt zu vermeiden?

Sabina: Ich habe bisher nicht mal die Zeit gehabt, mir darüber Gedanken zu machen, aber auch rein aus Professionalität würde ich das auf keinen Fall tun.

Ihr habt die Zahnarztpraxis von Dr. Peter Weck erst im Februar 2019 übernommen. Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus – sowohl beruflich als auch privat?

Sabina: Privat können wir uns ein Haus mit Garten und mindestens einem Haustier gut vorstellen. Beruflich wollen wir die Praxis aber so weit bringen, dass ich beruhigt pünktlich nach Hause gehen kann, weil alles erledigt ist. Solange lebe ich den heutigen Tag: Volle Power, bis der Akku leer ist!

Liebe Sabina, vielen Dank für das offene Gespräch!

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

Teaserbild: Illustration designed by Freepik / Foto: privat

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