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Branchenmeldungen 26.11.2019

Kollegin auf vier Pfoten: Die Assistenz mit der kalten Schnauze

Kollegin auf vier Pfoten: Die Assistenz mit der kalten Schnauze

Sie vermittelt zwischen nervös Wartenden, Angstpatienten und Kollegen, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben: Labradoodle-Hündin Ilsa ist in der Praxis von Eva Christoff als Therapiehund ein fester Bestandteil des Teams. Über den Behandlungsalltag mit vierbeiniger Kollegin erzählt sie im Interview.

Frau Christoff, wie sind Sie und Ihre Praxis „auf den Hund gekommen“?

Eva Christoff: Ilsa kam im Februar 2019 im Alter von acht Wochen zu uns. Seither begleitet sie uns täglich durch unseren Praxisalltag. Ich selbst habe jahrelang ehrenamtlich bei der Lebenshilfe für behinderte Menschen mitgearbeitet, dort gab es auch einen Labradoodle, der mich mit seiner einfühlsamen Art unheimlich beeindruckt hat.

Natürlich haben wir uns vorher ausführlich informiert, weil wir für die Praxis einen Hund mit einem ruhigen Wesen brauchten. Darum habe ich auch mehrmals bei einer Züchterin einen Wurf mit elf Welpen besucht und genau deren individuelles Verhalten und Reaktionen auf äußere Einflüsse und Geräusche angeschaut, um das richtige Tier auszuwählen. Außerdem haben wir uns erkundigt, dass es auch hygienetechnisch in Ordnung ist – ich habe das mit dem Hygienebeauftragten unseres Dentaldepots und mit Kollegen von der Bezirkszahnärztekammer besprochen.

Welche Ansprüche haben Sie an einen Therapiehund für die Praxis?

Eva Christoff: Als Therapiehund hat Ilsa die Aufgabe, in allen Situationen ruhig zu bleiben und mit ihrer guten Energie einfach da zu sein. Ohne aufdringlich und fordernd zu sein, ist sie für unsere Patienten und uns da. Sie hat klare Regeln zu befolgen: Sie darf in der Praxis zum Beispiel nicht springen, nicht toben und selbstverständlich nicht beißen.

Wie verlief die Ausbildung von Ilsa zum Therapiehund und die Gewöhnung an die Praxis?

Eva Christoff: Sie besuchte die Welpenschule ab einem Alter von acht Wochen und dann die Hundeschule bis sie sechs Monate alt war. Dabei gab es Privatstunden mit einer Hundetrainerin. Es musste natürlich geklärt werden: Was ist im Alltag wichtig? Was muss der Hund können? Welche Kommandos muss Ilsa beherrschen, welches Verhalten geht gar nicht? Ilsa gibt zum Beispiel nicht Laut – jedenfalls nicht in der Praxis, weil sie weiß, dass sie es dort nicht darf.

Da Ilsa von klein auf einfach immer in der Praxis dabei war, hat sie mit den Geräuschen wie etwa von Turbinen oder Schallgeräten keine Probleme. Dabei hilft auch ihr ruhiges Temperament – wir haben wie gesagt gezielt einen besonders stresstoleranten Welpen beim Züchter ausgewählt.

Ihr Labradoodle Ilsa ist ein markantes Tier. Haben Sie sich bewusst für diesen Hundetyp entschieden und wenn ja, warum?

Eva Christoff: Die Auswahl des Hundes fiel, neben den perfekten Wesenszügen, auf einen Labradoodle, da diese Rasse nicht haart und als hypoallergen gilt. Sie sind sehr gelehrig und haben ein besonders ruhiges, geduldiges Wesen, das auf angenehme Weise Entschleunigung vermittelt.

Welche Aufgaben übernimmt Ilsa in der Arbeit mit den Patienten? Welche Effekte konnten Sie seitens der Patienten beobachten?

Eva Christoff: Ilsa lenkt ab und zaubert ein Lächeln in die Gesichter der oft stark ängstlichen Patienten. Auf Wunsch kommt sie mit ins Behandlungszimmer und lässt sich streicheln. Sie macht allen den Praxisalltag angenehmer. Sie kommt, vermittelt zwischen Behandlern, nervös Wartenden, Patienten und Kollegen. Kurz gesagt: Sie baut Brücken. Jeder hält bei dem belebenden Hund inne, streichelt und begrüßt ihn. Das bremst die alltägliche Hektik auf angenehme Weise.

Gab es auch negatives Feedback seitens der Patienten auf Ilsa?

Eva Christoff: Es hat jedenfalls niemand kommuniziert, dass er wegen des Hundes nicht mehr kommt – aber es ist selbstverständlich nicht auszuschließen. Aber natürlich: Menschen mit Hundeangst tun sich schwer; wir berücksichtigen das und halten Ilsa von ihnen fern. Im ersten Stock hat sie einen Rückzugsort.

Bitte beschreiben Sie uns beispielhaft einen ganz normalen Praxistag mit Ilsa.

Eva Christoff: Vor der Praxis gehen ich und meine Familie mit Ilsa spazieren. Dann wird sie in der Praxis in ihrem Bereich im ersten Stock – Ilsas Rückzugsort mit Hundebett – gefüttert. Meist macht sie dann oben eine Pausenzeit. Ilsa bewegt sich tagsüber frei in der Praxis, wobei die Fläche mit über 600 Quadratmetern auch zum Spielen mit ihrem Ball einlädt. In den Behandlungszimmern ist sie nur, wenn der Patient das wünscht. Da wir insgesamt elf hundeliebende Teammitglieder sind, genießt Ilsa viel Zuwendung, abwechselnde Gassigänge und Spiel- und Schmusezeiten. Wir erfreuen uns täglich an ihr und haben das große Glück, dass die Praxis umgeben von Grünflächen zwischen der Murr und Weissach sowie vier Laufminuten von einem Naturschutzgebiet und Wiesen entfernt ist. Manchmal gehen sogar Patienten mit Ilsa Gassi.

Ist das komplette Praxisteam in das Handling mit Ilsa involviert?

Eva Christoff: Ja, das ganze Team ist daran beteiligt – alle ZFAs, Dentalhygienikerinnen, die Azubis … Es gibt dafür allerdings keinen konkreten Plan, den ich irgendwie organisiere – das ergibt sich in unserem Team ganz von allein.

Waren alle Mitarbeiterinnen mit dem neuen Teammitglied einverstanden oder gab es Vorbehalte?

Eva Christoff: Wir haben natürlich vorher alle gemeinsam im Team besprochen, welche Herausforderungen das mit sich bringt, welche Probleme auftreten könnten. Eine Mitarbeiterin hat auch zu Beginn ganz offen gesagt, sie findet Hund und Zahnarztpraxis gehen nicht zusammen – das ist auch eine Einstellung, die wir respektieren. Sie ist inzwischen gegangen.

Es gibt bei uns ohnehin regelmäßige Teamsitzungen; unser Team aus elf Frauen pflegt eine gute Kommunikation, da würden Vorbehalte schnell zur Sprache kommen.

Welche Besonderheiten müssen Sie durch Ilsa in Ihrer Praxis in puncto Hygiene und Richtlinien beachten?

Eva Christoff: Im Hygienebereich hält sich Ilsa ohnehin nicht auf, wobei sie mit ihrer angenehmen Größe – der Rumpf endet auf Kniehöhe – kein Kontaminationsrisiko darstellt. In die Behandlungszimmer darf Ilsa wie gesagt auch nur dann, wenn der Patient es wünscht. Da sie ein Labradoodle ist, haart sie praktisch nicht. Ihre Pfoten bringen mal Dreck mit in die Praxis, aber das tun die Schuhe unserer Patienten auch.

Über die Facebook-Seite Ihrer Zahnarztpraxis in Backnang posteten Sie kürzlich ein Foto von sich und Ilsa mit dem Satz: „Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder!“ Inwieweit würden Sie Ilsa als festen Bestandteil Ihres Teams bezeichnen?

Eva Christoff: Sie lässt sich streicheln und hat ihren „Job“ vor allem bei Kindern und Angstpatienten. Ilsa baut Brücken zu Neupatienten, weil sich durch den Hund Kommunikationsebenen ergeben, die es sonst in einer Arztpraxis nicht gibt: Die Patienten werden lockerer, erzählen von ihren eigenen Haustieren oder Ähnliches. Und als Mitglied unseres Teams sorgt sie natürlich für gute Laune – man baut den Stress im Praxisalltag leicht ab, wenn man mit ihr spielt oder eine Runde Gassi geht. Sie ist sozusagen in doppelter Hinsicht ein Teil der Wohlfühlatmosphäre unserer Praxis.

Was können Ihr Praxishund und Praxishunde im Allgemeinen in der Zahnarztpraxis leisten?

Eva Christoff: Sie verbreiten positive Energie, nehmen Angst, Spannung und bieten immer ein gutes Gesprächsthema. Das sollte man nicht unterschätzen – gerade bei Kindern ist das ein guter Eisbrecher! „Schauen wir uns Ilsas Zähne an, ob die wohl sauber sind... und wie ist das mit deinen Zähnen? Sind die auch so schön sauber?“

Was würden Sie Praxisteams raten, die mit der Anschaffung eines Therapiehundes liebäugeln?

Eva Christoff: Man muss sich zunächst mal – wie jeder, der sich einen Hund anschafft – im Klaren darüber sein, dass sich das Leben dadurch verändert. Das ganze Team muss ins Boot geholt werden, um vorab alle Aspekte gemeinsam zu beleuchten. Gibt es Ängste? Wie ist das Verhältnis zu Tieren allgemein? Der Mehraufwand an Zeit und Bodenpflege ist zu berücksichtigen. Sind alle bereit, diesen Mehraufwand mit zu tragen? Außerdem muss es einen Rückzugsort für den Hund geben und die Möglichkeit, ihn von den Patienten getrennt zu halten, wenn das nötig werden sollte.

Erinnern Sie sich spontan an einen besonders witzigen oder anrührenden Moment mit Ilsa innerhalb des Praxisalltags?

Eva Christoff: Einmal musste ich tatsächlich lachen, als wir bei einer Angstpatientin Kronen präpariert haben und sie an einen Punkt kam, wo sie auf dem Stuhl saß und nur noch „Hund!“ verlangt hat – Ilsa war da aber gerade auf Gassirunde. Und was sicher viele kennen: Manchmal kommen Kinder schon weinend an, weil sie einfach nicht zum Zahnarzt wollen. Ilsa merkt das dann und kommt direkt und lässt sich streicheln. Da wird dann sehr schnell weniger geweint.

Haben Sie vielen Dank für die spannenden Eindrücke, Frau Christoff!

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

Fotos: www.vinzentweinbeer.com / privat

Kontakt

Eva Christoff
Zahnärztliche Praxis
Spinnerei 48
71522 Backnang
Tel.: +49 7191 3678 757
info@zahnarztpraxis-christoff.de
www.zahnarztpraxis-christoff.de

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