Anzeige
Branchenmeldungen 15.08.2016

Zahn- und Mundhygiene für Senioren und Pflegebedürftige

Zahn- und Mundhygiene für Senioren und Pflegebedürftige

Foto: © kulniz – Fotolia.com

Zahn- und Mundhygiene für Senioren und Pflegebedürftige 

Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) hat der deutschen Bevölkerung unlängst ein erfreulich gutes Zeugnis ausgestellt: In allen Bereichen und über alle sozialen Schichten hinweg hat sich die Zahn- und Mundgesundheit der Deutschen weiter verbessert, daher schneidet sie auch im internationalen Vergleich gut ab – das Ergebnis von Prophylaxe, Aufklärung und besserer Mundhygiene sind daher die gesündesten Kinderzähne und ein deutlicher Rückgang von Senioren, die unter vollständiger Zahnlosigkeit leiden.

Das ist jedoch noch lange kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Denn obwohl die Studie den über Jahre hinweg erzielten Erfolg der eingeschlagenen Wege bei der Vorsorge eindeutig belegt, weist sie gleichzeitig die Problemfelder auf, die in Zukunft größere Beachtung werden finden müssen.

Quelle: Bundeszahnärztekammer

Stichwort demografischer Wandel

Das betrifft in erster Linie ältere Menschen, wenngleich es auch hier gute Nachrichten gibt:

  • Die jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) leiden tendenziell immer weniger häufig an Parodontitis, haben aber zugleich mehr erhaltene Zähne.
  • So hat sich die Zahl der gänzlich Zahnlosen in dieser Altersgruppe seit 1997 halbiert, darüber hinaus liegt die Zahl der erhaltenen Zähne durchschnittlich bei fünf mehr als im Jahr 1997.
  • Für Zahnmediziner besteht dadurch die Chance, bei den 65- bis 74-Jährigen einen festsitzenden Zahnersatz zu verankern.

Anders gestaltet sich die Situation von älteren Menschen, die pflegebedürftig sind. Sie haben eine deutlich höhere Karieserfahrung, sind wesentlich häufiger auf herausnehmbaren Zahnersatz angewiesen und verfügen über weniger eigene Zähne als beispielsweise die Gruppe der älteren Senioren (75 bis 100 Jahre). Das hängt damit zusammen, dass diese Bevölkerungsgruppe die tägliche Mundhygiene häufig nicht ohne Unterstützung bewältigen kann und auch bei der Reinigung und Pflege von Zahnprothesen auf Hilfe angewiesen ist. Die DMS V macht in diesem Zusammenhang einen Anteil von 30 Prozent der Pflegebedürftigen aus, allerdings steigt mit dem Grad des Pflegebedarfs auch die Zahl der Betroffenen.

Die positiven Ergebnisse hinsichtlich der Mundgesundheit deutscher Senioren – die Krankheitslasten haben sich zum Beispiel zwischen den Jahren 2005 und 2014 von den jüngeren Senioren zu den älteren verschoben – dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demografische Wandel trotz allem eine Herausforderung darstellen könnte.

Handlungsbedarf bei Parodontalerkrankungen

Der insgesamt erfreulichen Entwicklung im Bereich der Parodontalerkrankungen – innerhalb von zehn Jahren haben sich insbesondere die Fälle schwerer Parodontitis bei den jüngeren Senioren halbiert – steht eine immer noch recht hohe Quote an betroffenen älteren Menschen gegenüber:

  • In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen leidet immer noch mehr als die Hälfte (65 Prozent) an parodontalen Erkrankungen.
  • Fälle von moderater Parodontitis sind zudem nur in minimalem Umfang zurückgegangen (von 47,9 Prozent im Jahr 2005 auf 44,8 Prozent im Jahr 2014) und trotz der Halbierung von Fällen schwerer Parodontitis trifft diese immer noch ein Fünftel der jüngeren Senioren.
  • Bei den älteren Senioren ab 75 Jahren ist die Entwicklung sogar deutlich schlimmer, die Quote moderater bis schwerer Parodontalerkrankungen liegt bei ihnen mit rund 90 Prozent noch einmal fast 30 Prozent höher.

Der zunehmende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft und der offensichtliche Zusammenhang zwischen Alter und parodontalen Beschwerden macht es wahrscheinlich, dass der Behandlungsbedarf in Zukunft weiter steigen wird. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen verweist hierzu unter Berufung auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA auf den Bedarf an Zahnersatz in der deutschen Bevölkerung: Der liegt schon jetzt bei 52 Prozent, noch einmal 54 Prozent der Befragten ohne Zahnersatz rechnen damit, zukünftig darauf angewiesen zu sein.

