Branchenmeldungen 14.09.2021

Vom Arbeitsamt zur Gewinnerpraxis des ZWP Designpreises 2020

Vom Arbeitsamt zur Gewinnerpraxis des ZWP Designpreises 2020

Jedes Jahr wird aufs Neue „Deutschlands schönste Zahnarztpraxis“ gesucht. Im vergangenen Jahr wurde die Jury des ZWP Designpreises an der Schweizer Grenze im südlichen Ausläufer des Schwarzwaldes fündig – die Kieferorthopädische Praxis von Dr. Moritz Rumetsch in Bad Säckingen wurde einstimmig zum Gewinner des Wett­bewerbs gekürt. Corona-bedingt konnte die feierliche Preisübergabe vor Ort erst im ­Sommer 2021 erfolgen. Das lange Warten aber hatte sich gelohnt: Die Praxis war live noch eindrucksvoller als auf Papier. Ein Gespräch mit Dr. Moritz Rumetsch zum Konzept der Praxis, dem besonderen Design und seinem Wirken als Praxisinhaber. 

Herr Dr. Rumetsch, Sie haben mehrere Praxisstandorte in der Region. Was hat Sie zu den verschiedenen Standorten bewogen und planen Sie in diese Richtung schon weiter?

Im Jahr 2000 eröffnete ich meine erste eigene Praxis in Bad Säckingen, die jedoch eher defensiv geplant war und keine Erweiterungsmöglichkeiten zuließ. Zehn Jahre nach der Gründung der Praxis in Bad Säckingen ergab sich die Gelegenheit, in einem neu errichteten Ärztehaus in Waldshut-Tiengen Flächen zu mieten. Nach reiflicher Überlegung fand ich die Idee spannend, von Anfang an Einfluss auf die Gestaltung der Räumlichkeiten nehmen zu können. So entstand die zweite Praxis, auch um unsere Patienten aus dem östlichen Raum des Kreises betreuen zu können. 2018 entschieden wir uns für eine räumliche Veränderung in Bad Säckingen und zogen im ehemaligen Arbeitsamt ein. Dabei profitierten wir stark von den Erfahrungen der ersten beiden ­Praxisgründungen, sozusagen ist das jetzt meine „dritte“ Praxis. Einen weiteren Praxisstandort plane ich an meinem Wohnort in Basel, hier ergab sich eine weitere Möglichkeit für eine Neugründung. 

Wie sind Sie denn anfänglich in diese besondere Drei-Nationen-Grenzregion des Schwarzwalds gelangt? Haben Sie hier in der Nähe studiert oder gab es andere Beweggründe?

Studiert habe ich in Würzburg und war nach dem Studium ein Jahr mit der Marine als Schiffszahnarzt auf dem Mittelmeer unterwegs. Nach meiner Rückkehr war ich für ­zwei Jahre parodontologisch und kieferorthopädisch an der Universität Würzburg tätig. ­Anschließend wechselte ich als angestellter Zahnarzt in die kieferorthopädische Fachpraxis von Dr. Schrems in Regensburg und absolvierte meine Facharztprüfung. Von dort aus suchte ich deutschlandweit nach geeigneten Räumlichkeiten für meine eigene Praxis. Mein ursprünglicher Plan war es, eine Praxis zu übernehmen, doch dieser Weg realisierte sich letztlich nicht. Der Bezug zum südlichen Raum bestand aus familiären Gründen, aber auch Zufälle (z. B. ein Urlaub in der Region bei schönstem Wetter) haben uns nach Bad Säckingen verschlagen und meine Familie und ich haben es nie ­bereut. Neben dem wirtschaftlichen Einfluss, den diese Grenzregion hat, besteht eine hohe Lebensqualität in diesem Dreiländereck aus Frankreich, Schweiz und Deutsch­land mit der Nähe zum Rhein. Es ist in vielerlei Hinsicht ein optimaler Ort für eine ausgewogene Balance aus Arbeit und Leben.

Kommen wir zurück zu Ihren Praxen. Wie schafft man es, allen Standorten als Praxisgründer gerecht zu werden?

Es ist natürlich nicht möglich, alles alleine zu machen. Deshalb ist es entscheidend, Mitarbeiter an seiner Seite zu wissen, die einen unterstützen und das Ganze mittragen. Momentan sind wir ein Team von drei Kieferorthopädischen Fachzahnärzten*innen, zwei Kieferorthopädischen Zahnärztinnen und einem Weiterbildungsassistenten. Letztlich haben wir insgesamt ein Praxisteam mit über 50 Mitarbeiter*innen, die zusammen an einem Strang ziehen.

Inwieweit unterscheiden sich die Praxen?

Der Unterschied der beiden kieferorthopädischen Praxen besteht schon allein in der unterschiedlichen Geometrie der Räumlichkeiten bzw. deren Aufteilung. Das beeinflusst natürlich die Arbeitsabläufe. Grundsätzlich arbeiten wir aber mit einem einheitlichen Qualitäts- und Hygienekonzept, um höchste Qualitätsstandards in allen Standorten zu gewährleisten. Interessant ist: In der allerersten Praxis hatten wir noch einen großen Behandlungsraum mit mehreren Stühlen. Das war damals nicht nur in Zahnkliniken, sondern auch in Einzelpraxen durchaus üblich. In zunehmendem Maße veränderten sich jedoch die Ansprüche und Befindlichkeiten der Patienten gegenüber ihrer Privatsphäre und das bedingte die Trennung in einzelne Behandlungsräume, wie es heute einfach erwartet wird.

Welchen Herausforderungen begegneten Sie anfänglich mit Ihrer Designidee in ­­Bad Säckingen und was hat Sie zu Ihrem Praxisdesign inspiriert?

Die größte Herausforderung in der Gestaltung der Praxis bestand in der vorgegebenen Infrastruktur. Wir befinden uns hier, wie bereits schon erwähnt, in den ehemaligen Räumen des Arbeitsamtes von Bad Säckingen. Die Grundstruktur eignet sich erst mal nicht für eine Praxis. Ziel bzw. die Anforderung an die Architekten Matthias Köppen und Anne Rumetsch war es, eine Atmosphäre zu schaffen, in denen sich die Patienten wie die Mitarbeiter und schlussendlich ich selbst wohlfühlen. Dafür ist natürlich Holz immer ein geeignetes Material, um Wärme zu erzeugen, und hat sich bei der Entscheidungsfindung aus unterschiedlichsten architektonischen Konzepten durchgesetzt. Die gewählte Weißtanne gefiel uns aufgrund der hellen Struktur und dem regionalen Bezug als heimisches Holz; die österreichische Schreinerei konnte es direkt vor Ort verarbeiten. Die Idee zu den außergewöhnlichen italienischen Bildtapeten entstand aus dem Wunsch, vereinzelte Räume (zum Beispiel ­der Warte- und WC-Bereich) etwas aufzubrechen und ­größer wirken zu lassen. Durch die perspektivischen Muster wird der Raum geöffnet.

Das Feedback der Patienten ist heute wichtiger denn je: Was sagen denn Ihre Patienten zum Interieur der Praxis?

Die Patienten sind immer wieder ausgesprochen positiv überrascht, und wir erhalten viel Lob und Zuspruch, wenn sie unsere Räumlichkeiten betreten, vor allem ­weil es das Standard-Bürogebäude von außen nicht vermuten lässt. 

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