Solche Prognosen, zusammen mit Leistungskürzungen bei den gesetzlichen Krankenkassen, haben in den vergangenen zehn Jahren zu einem Anstieg von Abschlüssen von privaten Zahnzusatzversicherungen geführt. Darüber hinaus sollte aber auch nicht vergessen werden, dass gerade für Privatversicherte mit einem Basistarif eine Aufbesserung des Versicherungsschutzes eine gewisse Notwendigkeit darstellt, gerade wenn die Behandlungskosten über den dessen üblichen Leistungsumfang hinausgehen.

Damit können Versicherte den Kostenaufwand für etwaig erforderliche Zahnersatzleistungen abdecken – das gilt übrigens auch für Kassenpatienten, denen diese Möglichkeit ebenfalls offensteht. Abgesehen vom Nutzen für die Versicherungsnehmer selbst sind diese Zusatzversicherungen zudem unter betriebswirtschaftlichen Aspekten für Praxisbetreiber durchaus ein wichtiger Faktor. Ein unproblematischer Ablauf ist dadurch allerdings für beide Seiten nicht garantiert, was unter anderem an leistungsmäßig stark unterschiedlichen Tarifen oder den zu beantwortenden Gesundheitsfragen liegen kann.

Immerhin: Gleichzeitig zum Anstieg der Zahl von Patienten mit Implantaten – die liegt im Vergleich zu 1997 rund zehnmal höher – ist auch die Zufriedenheit der jüngeren Senioren mit ihrem festsitzenden Zahnersatz sehr hoch (86,7 Prozent).

Zahnmedizinische Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf

Als die Gruppe, die in puncto Zahn- und Mundhygiene im Vergleich am schlechtesten dasteht, erfordern ältere Menschen mit Pflegebedarf schon jetzt besondere Aufmerksamkeit. Das hängt in erster Linie mit dem altersbedingten Rückgang der zahnmedizinisch funktionellen Kapazität zusammen, die sich in wichtigen Bereichen negativ bemerkbar macht:

  • Während auf der einen Seite ein erhöhter Behandlungsbedarf durch die Pflegebedürftigkeit besteht, sinkt auf der anderen Seite die Therapiefähigkeit der Betroffenen. Die geringere Belastbarkeit macht dann zum Beispiel ambulante Behandlungen weitgehend unmöglich.
  • Dazu kommt, wie schon oben erwähnt, die nachlassende Fähigkeit, die tägliche Mundhygiene, was die Pflege von Zahnprothesen einschließt, zu bewältigen. Ohne Hilfe ist das einem Drittel der pflegebedürftigen Menschen nicht mehr möglich.
  • Wenn es um das eigenverantwortliche Organisieren von Zahnarztterminen und Praxisbesuchen geht, liegt die Zahl derer, die hierbei Unterstützung brauchen, sogar bei 60 Prozent. 

Quelle: Bundeszahnärztekammer

Dazu kommen weitere spezifische Problemfelder, etwa die vergleichsweise große Anteil von Menschen mit Pflegebedarf, der keine eigenen Zähne mehr haben (der liegt bei 50 Prozent) bzw. deren verbliebene Zähne durch die gerade aufgeführten Faktoren weniger funktionstüchtig und zugleich besonders behandlungsbedürftig sind. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass pflegebedürftige ältere Senioren eben nicht über festsitzende Prothesen, sondern über herausnehmbaren Zahnersatz verfügen.

Gefordert sind aber nicht allein die Mediziner, denn die Mundgesundheit Pflegebedürftiger fällt selbstverständlich auch in den Aufgabenbereich der Pflegenden. Angehörige und/oder Pflegepersonal können mit ihrer Hilfe einerseits zur Zahngesundheit der zu pflegenden Menschen beitragen, andererseits erhalten sie damit zugleich deren allgemeinen Gesundheitszustand – und die Lebensqualität.

Sie sind darüber hinaus eine wichtige Brücke zum Zahnarzt: Sie können den Kontakt herstellen, wenn Handlungsbedarf besteht, sie kennen eventuelle Grunderkrankungen, die sich nachteilig auf die Zähne auswirken können und spezielle Therapien möglich machen. Umgekehrt ist der Zahnmediziner in der Lage, den Pflegenden individuelle Hilfe anzubieten, von der Behandlung – im Zweifelsfall auch in den heimischen vier Wänden – ganz zu schweigen. Aufsuchende Betreuung und Präventionsmanagement gehören daher auch zu den Punkten, die von den zahnärztlichen Institutionen schon lange als notwendige Maßnahmen angeführt werden und die durch AuB-Konzept auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden haben. In dieser Hinsicht kann, in der langfristigen Perspektive, also mit weiteren Verbesserungen hinsichtlich der gesamtdeutschen Mundhygiene gerechnet werden.

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige